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Nackt im Netz – in der Sexting-Falle

Unter Jugendlichen gibt es seit einiger Zeit einen neuen und gefährlichen Trend: ‚Sexting‘ verbreitet sich immer mehr. Dabei fotografieren sich meistens junge Mädchen nackt mit dem Handy und verschicken dann diese Bilder. Für die Jugendlichen gehören diese Bilder längst zum Alltag. Doch viele Bilder gelangen ungewollt ins Netz und kursieren auf dem Schulhof.

Der Begriff „Sexting“ stammt aus dem Englischen und setzt sich aus den beiden Wörtern „Sex“ und „texting“ zusammen. Letzteres bedeutet so viel wie „Versenden von Texten per Kurzmitteilung“. Besonders Jugendliche, aber auch teilweise Erwachsene, machen dabei Nacktfotos oder pornografische Bilder von sich und verbreiten sie über Kurznachrichten-Dienste wie WhatsApp. Das Phänomen wurde zuerst in den USA bekannt und verbreitete sich von dort aus in alle Welt.

Laut einer US-amerikanischen Studie der National Campaign to Prevent Teen and Unplanned Pregnancy von 2008 haben 20 Prozent der 13- bis 19-Jährigen und 59 Prozent der 20- bis 26-Jährigen bereits Sextings versendet. 48 Prozent der Jugendlichen und 64 Prozent der jungen Erwachsenen haben solche Bilder auch schon empfangen. Gerade junge Mädchen sind von diesem Problem betroffen. Oft werden diese Bilder für den Freund gemacht, jedoch wird dabei nicht darüber nachgedacht, welche Konsequenzen das Ganze haben könnte. Denn wenn diese Bilder einmal verbreitet worden sind, dann ist das nicht mehr aufzuhalten.

Vor einigen Wochen machten einige Schulleiter aus Cloppenburg die Eltern auf dieses Thema aufmerksam. Mit einem Brief wollen sie auf dieses Problem hinweisen und sensibilisieren. Denn die Eltern wissen oft ebenso wenig wie die Lehrer, was genau Jugendliche mit ihren Handys treiben.

sexting 2Doch was bewegt die Jugendlichen dazu diese Fotos zu verschicken? Vor allem Gruppenzwang und der Wunsch nach Anerkennung spielt hier eine große Rolle. Die Bilder dienen als eine Art Selbstdarstellung, sie versuchen ihrem Partner damit zu imponieren. Dadurch, dass durch die Sozialen Netzwerke die Privatsphäre nicht mehr so wichtig für viele Jugendliche ist, wird nicht über Konsequenzen nachgedacht. Wenn das Bild verschickt wird, ist das einfach nur eine coole Aktion, wie eine Mutprobe. Doch nicht nur Mädchen sind von diesem Phänomen betroffen. Auch viele Jungs sind schon Opfer von dieser neuen Art des Mobbings geworden. Denn wenn diese Bilder einmal im Umlauf sind, werden die Betroffenen oft gemobbt und trauen sich nicht mehr an die Schule. Sexting Fotos werden auf vielen Schulhöfen wie digitale Trophäen gehandelt. Im Bundesland Hessen gab es schon einen Fall, bei dem ein Mädchen die Schule wechselte, da sie die Sprüche und Mobbing-Aktionen nicht mehr aushielt. Denn im ersten Moment gelten solche Mädchen als „Schlampe“. Gerade im Internet sind diese Beleidigungen zu beobachten, beispielsweise auf der Seite Ask.fm. Besonders der Gedanke, dass jeder diese Bilder sehen kann, ist für die Betroffenen sehr hart.  Die Mädchen werden meist noch ihr ganzes Leben damit zu kämpfen haben, auch der Weg zu den Eltern ist sehr schwer. Oft leiden die Opfer danach unter Depressionen, was im schlimmsten Fall auch zu Selbstmordgdanken führen kann.

Die Mitschüler merken gar nicht, dass sie mit dem Verbreiten der Bilder eigentlich eine Straftat begehen. Beim Sexting werden nämlich unter Umständen gleich mehrere Straftatbestände erfüllt: die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen (§ 201b StGB), Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung  (§174 StGB), Beleidigung (§185 StGB) sowie üble Nachrede (§186 StGB). Mittlerweile kommt es auch vermehrt zu Anzeigen. Jedoch ist die strafrechtliche Konsequenz nicht das Schlimmste. Die moralische Verwerflichkeit und die Konsequenzen für die Opfer sind ein viel größeres Problem. Es ist erschreckend, mit welcher Sorglosigkeit junge Menschen mit ihrem Körper umgehen und die Bilder Bekannten, aber auch wildfremden Leuten zur Verfügung stellen.

Sexting - Das Wichtigste in Kürze

• Unter Sexting versteht man Austausch selbst produzierter intimer Fotos von sich oder anderen via Internet oder Mobiltelefon. An sich bedeutet eine Selbstdarstellung kein problematisches Verhalten, doch das Versenden von Bildern via Medien birgt hohe Risiken. Erstelle nur Bilder, zu denen du auch stehen könntest, wenn sie öffentlich werden.

• Sexting-Inhalte missbräuchlich zu verbreiten oder als Druckmittel zu verwenden, ist rechtswidrig und möglicherweise strafbar.

• Lösche missbräuchlich erhaltene Bilder und beteilige dich nicht an der Weiterverbreitung. Teile der Person, welche die Fotos verschickt, mit, dass dies rechtswidrig ist. Denke daran, dass auch der Besitz solcher Bilder strafbar ist.

• Wenn du die abgebildete Person kennst, halte zu ihr und lass sie nicht hängen. Selbstdarstellung ist ok, der Missbrauch solcher Inhalte jedoch nicht.

• Wenn Du selber betroffen bist: Habe den Mut, dir bei Personen deines Vertrauens, z.B. den Eltern oder einem Lehrer, Hilfe zu holen.

Doch was kann man als Elternteil, als Lehrer oder auch selber tun, wenn man von ‚Sexting‘ betroffen ist?
Die Schweizer Kampagne Pro Juventute versucht unter dem Motto „Sexting kann dich berühmt machen. Auch wenn du es gar nicht willst.“ die Jugendlichen und deren Umfeld aufmerksam zu machen. Durch Plakate, Videos oder auch eine selbstentwickelte App sollen die Jugendlichen merken, welche Risiken Sexting haben kann. Außerdem verbreitet die Organisation Merkblätter für Eltern oder Lehrer, damit diese besser auf Problemfälle reagieren können. Mit einem kostenlosen Cyber Risiko Check kann jeder sein Facebookprofil auf Sicherheitslücken überprüfen lassen. Auch wird Hilfe für Betroffene geboten. Ziel der Kampagne ist es, dass Jugendliche merken, wie gefährlich ihr Medienverhalten wirklich ist.

Gegen die Folgen von Sexting hilft im Endeffekt nur eine wirklich intensive Aufklärung – seitens der Eltern, der Schule und vor allem auch durch die Medien. Optimal wäre es also, wenn man gar nicht erst am Sexting teilnimmt.
Sexting stellt ein ernstes Problem dar. Eltern sollten daher frühzeitig auf Ihre Kinder zugehen und ein offenes Ohr haben. Nur so lassen sich schlimme Folgen vermeiden.

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