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Vom Rausch bis zur Ekstase

„In der Schule angekommen versuchte ich im Unterricht aufzupassen, konnte aber keinen Sätzen folgen. Ich habe versucht, einen Text zu lesen, doch beim zweiten Wort angelangt, wusste ich nicht mehr, was das erste war. Für eine SMS benötigte ich über 15 Minuten… Ich konnte überhaupt keine Sätze bilden und innerhalb einer Stunde schaffte ich es, einen Satz über das Thema meines Berichtes zu schreiben.

Den ganzen Tag lang fühlte es sich an, als wäre ich behindert im Kopf. Zuhause schob ich dann völlig einen auf Depri und machte mir Sorgen wegen allem… Wirklich extrem starke Depri-Gedanken. Zum Beispiel dachte ich, dass ich nur noch eine Hülle wäre und meine Persönlichkeit durch den Trip aus meinem Körper gerissen worden wäre. Ich war nicht mehr derselbe… Ich machte mir extreme Sorgen, eine Psychose bekommen zu haben und nun damit leben zu müssen.“

So lautet der Hilferuf eines „Newbies“ auf der Homepage eines Schweizer Drogenforums in der Kategorie „Drugtalk/ Too much“. Angeblich hatte der User am Vorabend „zwei Nasen Pep gezogen“, auch als Amphetamine oder Speed bekannt. Andere Benutzer dieser Seite hatten die Vermutung, dass dem Konsumenten, anstatt seiner gewünschten Droge, eine Portion Crystal Meth verkauft worden wäre, welche bei derselben Dosierung eine ganz andere und viel stärkere Wirkung hat.

Tatsächlich gibt es unter Drogen große Differenzen in Bezug auf ihre Effekte und Auswirkungen; sowohl psychisch als auch physisch.

Diese gilt es daher in vier Kategorien einzuteilen: Die Stimulantia, Sedative, Halluzinogene und die Hypnotika.

Das Medikament Ritalin wird vor allem bei Konzentrationsstörungen eingenommen, z.B. wenn Kinder ADHS, eine Aufmerksamkeitsstörung, haben. Ritalin Gegner kritisieren, dass dies schon bei Kindern zu einer Medikamentenabhängigkeit führen kann. (Bild: tumblr.com)

Zu den Stimulantia zählen Rauschmittel wie die Alltagsdrogen Koffein und Alkohol, aber auch Kokain, Crack, Heroin, Ecstasy, Amphetamine und Ritalin. Diese kurbeln die körperliche sowie geistige Aktivität an, unterdrücken Hunger, Müdigkeit und Durst und erzeugen eine gewisse Euphorie; eine stärkere Dosis Heroin sorgt sogar für einen Orgasmus-ähnlichen Zustand. Ritalin zum Beispiel ist ein legales aber verschreibungspflichtiges Medikament, welches manche Studenten vor Klausuren und Tests einnehmen, um ihre Konzentrationsfähigkeit zu steigern. Was viele allerdings nicht wissen: Durch dessen Einnahme wird nicht die Qualität der Gedanken erhöht, sondern lediglich die Quantität, so der „fluter“.

Und stellt man sich dann nicht die Frage, was von unserer Gesellschaft verlangt wird, wenn diese, um einen Test zu bestehen, auf Drogen zurückgreifen muss?

Das Gegenstück zu den Stimulantia sind die Sedative. Diese wirken enthemmend und in einer höheren Dosierung auch schmerzstillend. Neben den bekannten K.O.-Tropfen (DHT) gehören da Nikotin, Morphium, Cannabis und Ketamin zu.

LSD kann beim Konsumenten eine euphorische Stimmung verursachen. Es kann aber auch bestehende Ängste und Depressionen verstärken, dann erlebt man einen „Horrortrip“. (Bild: tumblr.com)

Eine dritte Kategorie bilden die Halluzinogene und wie der Name schon sagt, verändern sie den Bewusstseinszustand und rufen teilweise auch Halluzinationen hervor. Unter diesen findet man LSD, Pilze/ Mashrooms, Meskalin und DMT (Dimethyltryptamin) wieder.

Bei den Hypnotika, der vierten Kategorie, besteht ein fließender Übergang zu den Sedativa.

Hypnotika, darunter Benzol, verändern das übliche Schlafprofil des Menschen und werden im alltäglichen Gebrauch oft als Schlafmittel verwendet.

Neben den legalen, medizinisch-bedingten Verschreibungen für Rauschmittel gibt es viele unterschiedliche Gründe, um diese „on your own“ zu konsumieren.

Die üblichsten dafür sind traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit und das Mitgehen im sozialen Umfeld; der Drang zur Zugehörigkeit.

Viele Menschen nehmen Drogen, um psychische Probleme vergessen oder unterdrücken zu können. Sie flüchten aus der Realität oder nehmen Drogen als Ersatz für soziale Kontakte. Nicht zu selten kommt es aber auch vor, dass gerade durch den Drogenkonsum das soziale Umfeld schrumpft und sich von einem abwendet, wodurch der Mensch immer tiefer in die Sache hineinrutscht. Konsumenten haben das Gefühl, welches man beispielsweise durch das Rauchen von Cannabis erhält, als das Umgebensein von Wärme beschrieben. Der nüchterne Zustand allerdings hält nichts als die nackte Kälte und Einsamkeit für einen parat.

Andere, welche nur „aus Spaß“ konsumieren, als Motivationsversuch oder gar als Belohnung, verlernen ganz schnell, diese Zustände auch ohne künstliche Einflüsse zu erreichen.

