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Raus aus dem Hamsterrad: Finanziell frei mit 30

Im Alter von 30 Jahren aufhören zu arbeiten, erscheint für die meisten Menschen wie ein Traum, der nur durch einen Lottogewinn oder eine große Erbschaft zu verwirklichen ist. Dominik Fecht sieht das anders. Er sagt, dass der Traum von finanzieller Freiheit durch einen intelligenten Umgang mit Geld möglich wird. Wir haben ihn im Interview dazu befragt.

laurentinews.de: Gab es einen Schlüsselmoment, als Du auf die Idee gekommen bist, dass Du mit 30 Jahren finanziell frei sein möchtest?

Dominik Fecht: Einen wirklichen Schlüsselmoment hatte ich nicht. Ich habe bereits mit 18 Jahren im dualen Studium mein erstes Geld verdient und dabei gemerkt, dass ich eigentlich nichts über Finanzen weiß.  Nichts über Versicherungen, Geldanlage oder Steuern. Trotzdem sollte ich die ersten Finanzentscheidungen für meine Zukunft treffen. Damit war ich sehr unzufrieden und wollte dringend etwas ändern. Ich fing an Bücher zu lesen und Finanzblogs zu konsumieren. Dadurch erfuhr ich mit 18 Jahren auch zum ersten Mal davon, dass es so etwas wie die Finanzielle Freiheit gibt. Dass Du als relativ normaler Mensch durch den intelligenten Umgang mit Geld viele Jahrzehnte vor der Rente den Punkt erreichen kannst, wo Du nicht mehr für Geld arbeiten gehen musst.

Ohne großes Nachdenken habe ich mir dann gedacht, dass ich dieses Ziel bis zu meinem 30. Lebensjahr erreichen will. Denn wenn ich dann scheitere und „erst“ mit 35 Jahren finanziell frei bin, ist das schließlich immer noch ein großer Erfolg.

Was bedeutet es eigentlich konkret „finanziell frei“ zu sein? Bleibt man nicht immer abhängig vom Geld bzw. strebt man nicht immer danach, noch mehr Geld zu haben?

Die Finanzielle Freiheit hast Du erreicht, wenn Deine Ausgaben durch passive Einkommensquellen (wie zum Beispiel Dividenden, Mieteinnahmen etc.) gedeckt sind. In dem Moment bist Du nicht mehr darauf angewiesen einer Arbeit nachzugehen, um Geld zu verdienen.

Ich glaube das hat viel mit Deiner Einstellung zum Thema Geld zu tun. Es gibt Multimillionäre, die niemals mehr in ihrem Leben arbeiten müssten und trotzdem Angst haben, dass das Geld nicht reicht. Sie streben nach immer mehr Geld und hoffen, dass die Geldsorgen verschwinden. Geld löst das Problem allerdings nicht. Du kannst bereits mit einem geringeren Vermögen anfangen dankbar für das Geld zu sein und Dir und Deinen Fähigkeiten zu vertrauen. Dann reduziert sich die Abhängigkeit vom Geld. Ganz unabhängig von (Geld-) Sorgen wird allerdings vermutlich niemand sein.


Dominik Fecht hat ein klares Ziel vor Augen: Er möchte mit 30 Jahren finanziell frei sein. (Bild: privat)

Es gibt bei vielen Menschen die Überzeugung, dass man sein Geld durch „ehrliche Arbeit“ verdienen soll und das selbstverständlich bis mindestens 65. Was hältst du davon?

Meine Gegenfrage dazu wäre: Wer legt denn fest, was ehrliche Arbeit ist und wie lange Du arbeiten sollst? Der Staat, Deine Eltern oder die Gesellschaft? Und warum solltest Du das nicht selbst entscheiden dürfen?

Solange Du anderen Menschen einen Mehrwert bietest und sie Dir freiwillig dafür Geld geben, ist es aus meiner Sicht eine ehrliche Arbeit. Und wenn Du es Dir leisten kannst bereits früher aus dem Arbeitsleben auszuscheiden und von Deinem passiven Einkommen zu leben, ist das doch super. Wieso solltest Du Dir von anderen Menschen vorschreiben lassen, wie Du Dein Leben zu leben hast?

Arbeit ist ja nicht nur dazu da, um Geld zu verdienen, sondern auch um unsere Gesellschaft am Laufen zu halten und auch um sich selbst zu verwirklichen. Du selbst arbeitest ja auch als Zollbeamter für den Staat. Was wäre eigentlich, wenn nun jeder das gleiche Ziel wie Du anstreben würde. Würde unsere Gesellschaft so überhaupt funktionieren?

Unsere Gesellschaft würde auch zusammenbrechen, wenn jeder Lehrer, Zollbeamter oder Künstler werden würde. Das wird allerdings nie passieren, weil jeder Mensch unterschiedliche Interessen und Begabungen hat.  Dazu kommt noch, dass sich der Markt mit der Zeit selbst reguliert. Wenn Du als Lehrer keine oder nur schlecht bezahlte Stellen findest, würdest Du vielleicht eher nach einem anderen Beruf Ausschau halten. Zudem sind wir noch sehr weit davon entfernt, dass jeder finanziell frei werden will. Die meisten werden von dem Konzept wahrscheinlich noch nie gehört haben und nur 1 % der Bevölkerung (wenn überhaupt) arbeitet auf das Ziel hin.

