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Der 9. November – Schicksalstag der Deutschen

Heute vor 100 Jahren rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann aus einem Fenster des Berliner Reichstags die Republik aus. Der 9. November ist wie kaum ein anderes Datum der deutschen Geschichte mit so vielen epochalen Wendepunkten verknüpft. Die Deutschen erlebten an diesem Tag große Glücksmomente, aber auch dunkle Stunden ihrer Geschichte. Ein Tag zum Feiern und zum Gedenken gleichermaßen.

9. November 1848: Der Anfang vom Ende der „Märzrevolution“
1848 kam es in einigen deutschen Staaten und in Österreich zu Spannungen. Die auch als „Märzrevolution“ bezeichneten Aufstände begannen im März 1848 und dauerten bis zum Herbst 1848 an. Die Revolution richtete sich gegen die sogenannten Mächte der Restauration, also gegen die absolutistischen Herrscher  Preußens, Österreichs, Russlands und Frankreichs und deren politischen und sozialen Verhältnisse. Die absolutistischen Herrschen gingen zunächst auf die Forderungen der bürgerlichen Revolutionäre ein und versprachen wieder Verfassungen und führten Presse- und Versammlungsfreiheit ein.

Der parlamentarier Robert Blum wird in Wien von Truppen der Gegenrevolution erschossen.

Der Parlamentarier Robert Blum wird in Wien von Truppen der Gegenrevolution erschossen.

Am 18. Mai 1848 trat in der Paulskirche in Frankfurt erstmals die Deutsche Nationalversammlung aus Abgeordneten aller deutschen Staaten zusammen, um ein Gesetz über die Grundrechte des Deutschen Volkes zu beschließen. Das Ziel war eine demokratische Verfassung für ein geplantes Deutsches Reich.
Doch nicht jeder hielt es für eine gute Idee, das Volk über seine Geschicke mitbestimmen zu lassen. Der erste Versuch, Deutschland als Teil einer europäischen Modernisierung nach freiheitlichen und nationalen Leitvorstellungen auszurichten, scheiterte am Widerstand der reaktionären Kräfte. Am 9. November 1848 wurde der republikanische Parlamentsabgeordnete Robert Blum in Wien von den Truppen der Gegenrevolution erschossen. Das Ereignis markierte den Anfang vom Ende der so genannten Märzrevolution in den Staaten des Deutschen Bundes.

9. November 1918: Der Kaiser dankt ab – Deutschland wird zur Republik
Das Ende des Ersten Weltkriegs stand unmittelbar bevor. In Deutschland brach die sogenannte Novemberrevolution aus. Nach 4 Jahren Krieg sehnte sich das deutsche Volk nach Frieden und forderte die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. Der wenige Wochen zuvor berufene Reichskanzler Max von Baden verkündete eigenmächtig die Abdankung des Kaisers und den Thronverzicht des Kronprinzen. Damit wollte er vor allem radikale politische Kräfte innerhalb der Linken ausbremsen. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Philipp Scheidemann rief daraufhin von einem Balkon des Berliner Reichstags die erste deutsche Republik aus und besiegelte damit das Ende der Hohenzollernherrschaft. Doch er war nicht der Einzige, der an diesem Tage die Republik ausrief. Auch Karl Liebknecht rief 2 Stunden später im Berliner Tiergarten die „freie sozialistische Republik Deutschland“ aus. Doch dazu sollte es nicht kommen. Es wurde für eine verfassungsgebende Nationalversammlung gestimmt, aus der die junge Weimarer Republik hervorging. Doch in Deutschland hatte man wenig Erfahrung mit dieser Regierungsform. In den nächsten Jahren bekämpften verschiedene politische Lager die junge Demokratie: Die Kommunisten wollten eine sozialistische Herrschaft, Monarchisten wünschten sich das Kaiserreich zurück und die Nationalsozialsten strebten nach einer Diktatur.

