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Keiner sieht, dass ich kaputt gehe!

Viele Jugendliche müssen sich auf dem Weg des Erwachsenwerdens mit Depressionen auseinandersetzten, denn Jugendliche gelten als besonders anfällig für diese Krankheit, da sie sich ein einer Lebensphase befinden, in der viele Selbstzweifel auftreten. Eltern spielen dabei eine große Rolle. Doch wie geht man mit einem depressiven Kind um, wie verhindert man die Erkrankung?

Räum doch mal dein Zimmer auf!“  „ Was soll nur aus dir werden?“  „ Du willst doch immer so erwachsen sein, dann benimm dich auch so!“ „Aus dem Alter bist du doch wohl raus.“ „ Dafür bist du noch viel zu jung!

Solche oder ähnliche Sätze hat doch jeder schon mal zu hören bekommen. Wir sind nicht erwachsen, aber auch keine Kinder mehr. Wir sind irgendein kompliziertes Mittelding. Wie will man damit überhaupt ansatzweise zurechtkommen? Wenn man aus der Pubertät erst einmal raus ist, wird alles besser. Endlich nicht mehr die Eltern im Nacken, die jetzt noch das Recht haben, sich wegen alles und jedem übertrieben viel Sorgen machen und zum Beispiel plötzlich anfangen Bücher über uns zu lesen mit vielversprechenden Titeln wie „Wenn Kinder erwachsen werden“ oder  „Wo ist mein Baby hin?“. Diese Erziehungsratgeber sind das Schlimmste. Ein Buch was alle Extreme dieser Phase zusammenführt und Tipps geben soll,  was meistens dazu führt, dass sich der Gedanke „Das überleben wir nicht!“  in den Köpfen der Eltern einnistet.  Ergebnis dieser Bücher ist meistens, dass die Eltern jetzt natürlich viel mehr wissen als wir selber und nun beginnen können, sich unserem Verhalten anzupassen. Das bringt auch diese neuen Fachwörter mit sich, die es schaffen den Umgang miteinander noch komplizierter zu machen. Wenn Eltern anfangen, Wörter wie cool, geil, crazy oder am schlimmsten YOLO zu verwenden,  will man doch am liebsten gleich im Boden versinken.  Sie sind wiederum fest davon überzeugt, dass ihr Kind das Schlimmste von allen ist, somit schaffen sie es nun aus jedem Alltagsproblem eine riesen Sache zu machen.  Sie bringen es sogar so weit, aus Dingen wie „Eine 5 in Mathe…Du rauchst doch sicherlich“,  oder aus „Dein Fahrrad ist geklaut worden…du hast einen kriminellen Freundeskreis“, zu machen.

Depressionen

Gerade in der Pubertät fühlen sich viele Jugendliche nicht verstanden und akzeptiert. Die Folge: Depressionen. (Foto: Mandy Raeder, laurentinews.de)

Mal ehrlich, natürlich ist dies alles maßlos übertreiben, denn im Großen und Ganzen wollen unsere Eltern doch nur das Beste für uns. Dennoch kommt es einem hin und wieder so vor, als ob sie jetzt völlig durchdrehen.  Vielleicht muss das auch so sein. Wenn uns unsere Eltern nicht auf unsere Fehler aufmerksam machen und uns diese Sätze an den Kopf werfen,  wer sollte es dann machen? Wir fangen an, Entscheidungen zu treffen,  die unsere ganzen Leben beeinflussen können. Insgeheim wollen und brauchen wir die Hilfe unserer Eltern. Was also tun, wenn sie nicht da sind, um uns aufzufangen, wenn nichts da ist, was uns hilft, unseren Weg zu finden?