Gibt es einen bestimmten Betrag, den man monatlich verdienen muss, um diesen Plan der finanziellen Unabhängigkeit umzusetzen?

„Für mein Hobby Tischtennis gebe ich liebend gerne Geld aus.“ (Bild: privat)

Das hängt stark von den eigenen Ausgaben ab. Es gibt auch Menschen in Deutschland, die einen Geldstreik ausüben und gar kein Geld ausgeben. Sie wären also finanziell frei, ohne Geld zu verdienen. Je höher die zu deckenden Ausgaben sind, desto höher müssen natürlich auch Deine Einnahmen sein. Es gibt also keine pauschale Antwort, wie viel Du verdienen musst.

Um Geld zu sparen, darf man logischerweise wenig Geld ausgeben. Wofür gibst du gerne Geld aus und an welchen Stellen sparst du Geld? Hast du z.B. irgendwelche Hobbys, die Geld kosten?

Ich bin begeisterter Tischtennisspieler und liebe es Bücher zu lesen. Beides Dinge für die ich liebend gerne Geld ausgebe und nicht wirklich auf das Geld achte. Ich gehe auch gerne auf Seminare oder mache Urlaub. Ich war zum Beispiel dieses Jahr bereits auf einer Kreuzfahrt.

Dafür besitze ich allerdings kein Auto, lebe in einer schönen kleinen 34 Quadratmeter Wohnung in Köln und gebe zum Beispiel nicht viel Geld für Klamotten oder Feiern gehen aus. Ich kann morgens zur Arbeit laufen und komme mit öffentlichen Verkehrsmitteln überall hin. Ich spare dadurch eher an den großen Ausgabeposten und achte bei den kleineren Ausgaben nicht so sehr aufs Geld.

Minimalismus ist ein großer Trend unserer Zeit. Es gibt dazu das Zitat „Minimalismus bedeutet nicht, nichts zu haben, sondern keinen Ballast zu haben.“ Klammern sich Menschen zu viel an materiellen Besitz und ist Minimalismus der Weg zu einer finanziellen und geistigen Unabhängigkeit?

Ich habe den Minimalismus und die positiven Auswirkungen bereits kennengelernt, bevor ich mich mit meinen Finanzen auseinandergesetzt habe. Aus meiner Sicht hilft der Minimalismus natürlich auf dem Weg zur Finanziellen Freiheit, weil Du Dich von materiellem Ballast löst und dadurch auch geringere Ausgaben hast. Das Geld alleine sollte allerdings nicht der Antrieb sein seinen Besitz oder Konsum zu reduzieren.

Hörst du häufiger den Vorwurf, dass andere dich für geizig halten?

Nie. Entweder sind die Menschen zu höflich mir das zu sagen oder sie sehen es nicht so. Ich denke den meisten Menschen ist nicht mal bewusst, dass ich einen größeren Teil meines Gehalts spare, weil ich eher an den größeren Ausgabeposten ansetze.

Du bekommst von deinen Freunden den Vorschlag ins Kino zu gehen oder wirst zu einem Geburtstag eingeladen. Wie teuer darf so eine Veranstaltung sein? Oder anders gefragt: Wie sozial-verträglich ist dein Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit?

Ich gebe sehr gerne Geld aus, um mit anderen Menschen etwas zu unternehmen. Sei es ein Kinobesuch oder ein tolles Essen in einem Restaurant. Ich würde eine solche Einladung nicht ablehnen, weil ich Geld sparen muss. Der einzige Unterschied zu den meisten Menschen ist, dass ich nicht jedes Wochenende ins Kino oder Restaurant gehe und mir auch nicht jede Woche Essen bestelle. Ich finde es ist nichts Besonderes mehr, wenn Du es immer machst.

Wenn Du deine finanzielle Unabhängigkeit erreicht hast und aufhören kannst zu arbeiten, was machst du dann mit deiner Freizeit?

Für mich ist die Finanzielle Freiheit nur ein Werkzeug, um ein freieres und selbstbestimmtes Leben zu leben. Ich möchte die Wahl haben zu entscheiden, ob und wie viel ich arbeite und ob ich einen ungeliebten Job kündigen kann.

Und mir ist heute schon klar, dass ich niemals aufhören werde komplett zu arbeiten und Sachen für andere Menschen zu erschaffen. Das Leben ist viel zu langweilig, wenn Du den ganzen Tag nur in der Hängematte liegst und Cocktails schlürfst. Du hast keine Herausforderungen. Das kannst Du vielleicht mal ein paar Wochen oder Monate machen, doch dann fängst Du an Dich zu Tode zu langweilen.

Meiner Meinung nach sollte das Ziel sein ein Leben zu erschaffen, aus dem Du nicht ausbrechen willst. Einen Beruf oder Job zu haben, in dem Du nicht auf den Feierabend, das Wochenende oder den nächsten Urlaub hin fieberst. Und dabei kann die Finanzielle Freiheit eine gute Unterstützung sein.

