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Olympia kurios

Heute findet in Rio die Eröffnungsfeier der XXXI. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit statt. Über 10.000 Athleten aus 205 Ländern werden in insgesamt 26 Sportarten um Gold, Silber und Bronze kämpfen. Doch nicht nur die strahlenden Sieger, sondern auch die kuriosen Geschichten am Rande der Spiele bleiben häufig im Gedächtnis. Wir haben die schönsten und skurrilsten Anekdoten aus über 100 Jahren Olympia für Euch zusammengestellt.

Drama beim Marathon Finale

Dorando Pietri beim Zieleinlauf (Quelle: Wikipedia, gemeinfrei)

Die Goldmedaille schien Dorando Pietri so gut wie sicher, als er 1908 mit einem großen Vorsprung ins voll besetzte White City Stadium in London einlief. Doch dann brach der italienische Läufer erschöpft zusammen. Er rappelte sich auf, taumelte ein paar Meter weiter, fiel wieder hin. Fünfmal brach er zusammen, ehe ihm Schiedsrichter und Ärzte unter die Arme griffen und ins Ziel halfen. Für die letzten 350 Meter seines Laufs benötigte er fast 10 Minuten. Doch genau wegen dieser unzulässigen Hilfe wurde er anschließend disqualifiziert und John Hayes wurde zum Olympiasieger erklärt. Doch Pietri ging nicht mit leeren Händen nach Hause. Er erhielt von der Queen einen Goldpokal für kämpferische Leistung.

Éric, der Aal

Diesen Spitznamen verdiente sich Éric Moussambani bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney. Der Freistilschwimmer aus Äquatorialguinea. bestritt den Vorlauf über die 100m Freistil allein, nachdem seine zwei Kontrahenten wegen Fehlstarts disqualifiziert wurden. Nur acht Monate zuvor hatte er schwimmen gelernt; ein 50-Meter-Becken hatte er in seinem Leben noch nie vorher gesehen, da er in seiner Heimat lediglich in einem 20-Meter-Becken oder in Flüssen trainieren konnte. Die letzten Meter fielen ihm so schwer, dass besorgte Beobachter ihn fast vor dem Ertrinken retten wollten. Mit 1:52,72 blieb er 64 Sekunden über dem Weltrekord – schwamm aber persönliche und nationale Bestzeit. Für Reporter war er seitdem „Éric, der Aal“.

Barfuß zu Gold

Barfuß zu Gold: Asebe Bikila

Weil sich ein Teamkamerad verletzte, kam der äthiopische Sportler Asebe Bikila zu den Olympischen Spielen 1960 nach Rom. In 2:15:16 gewann der Äthiopier den Marathonlauf. Ohne Schuhe. Leider passten ihm die angebotenen Laufschuhe nicht und die eigenen waren durchgelaufen. Einige behaupteten, dass Bikila barfuß gelaufen sei, weil er so schneller laufen könne als mit Schuhen. Doch in Tokio vier Jahre später siegte Bikila wieder. Dieses Mal mit Schuhen.

Die zersägte Medaille

Medaille der Freundschaft

Die japanischen Hochspringer Nishida Shūhei und Ōe Sueo lieferten sich bei den olympischen Spielen in Berlin 1936 einen packenden Zweikampf um die Silbermedaille im Hochsprung. Der fünfstündigen Kampf endete schließlich unentschieden, denn beide überwanden 4,25 Meter. Da jedoch Nishida weniger Fehlversuche hatte, erhielt er Silber, Ōe Bronze. Als beide Sportler wieder in ihrer Heimat waren, gingen sie zu einem Juwelier, der beide Medaillen zersägte und sie zu zwei halb silbernen, halb bronzenen Medaillen zusammenfügte.
Noch heute gelten in Japan die „Medaillen der Freundschaft“ als Symbole des Sportsgeistes.

Wer zuletzt lacht

Dick Fosbury mit einem Foto seines Goldsprungs

Dick Fosbury brauchte 1968 ein ziemlich dickes Fell, denn als er ankündigte, dass er beim Hochsprung zukünftig rückwärts über die Latte springen wolle, erntete er vor allem viel Hohn und Spott. Sein Trainer riet ihm sogar: „Geh lieber zum Zirkus!“ Fosbury ließ sich aber von seiner Idee nicht abbringen und sollte mit dieser neuen Sprungtechnik am Ende alle Mitstreiter übertrumpfen. Die Konkurrenz staunte, als der damals 21-Jährige Amerikaner mit 2,24 Meter die Goldmedaille gewann. 40 Jahre danach springt jeder Hochspringer den „Fosbury-Flop“.