Die Zahl an Jugendlichen, die unter Depressionen leiden, ist erschreckend hoch,  man spricht sogar davon, dass sich jeder Dritte selber hasst oder nicht liebt, was eine Studie der Universitäten Münster und Hohenheim herausfand. In diesen Fällen handelt es sich nicht um eine harmlose Unzufriedenheit. Die Zahl der suizidgefährdeten Jugendlichen ist Besorgnis erregend. Suizid ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen inzwischen die zweithäufigste Todesursache.  Wenn man sich im Internet einmal umschaut, findet man viele Bilder, die zeigen, dass bei jungen Menschen viel Verzweiflung vorherrscht.  „Ich hasse meinen Körper“ ist der Satz, der am häufigsten zu finden ist.  Man ist auf dem Weg erwachsen zu werden, doch wenn man scheitert, kann so vieles in die Brüche gehen. Wir wissen doch noch gar nicht, wer wir sind, oder wer wir einmal sein werden.  Man ist dabei genau dies zu entdecken, doch manche entdecken nur die Fehler an sich selber. Durch Mobbing im Netz wird man jeden Tag darauf aufmerksam gemacht, was an einem schlecht ist. Man verlernt über seine Fehler, über sich selbst zu lachen und beginnt mit dem tiefen Selbsthass. Narben bleiben. Und  das ist nicht metaphorisch gemeint.  Jugendliche beginnen sich zu ritzen.  Sie verletzen sich selber, weil sie sich dann befreit fühlen. Viele halten Bilder davon auf Blogs im Internet fest und teilen ihre Trauer und Verzweiflung mit Jugendlichen denen es genauso geht. Erschreckender Weise gibt es davon so viele.  Diese körperlichen und seelischen Narben schleppen sie ihr  ganzen Leben mit sich rum. Laut der Jugendzeitschrift „Mädchen“ verletzen sich rund 800.000 Mädchen in Deutschland selbst. Viele stecken Depressionen bei Jugendlichen zusammen mit Liebeskummer und massivem Erfolgsdruck in eine Schublade.  So viel Schlimmes könne einem so unerfahrenen,  jungen Menschen doch noch gar nicht passiert sein, dass man wirklich von ernstzunehmenden Depressionen sprechen könne, so die Meinung vieler Außenstehender.

Bei Leukämie kommt mich jeder besuchen, bei was Seelischem wenden sich alle ab

, fasst eine Psychologin das Dilemma zusammen. Tatsächlich sind Depressionen jedoch eine ernstzunehmende Krankheit. Laut dem Therapeuten und Heilpraktiker  Peter Baumann machen  rund 20% der Jugendlichen auf dem Weg zum Erwachsenwerden depressive Phasen durch, die zu Ärger zu Hause,  Problemen in der Schule, Gewaltdelikten und Drogenmissbrauch führen können.  Aus diesem finsteren Loch kommt man ohne fremde Hilfe nur schwer wieder heraus. Doch was tun? Viele dieser Jugendlichen stürzen dort hinein, weil sie vom Elternhaus keinen Halt bekommen.  Die so nervigen und überfürsorglichen Eltern, die es immer wieder versuchen, uns mit einem liebevoll gemeinten kleinen Schubs auf dem rechten Weg zu halten, sind nicht vorhanden. Durch Streit zwischen den Elternteilen  oder durch eine Scheidung haben Mutter und Vater mit so vielen eigenen Problemen zu kämpfen, dass ihre Kinder dabei häufig auf der Strecke bleiben.  Doch viele Kinder leiden mehr unter Scheidung und Streit in der Familie, als es nach außen den Anschein hat.  Andere Gründe, die Depressionen auslösen können, sind Mobbing, sexueller Missbrauch, Liebeskummer und Misserfolge, aber auch genetische Faktoren können das Erkrankungsrisiko erhöhen. So haben z.B. Kinder, deren Eltern an Depression leiden, ein dreimal höheres Risiko, selber depressiv zu erkranken.