Ein großes Problem bei dem Drogenkonsum ist, dass etliche Leute sich durch die Tabuisierung des Themas fürchten, es ihren Mitmenschen zu erzählen, sich ihnen anvertrauen und wirklich nach Hilfe zu fragen. Zu groß sind das schlechte Gewissen, ein Verbrechen begangen zu haben, und damit zusammenhängend auch die Angst vor dem Gefängnis. Und umso größer ist das eigene Versinken in Hilfslosigkeit durch das permanente Reinfressen in sich selbst.

Abgesehen davon, dass die Folge des ständigen Drogengebrauchs/Missbrauchs eine zerstörte Psyche ist, hat der Konsum auch Auswirkungen auf den Körper.

Jahrelanger Drogenkonsum kann schwere körperliche Schäden verursachen und führt häufig zu Vereinsamung, Depressionen und Psychosen. (Bild: pixelio.de)

Jahrelange Einnahme kann zu gesundheitlichen Schäden führen, unter anderem Lungenkrebs und Herzversagen. Eine Überdosierung kann der Grund für Psychosen, ein eingeschränktes Denkvermögen, Wahnvorstellungen und einen Atemstillstand sein, also zum Tod führen.

Es gibt viele Drogen, die bei einem geregelten bzw. kontrollierten Konsum keine großen Auswirkungen auf ihre Bedarfsträger haben und somit mehr oder weniger ungefährlich sind; zumindest für den Moment. Bedrohlich werden sie erst im Falle einer besagten Überdosierung oder der aus der Abhängigkeit hervorgehenden Sucht.

Abhängigkeit ist ein anderes Wort für Angewiesenheit, welche man zum Beispiel in einer Liebesbeziehung wiederfinden kann, in der der Partner sich an den anderen gewöhnt hat und auf ihn angewiesen ist. Sowohl mental als auch hormonell.

Problematisch wird die Beziehung dann, wenn eine unstabile Abhängigkeit auftritt und die Beziehung beginnt zu bröckeln, weil sich der eine Partner immer mehr wünscht und immer mehr verlangt, der andere dadurch auf Distanz geht und somit eventuell einen Grund zur Eifersucht gibt.

Sucht?

Bei einer Sucht ist der Zustand einer gesteigerten Abhängigkeit erreicht. Wenn also das, was man durch diese Abhängigkeit erhält, nicht mehr ausreicht.

Gerade bei Drogen ist Sucht sehr gefährlich, denn sie ist meistens der Auslöser für die oben genannten Folgen. Aber woran merke ich, dass ich süchtig bin?

Ich habe plötzlich Entzugserscheinungen. Ich beginne, meinen Konsum zu rechtfertigen und suche mir jedes Mal neue Gründe wie „Heute war so ein anstrengender Arbeitstag! Ich brauche erst mal ‚nen Joint“. Ich setze mir selber Grenzen, welche ich nicht einhalten kann und verliere somit die Selbstkontrolle.

Süchtig bin ich, wenn ich merke, dass ich ohne meinen „Stoff“ nicht mehr leben kann oder will.

Wer drogensüchtig ist, findet in vielen staatlichen oder kirchlichen Drogenberatungsstellen professionelle Hilfe.

Aber ist Sucht, also unmittelbare Abhängigkeit, wirklich sofort schlecht? Nein, zu Beginn erlebt ein Suchtkranker die Folgen seiner Sucht als durchaus positiv: Er ist entspannter und gelassener, manchmal sogar enthemmt, fühlt sich zu einer Gruppe dazugehörig und die Kontaktaufnahme zu anderen Menschen fällt ihm leichter. Zu Beginn einer Suchterkrankung erlebt ein Betroffener also durchaus einige Vorteile. Doch mit fortschreitender Zeit zeigen sich immer häufiger die Nachteile der Sucht: Realitätsverlust, Agressionen, Verlust der Selbstkontrolle, Verdrängung, sozialer Abstieg und in vielen Fällen auch eine hohe Verschuldung.

Doch Sucht ist meistens therapierbar. Die Therapie an sich wird oft von staatlichen oder kirchlichen Organisationen übernommen, da vielen Drogenabhängigen durch ihre Abhängigkeit nicht die Mittel zur eigenen Finanzierung zur Verfügung stehen. Es gibt verschiedene Arten, solch eine Genesung zu vollführen. Unterschieden wird zwischen der physischen und der psychischen Therapie. Bei der physischen, also der körperlichen, wird eine Detoxifikation durchgeführt, das heißt, der Körper wird erst entgiftet und dann langfristig stabilisiert. Allerdings ist zu beachten, dass man, beispielsweise bei einer Alkoholabhängigkeit, den Alkohol auf keinen Fall sofort absetzen darf, sondern die Menge rationieren und immer verringern muss, da es sonst zu starken Entzugserscheinungen kommen kann.

Bei den psychischen Therapien versucht man durch unterschiedliche Vorgehensweisen die Abhängigkeit des Patienten in ihrem Ursprung zu bekämpfen: im Kopf.

Das erfolgt, in dem man es darauf anlegt, alte Verhaltensweisen durch neue zu ersetzen, den Betroffenen neue Lebensinhalte zu vermitteln und gemeinsam mit ihm Perspektiven aufzubauen und ihm dabei behilflich zu sein, seine zur Sucht führenden Probleme zu lösen oder zumindest zu lernen, mit ihnen umzugehen.

Oft finden während oder nach solchen Behandlungen Suchtverlagerungen statt, das heißt, die „Ex-Konsumenten“ beginnen, als Ausgleich oder Ablenkung, zum Bespiel Sport zu treiben. Vielen Menschen gelingt auf diese Weise ein neues, zufriedenes und suchtfreies Leben aufzubauen.

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