Eine echte Sportskanone

Alberto Braglia – die „lebende Kanonenkugel“

Eine Sportskanone im wahrsten Wortsinn war der italienische Turner Alberto Braglia. Da er nur mit Müh und Not seinen Lebensunterhalt verdienen konnte, heuerte er als „lebende Kanonenkugel“ in einem Zirkus an. Bei einer Vorführung ereignete sich ein Unfall und er brach sich die Schulter und einige Rippen. Wegen seiner beruflichen Zirkustätigkeit, die auch sportliche Elemente enthielt, wurde Braglia vom italienischen Turnverband als Profi betrachtet und deshalb ausgeschlossen. Rechtzeitig zu den Olympischen Sommerspielen 1912 in Stockholm erhielt er jedoch seinen Amateurstatus zurück. Er verteidigte seinen Olympiatitel im Mehrkampf und gewann auch mit der Mannschaft die Goldmedaille.

Zeit für Plan B

Carl Schumann auf einer Briefmarke von 1996

Es kann nie schaden, einen Plan B in der Tasche zu haben, vor allem, wenn man an den Olympischen Spielen teilnimmt. Der Deutsche Fritz Traun schied beim Vorlauf über die 800-Meter aus, kaufte sich einen Tennisschläger und gewann mit dem Iren John Boland Gold im Tennis-Doppel.
Noch vielseitiger zeigte sich der deutsche Athlet Carl Schuhmann, der nicht nur Gold beim Pferdespringen holte, sondern auch am Reck, am Barren und beim Ringen im griechisch-römischen Stil. Im Gewichtheben konnte er „nur“ Bronze gewinnen. Eine so große Vielseitigkeit muss natürlich geehrt werden und so wurde Carl Schuhmann 1996 auf einer Briefmarke verewigt und 2008 in die „Hall of Fame des deutschen Sports“ aufgenommen.

Skurrile Sportarten

Zwischen 1900 und 1920 ebenfalls olympisch: Tauziehen

Nicht nur die Geschichten um olympische Athleten sind kurios, auch die Sportarten, die schon mal olympisch gewesen waren, sind es. Wir schreiben das Jahr 1904. Bei den Olympischen Spielen in St. Louis, USA, gab es sage und schreibe 102 olympische Sportarten, darunter auch das Tonnenspringen, bei dem die Athleten auf einer 400 Meter langen Strecke durch an Seilen aufgehängte Fässer springen mussten. Auch Sackhüpfen und das Tabak-Weitspucken war in diesem Jahr olympisch.
4 Jahre zuvor ging es bei Olympia sehr brutal zu. In der Disziplin „Taubenschießen“ wurde etwa nicht auf Tontauben geschossen, sondern auf echtes Federvieh. Circa 300 Tauben mussten bei Olympia ihr Leben lassen. Aufgrund von Protesten aufgebrachter Tierschützer wurde die Disziplin wieder abgeschafft. Einziger Titelträger bleibt damit der Belgier Leon de Lunden mit 21 Treffern bei nur zwei Fehlschüssen.
Für olympisches Gold musste man nicht immer sportliche Höchstleistungen vollbringen. In den Jahren 1912-1948 wurden nämlich auch Medaillen in den Disziplinen Architektur, Literatur, Musik, Malerei und Bildhauerei vergeben Die eingereichten Kunstwerke mussten dabei vom Sport inspiriert sein.

 Merci Cherie

Maskottchen „Waldi“ und Modell „Cherie“

„Cherie von Birkenhof“ war eine 84 Tage alte Dackelhündin und schrieb bei den Olympischen Spielen 1972 in München Geschichte. Erstmals sollte es bei Olympia ein Maskottchen geben und so fiel die Wahl auf einen Dackel, weil diese Hunde Zähigkeit, Beweglichkeit und Widerstandsfähigkeit besitzen. Außerdem galt er im Ausland als typisch deutsches Tier. So entstand schließlich „Dackel Waldi“, als Modell diente Dackelhündin „Cherie vom Birkenhof“. Wer für die einäugigen Maskottchen Wenlock und Mandeville der diesjährigen Olympischen Spiele Modell stand, bleibt ungeklärt.

London 2012 und der Flaggen-Fauxpas

Peinliche Panne: Nordkoreanische Spielerin mit der Flagge Südkoreas

Die Eröffnungsfeier in London hat noch gar nicht begonnen und schon haben auch die Olympischen Spiele 2012 ihren ersten Eklat. Den Organisatoren unterlief vor dem Spiel zwischen Nordkorea und Kolumbien ein folgenreicher Fehler. Bei der Vorstellung einer nordkoreanischen Spielerin auf der Anzeigetafel im Glasgower Hampden Park war das Porträt zusammen mit der Flagge des verfeindeten Bruderstaates Südkorea eingeblendet worden. Die nordkoreanischen Spielerinnen weigerten sich daraufhin aus ihrer Kabine zu kommen und das Spiel musste um mehr als eine Stunde verschoben werden.
Dies wird sicherlich nicht die letzte interessante Anekdote aus London bleiben und so dürfen wir uns auf unterhaltsame Olympische Spiele 2012 freuen – auf und neben dem Platz.

Den legendären Schwimmwettkampf von Éric Moussambani gibt es hier noch einmal im Video:

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