9. November 1923: Hitler-Ludendorf Putsch – Hitler will die Macht und scheitert
Deutschland war in der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs ein Land in der Dauerkrise. Die Wirtschaft war schwach, linke und rechte Kräfte attackierten immer wieder die schwache Demokratie und die Ansprüche der Alliierten schwächten Deutschland zusätzlich.
Diese Schwäche wollte Adolf Hitler nutzen. Er rief am Abend des 8. November die „Nationale Republik“ aus und marschierte am folgenden Tag gemeinsam mit General Erich von Ludendorf und tausenden Anhängern der Partei zur Feldherrnhalle in der Münchner Innenstadt. Doch die bayerische Polizei verhinderte bereits nach wenigen Stunden gewaltsam den Hitler-Putsch. Es kam zu insgesamt 16 Todesopfern. Die NSDAP wurde daraufhin verboten, Hitler zu fünf Jahren Haft verurteilt. Doch bereits nach knapp 9 Monaten wurde Hitler bereits vorzeitig aus der Haft entlassen. Zehn Jahre nach seinem gescheiterten Putschversuch gelingt es Hitler,  auf legalem Wege die Macht in Deutschland an sich zu reißen.

9 November 1938: Reichspogromnacht – in Deutschland brennen die Synagogen

15 Jahre nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorf Putsch in München gingen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Deutschland hunderte Synagogen in Flammen auf, Mitglieder der SA und SS zerstörten tausende jüdische Geschäfte, Häuser und Wohnungen. Die NS Führung hatte den Befehl ausgegeben, dass die Staatspolizei lediglich Plünderungen verhindern, aber sonst nicht eingreifen solle. Brände sollten nur gelöscht werden, um umliegende Gebäude zu schützen. Was nach außen wie ein spontaner Volkszorn auf die Juden aussehen sollte, war in Wirklichkeit eine geplante Inszenierung von SA und SS. Die Bezeichnung „Reichskristallnacht“, deren Herkunft nicht definitiv geklärt ist, bildete und erhielt sich für das reichsweite Pogrom gegen die Juden im Deutschen Reich. Der oft verwendete Begriff  verharmlost aber den Schrecken des Ereignisses, sodass inzwischen der Begriff Pogromnacht verwendet wird.

Hunderte von Juden wurden in den darauffolgenden Tagen ermordet. Zehntausende wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Die Pogromnacht bezeichnet den Übergang von der sozialen Ausgrenzung und Diskriminierung zur offenen Verfolgung der Juden und markiert damit den Beginn des Holocausts, dem 6 Millionen Juden in Europa zum Opfer fallen.

9. November 1989: Die Mauer fällt
Der 9. November 1989 gehört wohl zu den Ereignissen der deutschen Geschichte, an das man sich besonders gerne zurückerinnert. Vor allem ein Satz sollte an diesem Tag in die Geschichtsbücher eingehen. Günter Schabowski, Sekretär des ZK der SED, sagte am Abend des 9. November 1989 auf einer Pressekonferenz: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (…)beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt. (…)Ständige Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD erfolgen“.
Als ein verdutzter Journalist nachfragte, wann diese Regelung für Ausreisewillige in Kraft trete, antwortete Schabowski holprig: „Sofort, unverzüglich.“

Wenig später stürmten tausende DDR-Bürger in Richtung der Grenzübergänge. Gegen 23.30 Uhr konnten die Grenzsoldaten am Grenzübergang Bornholmer Straße dem Andrang der Menschen nicht mehr standhalten. Der Übergang wurde geöffnet. Die Öffnung der Bornholmer Straße löste eine Kettenreaktion aus: Um Mitternacht standen alle innerstädtischen Grenzübergänge offen. 28 Jahre nach ihrer Errichtung fiel die Mauer. Nicht einmal ein Jahr später – am 3. Oktober 1990 – wurde Deutschland wiedervereint.

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