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Der Abfall für die Armen

Massentierhaltung hat viele Facetten: Es ist für viele Regionen in Deutschland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, es ist der Weg wie das Essen auf unsere Teller kommt und für viele ist es einfach nur Tierquälerei. Doch die wenigsten Menschen wissen, dass Massentierhaltung einer der Gründe ist, warum viele Menschen in der Welt hungern müssen.

Hühner sind gesellige Tiere, und auch Schweine und Rinder mögen die Gesellschaft ihrer Artgenossen, doch das Leben mit tausenden von ihnen zusammen in engen, meist schlecht belüfteten Ställen ist etwas ganz anderes – Massentierhaltung. Jeder von uns kennt diese riesigen Ställe außerhalb der Stadt oder dem Dorf. Sie wirken verlassen und man hat keine Möglichkeit zu sehen was in den Ställen ist, was das ganze nur noch mysteriöser macht. Aber jeder weiß doch das jene Ställe das Gefängnis vieler Nutztiere sind und das das grausame Leben dieser Tiere allein dem Erzeug von Fleisch und Eiern dient. Sie werden behandelt wie Gegenstände, zusammengefercht auf engstem Raum.

Die Tierschutzproblematik lässt sich bei der Massentierhaltung nicht verleugnen. Nehmen wir als Beispiel einmal die Hühner. Am Anfang steht die Geburt der neuen Küken in einem Legestall, von denen nach ein paar Tagen sowieso schon die Hälfte auf dem Müll landet, denn die Männchen legen keine Eier. Für die Fleischproduktion sind sie allerdings auch unbrauchbar, denn die Rasse die uns Fleisch liefert, die Masthähnchen (auch Broiler genannt) ist eine ganz andere als die für die Eierproduktion gezüchteten Legehennen. Also werden tagtäglich zigtausende männlicher Küken vergast. Die Masthähnchen, unter denen sich auch Hennen befinden, nehmen sehr schnell an Gewicht zu. Ihr ganzes Leben besteht nur aus Fressen und möglichst schneller Gewichtszunahme. Ob aufgrund von Knochenbrüchen oder Übergewicht, laufen könnten diese Hühner in Freiheit keinen einzigen Schritt. Da helfen auch nicht die Medikamente, die tonnenweise in ihr Futter gemischt werden.

Aber zurück zu den Legehennen: Die Tiere, die nicht sofort geschlachtet wurden, müssen alle 34 Stunden ein Ei legen. Und da Hühner einen bestimmten Rhythmus haben, in dem sie Eier legen, wird mit Licht und Wärme die Illusion dieses Rhythmuses erzeugt. Auch wenn sie von der ständigen Eierproduktion total erschöpft und entkräftet sind, kommen sie kaum zur Ruhe, weil die Massen ständig in Bewegung sind. Kurzum: Diesen Tieren geht es schlecht. Und das alles nur, weil es einigen Menschen darum geht, möglichst viel möglichst billig zu produzieren und weil wir Verbraucher lieber zu den Eiern greifen, die einige Cent billigen sind, als zu den teuren Bio-Eiern.

Und wie steht es um das Hühnerfleisch: Wir Kunden haben dort bestimmte Vorlieben. Wir mögen das zarte und leckere Brustfleisch, saftige Keulen und gut gewürzte Flügel. Also werden die Tiere gemäß Kundenwünschen zerlegt und gelangen als fertig portinoierte Packungen in den Handel. Doch was geschieht eigentlich mit den Resten des Huhns? Die Reste, die nicht in Deutschland verkauft werden können, werden tiefgefroren und mit möglichst viel Gewinn nach Afrika verschifft. Dies wird durch die Regierung unterstützt, indem sie durch Exportförderungsprogramme günstige Zölle einrichtet. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass es gut ist, wenn Deutschland sein Fleisch in Entwicklungsländer schickt, in denen viele Menschen hungern, doch man erkennt bei genauem Hinsehen, was für weitreichende Folgen entstehen.

Es ist nämlich nicht selten der Fall, dass die Fleischreste aus Deutschland durch ihre günstigen Preise in den betroffenen Ländern den ganzen Markt nach unten ziehen. Durch dieses so genannte Preisdumping werden heimische Händler und Produzenten vertrieben, weil sie mit den Preisen nicht mithalten können. Sie gehen meist pleite und leiden dann an Hunger und Armut. Die Wirtschaft in den Entwicklungsländern wird massiv gestört.

Die Mengen des exportierten Fleischs sind durchaus gewaltig. Alleine in Benin (Westafrika) waren es, 2010, 114.000Tonnen.

Aber anstatt dem Massenexport Einhalt zu gebieten,  wieß die damalige Bunderagrarministerin Ilse Aigner, durch einen Sprecher, jegliche Schuld von sich. Ihrer Meinung nach exportiere Deutschland nicht in Entwicklungsländer, sondern nur in „aufstrebende Volkswirtschaften“.

Man muss zwar dazu sagen, dass Deutschland nicht alleine Fleischabfälle in Entwicklungsländer exportiert, denn mindestens genauso viel Fleisch kommt auch aus Brasilien oder den USA, aber es wäre ein Anfang. Doch das Einstellen der Subventionen sind wohl nur leere Ankündigungen, so Francisco Mari, Projektreferent bei „Brot für die Welt“ ,er meint das sowieso kaum noch Firmen diese Subventionen nutzen.

Aber auch der soziale Aspekt kann nicht unerwähnt bleiben, denn was da in Afrika verkauft wird, sind minderwertige Fleischreste, die in Deutschland kein Mensch mehr essen würde. „Chickenback“ der absolute Verkaufsschlager zum Beispiel, ist der Rücken eines Hähnchens aus dem schon das weiße „gute“ Fleisch entfernt wurde. Auch zu Hühnerfüßen oder Ähnlichem lässt sich hier zu Lande keiner erniedrigen. Das Gesundheitsrisiko ist leider auch nicht gering, denn in Afrika gibt es keine einwandfreien Kühlketten, wie in Deutschland. Der Verkauf von Fleisch unter freiem Himmel, in der prallen Sonne ist höchst unhygienisch. Im Fleisch sind oft Bakterien oder Salmonellen enthalten.

Einziger Lichtblick, in einzelnen Ländern, wie zum Beispiel Nigeria, geht die Wirtschaft wieder bergauf, sie haben es geschafft Einfuhrtverbote für Fleisch aus anderen Ländern zu erheben. Dies ist meist sehr schwierig, denn es gilt ja die freie Marktwirtschaft. Aufgrund der wichtigen Öllieferungen aus Nigeria machen andere Länder aber eine Ausnahme.

Hoffen wir also, dass sich in Zukunft noch mehr Länder wehren können und einer eigene Wirtschaft dieser Länder nichts mehr im Wege steht. Und hoffen wir, dass auch beim deutschen Verbraucher ein Umdenken in den Köpfen stattfindet, dass gutes Fleisch auch etwas kosten darf. Dies wäre ein wichtiger Schritt weg von der Massentierhaltung.

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