Pages Navigation Menu

Praktikum beim Spiegel – Das kannst du auch!

So viele Teenager sehen kein Land auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle oder einem Berufsweg. Viele Schüler scheinen sich noch nicht sicher zu sein, was sie später einmal machen wollen. Das ist auch nicht schlimm. Erfolg ist eine Frage des Vertrauens in sich selbst und seine Fähigkeiten.Unternehmen sind viel zu wählerisch bei ihren Auszubildenden, somit ist die Zahl der neu abgeschlossenen Arbeitsverträge so gering wie nie, wie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. Auch gibt es immer weniger Betriebe, die Lehrlinge ausbilden. Es
reicht nicht mehr, nur seinen Abschluss vorzuweisen. Berufserfahrungen nachweisen zu können gewinnt immer mehr an Bedeutung.
An meinem Beispiel möchte ich zeigen, dass der Weg zu seinem Traumberuf mit kleinen Dingen anfängt, wie zum Beispiel sein Selbstbewusstsein aufzubauen oder sich einfach nur damit zu befassen, was auf dem Arbeitsmarkt gerade so los ist. Ganz nach der Devise: Traut euch!
Es fühlte sich an wie ein Sprung in das tiefe Gewässer des Berufslebens. Mein Praktikum. Im letzten Jahr saß ich ratlos vor dem PC und hatte mir vorgenommen Bewerbungen für mein Schülerpraktikum zu schreiben. Ich weiß noch, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich hin sollte und was mich erwarten würde. Mein treuer Wegbegleiter namens Google konnte mir im ersten Moment nur wenig Beistand leisten. Es ist so schwer gewesen sich zu entscheiden.
Ich war mir bei einer Sache total sicher: Ich werde keine halben Sachen machen. Eine Art Lebensmotto, an das ich versuche mich zu halten, ließ mich nun die Bewerbung für mein Schulpraktikum an den Spiegel schreiben. Ich rechnete nicht mit einer Zusage. Ich rechnete nicht einmal mit einer Antwort. Doch dann kam sie. Wie es mir ging? Es war mir verdammt peinlich. In meinem Übermut hatte ich meine Bewerbung nämlich nicht nur einmal verschickt. Ich habe in der Annahme, dass sowieso niemand meine E-Mails
liest, immer wieder neue Mails geschrieben und meine Bewerbung jedes Mal in den Anhang gestellt. Ich stelle mir die übrigens sehr freundliche Redaktionsassistentin dabei vor, wie sie in der Hoffnung auf etwas Neues jedes Mal aufs Neue meine Bewerbung vor der Nase hatte.
Jetzt weiß ich, dass sich meine Hartnäckigkeit bewährt hatte.
Nun also bekam ich eine Antwort. Eine sehr freundlich formulierte Information darüber, dass meine Bewerbung zur Kenntnis genommen worden ist. Heute schätze ich, dass sich eine Aufforderung meine Belästigungen einzustellen dahinter verbarg, obwohl das nur Spekulation ist. Nachdem ich eine weitere Woche gewartet hatte, schickte ich meine Bewerbung ein letztes Mal ab und erhielt eine Art inoffizielle Zusage. Eine von diesen, die viel verspricht, aber deutlich machte, dass es immer noch anders kommen könnte.
Die Sektgläser schon aus dem Schrank holend beschloss ich nun, da ich etwas Absicherung erhalten hatte, meinen E-Mail Spam einzustellen und erhielt kurz darauf einen nett aussehenden Brief mit der offiziellen Zusage. Ich fühlte mich schon wie eine Siegerin, hatte aber keine Ahnung was mich erwartet.
In meinen Praktikumserwartungen verriet ich das jedoch nicht. Ganz nach dem Motto: Jetzt keine falsche Bescheidenheit. Das war natürlich nur der Eindruck, den ich erwecken wollte. Eigentlich erwartete ich, Kaffee kochen zu dürfen oder den Drucker zu bedienen, was ich in meiner Hausaufgabe für meinen Politiklehrer natürlich deutlich abstritt.
Das Abenteuer beginnt.
Ich reiste mit der Bahn an. Das bedeutete zwei Stunden Anreise und eine ziemlich unausgeschlafene Praktikantin für den ersten Arbeitstag. Nach einer netten Begrüßung bekam ich zusammen mit einem weiteren Praktikanten eine Einführung in die verschiedenen Programme mit denen ich in den nächsten zwei Wochen arbeiten würde. Ich verstand nichts. Nicht einmal ansatzweise und nach meiner fünften Frage gewöhnte ich mich daran. Besser still und dumm als laut und dumm rüberkommen. Diesen wirklich nicht sehr intelligenten Gedanken bereute ich später. Danach bekam ich einen Arbeitsplatz. Ich schrieb für das Uni- und Schulspiegel Ressort. Dort war leider kein Arbeitsplatz mehr frei, also setzte ich mich zu den netten Herren aus der Wirtschaft. Diese konnte ich dann über das E-Mail und Chat Programm ausfragen, ohne das mein Vorgesetzter das mitbekam. Als dieser nach mir sah, hatte ich beides schon erfolgreich eingerichtet. Für mich war das der erste Triumph meines Praktikums.
Nach und nach lebte ich mich ein und lernte ein paar sehr nette Leute kennen. Studenten, die dort auch ein Praktikum machten und mit denen ich mich über meine „Praktikantenprobleme“ unterhalten konnte ohne mir dumm vorzukommen. Ich bekam Aufgaben zugeteilt und versuchte mein Bestes – machte aber fast alles falsch und lernte aus meinen Fehlern.

