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Die letzte Nachricht – für immer

„Ich fahre jetzt los – freue mich dich zu sehen!“ Der Sender dieser WhatsApp Nachricht erreichte nie sein Ziel, denn er starb kurz darauf bei einem Autounfall. In einem Blog sammelt die 16-Jährige Emely Trunko Nachrichten, die Menschen kurz vor ihrem Tod oder einer Trennung abschickten. Durch einen Unfall, Suizid oder Krankheit verlierst du deine beste Freundin, deinen Vater oder deine zerbrochene Liebe, an der du noch lange nach der Trennung hängst. Dieser Gedanke ist absolut abscheulich und man möchte diesen so schnell wie möglich aus dem Kopf schlagen. Doch auch solche Schicksale sind leider bittere Realität. Nach solchen einschlagenden Ereignissen gibt es viele Fragen und viel Unverständnis. Genau dann sind die letzten Nachrichten, welche man  empfangen hat, einzige Anhaltspunkte, letzte Erinnerungen oder auch Erklärungen für das beendete Leben im Falle eines Suizides. Doch wie emotional, wie intim und bedeutend sind solche Nachrichten? Diese Frage beantwortet der Blog “The last message received“ (Deutsch: Die letzte empfangene Nachricht). Hier können Menschen, welche eine geliebte Person verloren haben, ihre letzten Whatsapp- und SMS-Chats hinsenden und diese werden dann anonym veröffentlicht. Ihnen steht frei, ob sie zum geschickten Bild einen kleinen Text zu der Person, ihrer Beziehung oder Geschehnissen verfassen und mit versenden. Am 9. November startete die 16-Jährige Emely Trunko aus Ohio ihren Blog. Er hat bereits 40.000 Follower. Mehr als 3500 Nachrichten wurden ihr zugeschickt.

Ruft man diese Seite auf, sollte man dies besser in einer ruhigen Atmosphäre tun, um starke Gedanken zu fassen. Zu sehen, mit welchen letzten Worten manche auseinander gehen, schlägt einem hier nicht selten aufs Gemüt und regt einem zum Nachdenken an. Es wird deutlich, dass einem oft erst auffällt, was man an einem Menschen hatte, wenn er nicht mehr da und greifbar ist. “The last message received“ hat auch mich dazu gebracht, über mich und meine Liebsten nachzudenken. In vielen Nachrichten sieht man Streitigkeiten, welche kurz vor dem Unglück stattfanden. Und auch hier wird mir klar, wie banal meine Zickereien meinem Freund gegenüber oft sind, oder wie patzig ich meiner Mutter manchmal antworte. Ich glaube, ich bin nicht die einzige, die sowas in der Art beim Blick auf den Blog denkt und genau dieser Effekt ist erstaunlich. Im Nachhinein wurde mir in einer Sache die Augen geöffnet und ich habe eine wichtige Lektion gelernt: Der Tod kommt überraschender als man denkt. Er ist ein stetiger Begleiter unseres Lebens und deshalb sollten wir uns öfter in den Sinn rufen, wie wichtig Harmonie in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen ist und uns auch manchmal doppelt überlegen, was wir wie, wann, zu wem sagen.

“The last message received“ ist eine schöne Seite für das stille Gedenken an verlorene Menschen und eine Erinnerung an die Wertschätzung und die Liebe, welche man anderen aufbringen sollte, die man im Alltag durch Stress oder Streitigkeiten häufig zu kurz kommen lässt.

 

1 Kommentar

  1. Es hat mich sehr berührt.Es betrifft soviele.Entsorgte Väter,manipulierte Kinder,Unheilbare gewollt entfremdete,Alte……..Wertschätzung,unterdrückte Liebe um andere fliegen zu lassen,Suffizienz…was, was ist wirklich wichtig?.„Verwechsle niemals das, was wichtig ist, mit dem, was wirklich zählt“.Wir versuchen zu verdrängen und wollen vieles nicht wahr haben.Man muss oft bitter lernen mit dem um zu gehen, was uns das Schicksal vor die Füße wirft.Oft genug muss ein geliebter Mensch unerwartet gehn ohne das man ihn für die letzte Reise lebe wohl sagen konnte. Die Nähe zur heutigen schnellebigen Zeit,gepaarte mit gefördertem Egoismus gibt ihren Teil dazu bei.Schattenwelt ,Tabuthemen…all das was man nicht gerne Lesen will…und schnell verdrängt und abschiebt weil unbequem.Doch einholen,einholen wird es einen früher oder später.

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