Doch neben den Risikofaktoren gibt es auch Schutzfaktoren, die Kindern helfen, mit schwierigen Ereignissen und Lebensphasen besser umzugehen. Soziale Kontakte haben in dieser Lebensphase eine hohe Bedeutung. Aber auch Selbstvertrauen, Konfliktfähigkeit und Optimismus spielen eine wichtige Rolle. Viele Jugendliche suchen Bestätigung im Netz oder von ihren Freunden.  Dies führt meistens, besonders bei Mädchen,  zu einem übervollen Ordner von Bildern auf Profilen in sozialen Netzwerken, um möglichst viele „Likes“ und Komplimente abzuräumen.  Neid und Eifersucht schleichen sich bei anderen Mädchen ein. Diese Unzufriedenheit sorgt dafür, dass man selbst beginnt im Schutz der Anonymität zum Mobber zu werden und andere beleidigt, um sich selbst besser zu fühlen. Dies zieht sich von Schimpfwörtern bis hin zu Verbreitung von Lügen und Gerüchten, um den so perfekt erscheinenden Ruf einiger zu zerstören.  Wenn wir ehrlich sind,  hat fast jeder schon einmal so etwas mitbekommen oder sogar selber damit umgehen müssen.  Und genau das ist das Stichwort: Umgang. Neid und Eifersucht sind Gefühle, die jeder schon mal empfunden hat, es bringt also nichts, dies zu leugnen. Es gibt immer Menschen, die hübscher oder begabter sind oder mehr Freunde haben.  Damit muss man leben können, ohne im Selbstzweifel zu versinken.  Es sind nicht die anderen, die dich durch Kommentare, Behauptungen oder Meinungen zum dem machen, was du bist, sonder allein du selber, der in den Spiegel schauen muss.  Sich selbst zu gefallen ist so viel mehr wert  als viele „gefällt mir“ unter dem neu hochgeladenen Profilbild.

Jugendliche in psychiatrischer Behandlung

Die Zahl der Jugendlichen, die sich in psychiatrischer Behandlung befinden, steigt stetig an.

Schwierig ist auch der Umgang mit Beleidigungen oder Anfängen des Mobbings. Soziale Netzwerge bringen Vorteile, keine Frage, aber auch viele Nachtteile. Es  liegt immer an dir, wie du dich zeigen und darstellen willst. Fotos von dir, Hobbys,  Freunde, alles dies ist auf deinem Profil zu finden.  Diese Informationen sind aber auch Futter für Leute, die gezielt mobben.  Jede Information oder jedes Bild kann dazu führen, dass es Leuten nicht „gefällt“, was viele dann auch vom Schreibtischstuhl aus deutlich machen.  Wenn so eine Regen  aus negativen Kommentaren auf einen einprasselt, wie will man sich dann noch retten? Doch durch den richtigen Umgang mit der Darstellung im Netz kann man dies schnell vermeiden. Natürlich will man möglichst viele Daumen hoch bekommen und versucht mit besonderen Bildern die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu erlangen.  Zurückhaltung ist da wohl eher das Zauberwort, um sich vor Mobbing zu schützen.  Gebt ihnen keinen Grund, euch schlecht zu finden. Ihr habt es in der Hand. Deshalb die Devise: Lieber unauffällig und unbekannt im Netz, als selber Vorlagen für Mobbing zu liefern.
Es gibt viele Ursachen, um an Depressionen zu erkranken.  Alleine schafft es keiner, mit so etwas zu Recht zu kommen.  Diese Jugendlichen brauchen Hilfe, so schnell wie es nur geht.  Nicht nur das Verletzen von sich selbst, oder Isolation von der Außenwelt sind Folgen.  Diese Jugendlichen sind stark selbstmordgefährdet.  Wenn der Selbsthass so weit geht, dass man sein eigenes Leben beenden will, helfen nur noch psychologische Behandlungen.  Die ersten  Anzeichen einer Depression sind z.B. Veränderung des Schlaf- und Essverhaltens,  Gewichtsveränderung,  Aggressivität und das Gefühl wertlos zu sein. Diese Anzeichen sind natürlich kein eindeutiger Beleg für eine Depression,  denn ob eine Depression vorliegt, kann nur ein Arzt oder  Psychologe diagnostizieren.