Einen Tag lang durfte ich eine Reportage machen. Das bedeutet ab in die S-­Bahn. Dann einen Zug. Dann noch drei verschiedene Busse und ich war in Garlstorf in der Nähe von Lüneburg. Garlstorf ähnelte Scharrel, meinen Wohnort. Das gab einen Sympathiepunkt für Garlstorf und definitiv Minuspunkte für meine Schuhwahl. In Garlstorf durfte ich mich dann mit einer Horde Jäger auseinandersetzten, die mindestens eine Studentin erwartet hatten. Ich durfte mir Sprüche anhören wie: „ Na junge Dame möchtest du einen Kaffee oder doch lieber einen Kakao.“ Oder so etwas wie: „ Du würdest eine gute Jägersfrau abgeben.“ Später erfuhr ich dann, dass er damit meinte, ich würde gut in einer Tracht aussehen und es würde für eine Frau schließlich reichen einen Jäger zu heiraten und für diesen kochen zu dürfen. Danach durfte ich bei einem Jagdsimulator auf Bälle zielen. Meine Proteste gegen diese Aktion wurden strickt ignoriert und meine 50% Trefferquote schien Belustigung auszulösen, obwohl ich schon stolz darauf war, die schwere Waffe ganze 10 Minuten hochgehalten zu haben.
Nachdem ich die zweite Woche damit verbrachte diesen Bericht zu schreiben und mich mit weiteren zugeteilten Aufgaben beschäftigte, war mein Praktikum schon um. Ich hatte zwei Wochen an einem PC in der 13. Etage des Spiegelgebäudes gesessen und mich ganz wie eine waschechte Journalistin gefühlt. Ich habe am Ende ein hübsches Praktikumszeugnis für meine Bewerbungsmappe bekommen und reichlich Erfahrungen gesammelt.
Warum ich euch das alles erzähle?
Weil ich definitiv nicht der einzige fähige Schüler bin. Da draußen stecken so viele talentierte Teenager, die sich so etwas bestimmt nicht zutrauen würden. Ich kann euch sagen, das habe ich auch nicht. Das tue ich immer noch nicht. Aber ich bin mir bei einer Sache ziemlich sicher: Egal was du werden möchtest, oder was du nicht werden möchtest, egal ob du weißt, wo dein Weg hinführt oder ob du keine Ahnung hast, egal was deine Eltern, deine Großeltern oder irgendein entfernter Cousin beruflich machen und egal wo du herkommst und was du für Voraussetzungen mitbringst: Du kommst deinem Traumberuf nur dann näher, wenn du dich etwas traust. Wenn du dich traust Fehler zu machen, um aus ihnen zu lernen und anschließend ein Stück schlauer zu sein. Wenn du dich traust herauszufinden was für Chancen du hast und dann mutig genug bist, diese auch zu ergreifen.
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Also bleib nicht dort oben sitzen und warte darauf, dass dir deine Zukunft entgegen fliegt. Renne ihr entgegen und nehme ruhig ein, zwei Umwege, um gestärkt an deinem Ziel anzukommen.
Ich bin mir sicher, dass es mehr Wege für dich gibt als du eigentlich denkst. Das muss nicht ein Schulpraktikum sein. Das kann alles sein. Sich vor den PC zu setzten und zu recherchieren, was es überhaupt alles für Berufe gibt. Sich informieren. Zeitung lesen. Seine Interessen kennen. Etwas tun, das Dich weiterbringt.

Egal was es ist, trau dich!

2 Kommentare

  1. Hallo, ich muss mich demnächst auch für mein Schülerpraktikum bewerben, und ein Praktikum beim SPIEGEL fände ich toll. Ich bin aber erst in der neunten, und muss zu meiner Schande zugeben, dass ich etwas spät dran mit meiner Bewerbung bin.
    Hast du Tipps für die Bewerbung, und denkst du es hat überhaupt einen Sinn mich als Neuntklässlerin relativ kurzfristig zu bewerben?
    Viele Grüße,
    Katrin

    • Liebe Katrin, wir würden dir raten, einfach mal dein Glück zu probieren. Mehr als eine Absage zu bekommen, kann ja nicht passieren. Es wäre sicherlich von Vorteil, wenn Du schon irgendeine Art von (journalistischer) Schreiberfahrung vorweisen kannst, z.B. in einer Schülerzeitung oder einem Schreib-Workshop. Auch große Zeitungen und Magazine suchen nach jungen Talenten. Also trau dich, es gibt nichts zu verlieren. Liebe Grüße von der Redaktion

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.