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Internetsucht – Der Kick mit dem Klick

Internetsucht! – Welch ein komisches Wort. Doch tritt sie mittlerweile gleichberechtigt mit anderen Süchten wie Alkohol-, Drogen- oder Spielsucht auf.
Ist wirklich eine Abhängigkeit im Spiel oder tritt das Web nur als „Langeweile-Killer“ auf? Höchste Zeit aufzuklären.
Bei dem Wort Internetsucht drängt sich sogleich die Frage auf: Bin auch ich gefährdet? Was ist normaler Internetkonsum, was ist krankhaft? Wie wirkt sich eine „Internetsucht“ aus? Was kann ich tun, wenn die Zeit im Internet ein Mittel zum Zweck wird, um vor der Realität zu fliehen?
„Wie wandelnde Leichen“ – so titelte der SPIEGEL einen Artikel um die Problematik der Internetsucht anlässlich der zunehmenden Dringlichkeit. Der Psychologe Andreas Koch beschreibt die Internetsüchtigen als regelrechte Digital-Zombies. Typisch für diese Problemgruppe: Bis zu 10, 15 Stunden den Bildschirm anstarrend online sein, zu wenig essen, zu wenig trinken. Außerdem sei mangelnde Hygiene auffällig. (Die Zeit im Badezimmer wird lieber als Zeit vor dem Computer verwendet.) Das ist nicht mehr normal – hier beginnt Sucht.
Sucht ist aber auch mit einer gewissen Intentionalität des Webkonsums verbunden. Ziel ist es, das „Real Life“ zu verdrängen, die Aufgaben, die Pflichten, die Sorgen und Ängste auszublenden. Das ist krankhaft und bedarf professioneller Hilfe. Das Gefährliche an einer Online-Abhängigkeit ist die Vernachlässigung der sozialen Kontakte. Der Kranke isoliert sich zunehmend mehr und mehr, bis er schließlich alleine vor seinem PC sitzt. In einem dunklen, stinkigen Raum. Doch was tun, wenn es soweit gekommen ist?
Der erste Schritt aus dieser Teufelsspirale ist – wie auch bei jeder anderen Sucht – die Erkenntnis: „Das kann nicht richtig sein. Hier läuft etwas falsch. Ich brauche Hilfe.“ Die Person muss sich dann um therapeutische Hilfe bemühen und einen langen Weg aus dem Sumpf der Abhängigkeit antreten. Das ist schwer und kostet viel Kraft. Aber: Mit einer Therapie und dem unerschütterlichen Willen, aufzuhören, ist auch dieses Problem lösbar.
Aber sind auch wir Jugendlichen von der Internetsucht betroffen? Ist das normal, nach der Schule den PC anzustellen und bis zum Schlafengehen auf Facebook oder ICQ, online zu sein?
Axel Dammler, der 2009 eine Studie zum Internetverhalten bei Jugendlichen herausbrachte, beruhigt uns. Auf Nachfrage der „Sendung mit dem Internet“ beschrieb er den Normalfall des Webkonsums in unserem Alter: „Die [Jugendlichen] kommen von der Schule nach Hause, schalten den Computer an, der läuft die ganze Zeit und dann wird ferngesehen, da werden Hausarbeiten gemacht, da wird telefoniert – und die ganze Zeit ist man online. Das hat noch nichts mit Sucht zu tun.“ Das klingt beruhigend, obgleich ein großes Risiko gegeben ist.
Dammler sieht die Gefahr auch weniger in Social Networks als vielmehr in Online-Rollenspielen. Hierbei könne der Spielende seine komplette Außenwelt vergessen, während bei Social Networks immer noch ein Realitätsbezug für die Teenager vorhanden sei, „weil sie einfach im Internet nur ihre Sozialbeziehungen der Realität fortführen.“ Die Gefahr sei deshalb geringer, zu vereinsamen und dem Internet zu verfallen.
Besonders zu beäugen sei die Entwicklung der Communities selbst. Momentan lebe die soziale Plattform von den Inhalten der Mitglieder, aber wenn das Netzwerk selbst zum dreidimensionalen Lebensraum würde, steige das Suchtpotential stark an.
Allerdings: Die Jugend scheint um die Gefahr einer Abhängigkeit zu wissen und dementsprechend vorsichtig zu sein. 70% kennen die Gefahr, wobei auch 15% der Jugendlichen von sich sagen, sie seien süchtig.
Bei unserer Facebookumfrage sagte gut die Hälfte der Abstimmenden, sie seien um die zwei Stunden täglich im Internet, um Diverses zu erledigen, und die andere Hälfte surft 1 bis 3 Stunden im Web. Folglich ist die tatsächliche Suchtrate nicht sehr hoch. Dies ist eine erfreuliche Feststellung, wenn auch das Problem der Internetsucht als solches nicht aus der Welt geschaffen ist.
Wichtig bei dieser Problematik ist für jeden Einzelnen zu überlegen: Warum bin ich im Internet? Pflege ich noch reale, soziale Kontakte? Beruhigt darf der sein, bei dem die Antwort auf diese Fragen in etwa so lautet: „Naja, ich bin gerne im Web, um zu surfen, zu facebooken, ein paar YouTube-Videos zu schauen. Und: Ich finde auch, ich treffe mich regelmäßig mit meinen Mitmenschen.“
Dennoch: Jeder muss um die Gefahr wissen und sich frühzeitig bei eventueller Suchtneigung um Hilfe erkundigen. Außerdem sollte er oder sie auch im Bekanntenkreis wachsam sein.

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