Du investierst dein Geld u.a. auch in Aktien. Wie groß ist deine Sorge, durch einen Finanzcrash dein Vermögen zu verlieren?

Sein Wissen über Geld und Finanzen teilt Dominik u.a. auf seinem Blog und in einem Buch. (Bild: privat)

Mein Vermögen ist breit gestreut in tausende Unternehmen in 46 verschiedenen Ländern investiert. Wenn mein Geld nur in einer oder wenigen Firmen stecken würde, dann würde ich mir auch größere Sorgen machen mein Geld zu verlieren. Ich bin deshalb absolut entspannt. Ich weiß, dass es auch irgendwann mal wieder eine Wirtschaftskrise geben wird, wo die Aktienkurse sinken. Das ist dann allerdings eine gute Möglichkeit weiteres Geld zu investieren und den Crash auszusitzen.

Warum sind viele Deutsche so zögerlich und skeptisch, wenn es um die Anlage von Geld in Aktien geht?

Wir Deutschen haben aufgrund unserer Kultur und Geschichte ein besonders hohes Sicherheitsbedürfnis. Schließlich haben unsere Eltern und Großeltern mehrere Male durch Kriege und Währungscrashs einen Großteil des eigenen Vermögens verloren. Das brennt sich in das kulturelle Gedächtnis ein. Die Deutschen  wollen lieber das Risiko vermeiden und setzen dabei auf Anlagen, die nicht schwanken. Auch wenn dort das Risiko eventuell sogar viel größer ist bei einem Währungscrash sein Geld zu verlieren.

Dazu kommt noch das große Desaster mit der Telekom-Aktie in Deutschland. Viele Leute haben sich mit der Telekom-Aktie zum ersten Mal an den Aktienmarkt herangewagt und dabei große Verluste erlitten. Sie stempeln danach den gesamten Aktienmarkt als viel zu risikoreich ab. Dabei haben sie einfach nur den großen Fehler gemacht alles Geld auf ein einziges Unternehmen zu setzen und das Geld nicht breit zu streuen. Sie haben sich einmal die Finger verbrannt und wollen danach nichts mehr von Aktien hören.

Das Thema Geldanlage ist ein sehr komplexes Themengebiet. Woher hast Du dein Finanzwissen und wie kann man seriöse Finanztipps von unseriösen Finanztipps unterscheiden?

Ich habe mir mein Wissen durch das Lesen von vielen Finanzblogs und Finanzbüchern angeeignet. Mein duales Studium beim Zoll war auch hilfreich, weil ich viel über Steuern und Wirtschaftsrecht gelernt habe.

Es ist sehr schwer festzustellen, ob Du einen seriösen oder unseriösen Finanztipp erhältst. Besonders wenn Du Dich noch nicht besonders gut in einem bestimmten Bereich auskennst. Aus meiner Sicht hilft es schon sehr viel zu hinterfragen, was die Interessen des anderen sind. Ein Bankmitarbeiter ist eher daran interessiert seinen Job zu behalten und seinem Arbeitgeber Geld einzubringen, als Dir das beste Finanzprodukt zu empfehlen. Denn hier gilt:

Je höher die Gebühren sind, desto mehr verdient die Bank und desto weniger bekommst Du als Anleger.

Ich würde versuchen mir Tipps von Menschen zu holen, die keinen Interessenskonflikt haben und Dich wirklich unabhängig beraten können. Ein guter Anlaufpunkt ist zum Beispiel das Verbrauchermagazin finanztip.de.

Sollte deiner Meinung nach das Thema Geldanlage/Umgang mit Geld viel stärker im Rahmen von Schule behandelt werden?

Unbedingt. Ich und alle anderen mit denen ich gesprochen habe, haben nichts über Finanzen in der Schule gelernt. Jeder wünscht sich zumindest die wichtigsten Grundlagen in der Schule zu lernen und nicht komplett unvorbereitet in das Erwachsenenleben zu starten. Aus dem Grund habe ich auch mein Buch „Finanzhacks für Berufseinsteiger“ geschrieben. Das Buch umfasst alles, was ich mir damals nach der Schule an Finanzwissen gewünscht hätte. Zum Beispiel, wem Du bei Finanzfragen vertrauen kannst, was die wichtigsten Versicherungen sind und was Du zum Thema Geldanlage unbedingt wissen musst.

Eine Abiturientin (Naina) hat es in 2015 gut auf den Punkt gebracht:

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ne Gedichtanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

Meiner Meinung nach sollte die Schule Finanzthemen unterrichten, sodass Du nicht so einfach von Banken, Versicherungen und dem Staat über den Tisch gezogen werden kannst. Ohne Grundlagenwissen, wird Dich das nämlich zehntausende  Euros kosten und Du weißt es noch nicht mal.

Wir danken Dir vielmals für die Beantwortung unserer Fragen und wünschen Dir auf deinem Weg zur (finanziellen) Unabhängigkeit alles Gute!

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