Die meisten Eltern, die solche Symptome bei ihren Kindern entdecken, versuchen durch Gespräche oder sogar Verbote dagegen zu wirken.  Nur die wenigsten ergreifen bei solchen, zunächst harmlos erscheinenden Veränderungen,  drastische Maßnahmen wie der Besuch bei einem Psychologen.  Scham steht vielen Eltern im Weg, um diesen Schritt zu gehen.  Doch häufig kommt die Erkenntnis „ Ich komme mit meinem Kind nicht mehr klar“  zu spät und der Jugendliche steckt schon tief in dem bodenlos erscheinenden Loch der Depression.  Wenn das Verhältnis zu den Eltern sogar Auslöser dieser Krankheit ist, ist es noch schwieriger, an wirklich professionelle Hilfe zu kommen. Vertrauenslehrer, Jugendamt oder Beratungsstellen, die versuchen, Jugendliche vor so etwas zu beschützen, sind somit der erste Schritt, um wieder auf den richtigen Weg zu gelangen. Es gibt auch genug Foren im Internet, die Jugendlichen helfen, wie z.B. die Selbsthilfe-Community zum Thema selbstverletzendes Verhalten „rote Tränen“.  Stellt man solche Veränderungen bei Freunden oder Geschwistern fest,  sollte man nicht zögern, diesen zu helfen, denn meistens fragen die Betroffenen nicht nach Hilfe oder reden über ihre Probleme. Eher im Gegenteil, sie verschließen sich immer mehr und flüchten vor jeglicher Art von Konfrontation.  Auch da ist der richtige Umgang gefragt: Verständnis und keine Vorwürfe sollten im Vordergrund stehen,  denn alleine schaffen es nur die wenigsten aus der langjährigen Depression und dem tiefsitzenden Selbsthass lebend herauszukommen.

Weitere Informationen zum Thema „Depressionen“ und Kontaktmöglichkeiten zu Beratungsstellen findet ihr auf der Webseite Deutsches Bündnis gegen Depressionen e.V.

4 Kommentare

  1. wie oder wer kann denn meinem sohn bei so einer depr.-phase helfen , wenn er sich von seinen eltern abwendet ?

  2. Ich bin selber depressiv und ritzte mich. Eine Freundin hat meine Klingen genommen und sie im Klo runtergespült. Dann war ich 3 Wochen clean. Jetzt hab ich immer mehr das Verlangen es wieder zu tun. Fast alle jugendlichen Leute aus meiner Umgebung wissen dass ich mich geritzt habe. Ich bin übergewichtig, hasse mich selber, liebe jemanden wo ich weiß dass ich ihn nie haben kann und…mein Vater beleidigt mich ständig, macht mir Druck sagt ich wär zu nichts zu gebrauchen. Ich frag mich warum ich nichts auf die Reihe kriege! Wieso? Es gibt Leute die viel mehr Probleme haben als ich und ich muss mich ritzen! Einige bewunderten mich bevor ich mich noch nicht geritzt hatte, dass ich es nicht tat trotz meiner vielen Probleme. Meine Eltern wussten dass ich mich in der 7. Klasse geritzt habe (Jetzt bin ich 8.) aber ich denke dass sie denken dass ich aufgehört habe. ich will meine Mutter nicht belasten. Was vorallem weh tut wenn einige mich als aufmerksamkeitssuchend, dumm und bescheuert abstempeln wegen dem ritzen, suizidgedanken und depressionsgerede. ich hab zwar freunde aber ich werde die Suizidgedanken nicht los. ich würde mich umbringen, aber bei der vorstellung wie meine familie am meinem grab sitz und weint, zwing mich dazu es nicht zu tun. Wie kann ich mir helfen ohne zur Therapie gehen zu müssen und ohne es meinen eltern zu erzählen?

    • Liebe Jessica,
      bitte suche dir umgehend (professionelle) Hilfe und vertraue dich jemandem an. Das müssen am Anfang nicht die Eltern sein, es kann auch eine beste Freundin oder ein Lehrer sein, zu dem du großes Vertrauen hast.
      Du kannst Dich auch an die Nummer gegen Kummer wenden: https://www.nummergegenkummer.de/ Dort kannst du dich sowohl per E-Mail als auch telefonisch anonym beraten lassen.
      Falls Du weitere Fragen hast, dann mail uns einfach: redaktion@laurentinews.de
      Wir wünschen Dir alles Gute!

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