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Schau hin!

Neulich starteten wir den Versuch, euch für das diesjährige Internationale Kurzfilmfestival zu begeistern. Wenn ihr mitmachen wollt, müsst ihr sehen, denken, planen, schreiben, drehen, schneiden… Doch wozu das Ganze?
„Extremismus – Nein, danke!“? Wie? Wo? Warum? Was geht mich das an? Im Gespräch mit einem Verantwortlichen offenbaren sich interessante Hintergründe.

laurentinews.de: Wie kamt ihr auf die Idee, ein internationales Kurzfilmfestival zu arrangieren?

Marcel: Unsere Firma gründete sich vor fünf Jahren mit dem Ziel, Schulprodukte „von Schülern für Schüler“ herzustellen. Schnell merkten wir aber, dass viele von uns Höherem nachstrebten. Da unsere Firma selbst von unserer Schule, dem Babelsberger Filmgymnasium, instituiert wird, und wir durch unsere Heimatstadt Potsdam einen starken Bezug zum Film haben, fiel uns die Idee eines Filmfestivals „von Schülern für Schüler“, getreu unserem Motto, in die Hände. Dieses sollte allen Jugendlichen zur freien Entfaltung dienen.

Zur Person: Marcel Moldenhauer

Marcel Moldenhauer (18) ist seit zwei Jahren der Schüler-Verantwortliche für das Projekt. Er übernimmt die Aufgabenverteilung an einzelne Teammitglieder, wahrt den Überblick über das Gesamte und hält Augen und Ohren offen für neue Möglichkeiten zur Innovation und Entfaltung. Zudem kümmert er sich um die Öffentlichkeitsarbeit und stellt damit auch Mund und Gesicht des Festivals.

Von was für einer Firma sprichst du genau?

 Wir nennen uns die Schülerfirma „Schreibfehler“ – unkreativ, aber einprägsam. Unsere Hauptaufgabe konzentriert sich weitestgehend auf die Organisation des IKZ und einem weiteren, jährlich stattfindenden, Benefizevent, dessen Erlös für einen guten Zweck gespendet wird. Beide Punkte ziehen eine Finanzierungsnot mit sich, vor welcher wir uns durch den bereits angesprochenen Verkauf von Schulprodukten und der Hilfe von Spendern und Förderern schützen.

Dieses Jahr findet das dritte IKZ infolge statt. Mit welchen Gegenständen haben sich die letzten zwei Festivals befasst?

Wir bemühen uns immer darum, möglichst allgegenwärtige Themen ausfindig zu machen. 2011 war das „Zivilcourage“, bezogen auf die damals mehr und mehr ans Tageslicht rückenden Überfälle in U-Bahnstationen in Berlin und anderen Großstädten Deutschlands. 2012 widmeten wir uns dem Motiv „Aus Geschichte lernen?!“, dessen Hintergrund, die deutsche Geschichte des Dritten Reichs, ich wohl kaum näher zu erläutern brauche.

 Damit hast du auch meine nächste Frage fast beantwortet. Für das diesjährige Festival habt ihr euch das Motto „Extremismus – Nein, danke!“ ausgesucht… weil es aktuell ist?

Man mag fast sagen, es sei aktueller denn je. Denn Extremismus kann man nicht bloß auf einen einzigen gesellschaftlichen Bereich beziehen. Das Thema ist weitaus umfassender als die der vergangenen Jahre. Wenn man seinen Blick von den politisch Extremen löst, findet man Beispiele wie die Waffenlobby Amerikas oder den neusten Twittertrend , der „#Aufschrei“ gegen Sexismus, welcher anlässlich des Vorwurfs sexueller Belästigung Rainer Brüderles gegenüber einer Stern-Reporterin ertönte. Wie weit darf so etwas gehen? Extremismus ist überall, man muss ihn nur erkennen.

 Welche Form des Extremismus ist in unserer Welt am stärksten ausgeprägt? Welche berührt dich am meisten?

Ich stecke derzeit im extremen Abiturbüffeln. (lacht) Jedoch konkret bestimmen, welche Form des Extremismus die derzeit gefährlichste ist, kann man wohl kaum. Mich persönlich berührt die extreme Vereinfachung des gesellschaftlichen Alltags, wie der Mensch eine Konvention nach der anderen trifft, sich immer mehr Regeln ausdenkt und der Bürokratie mehr Macht gewehrt, nur um den vermeintlich sichersten Weg durch den gewöhnlichen Tag zu finden. Man stellt sich keinen Herausforderungen mehr.

Ich vermute, du nutzt den Freiraum, der dir gewährt wird, bis zum letzten Winkel aus. Das Material der Mauern, die ihn umgeben, wird nach innen hin immer stärker, du hast Recht. Der Anteil an Eigenvernunft in ihnen wird geringer. Doch du willst selbst entscheiden, was gut für dich ist. Du wehrst dich, indem du dir bewusst Herausforderungen suchst. Was bringt das Festival? Auf welche Weise wehrt es sich?

Das Festival befindet sich auf einem Pfad der Aufklärung. Wir setzen dort an, wo man noch etwas bewegen kann. Die Jugend ist unsere Zukunft und diese heute schon mit den Problemen der Gegenwart zu konfrontieren, sorgt dafür, dass sie selbst Gedanken und Lösungsansätze für die Zukunft entwickelt und einen neuen Blickwinkel (!) auf ein Problem gewinnt. Das ist der Weg raus aus der Sackgasse.

Eine Gruppe interessiert sich für euer Projekt, erkennt, reflektiert und revidiert. Ein Drehbuch wird geschrieben, der Film gedreht…

Die Produktion kann sowohl in kleinen Gruppen, als auch im großen Klassenverband erfolgen. Wichtig ist uns der gemeinsame Lernprozess innerhalb der Gruppe. Von den Erkenntnissen des anderen kann jeder nur profitieren. Gemeinsam denkt man weiter.

 Das Ergebnis wird bei euch eingereicht. Was passiert anschließend damit?

Nach Ablauf des Einsendeschlusses werden alle gedrehten Produkte auf eine DVD gepresst und an unsere Jurymitglieder gesendet. Diese kommen aus allen möglichen Fakultäten – Politik, Musik, Schauspiel, Regie – womit wir einen breitwinkligen Blick auf die Filme gewinnen möchten. Wichtig ist die Idee hinter dem Film, weniger die perfekte technische Umsetzung.

Die Juroren füllen Fragebögen zu jedem einzelnen der Filme aus, welche wiederum von unseren fleißigen Firmenbienchen ausgewertet werden. Alle Filmemacher, Jurymitglieder und Sympathisanten des Projekts treffen sich dann an einem Abend im Juni zur großen Preisverleihung im Thalia Kino Potsdam.

Der Name sagt, euer Festival sei international. Wie erreicht ihr die Jugendlichen im Ausland? Habt ihr in den vergangenen Jahren viele ausländische Beiträge erhalten?

Die Beiträge zentrieren sich auf den deutschen Raum. Wir sind darum bemüht, das Festival von Jahr zu Jahr zunehmend international zu machen – was uns auch gelingt. Bisher gab es Beiträge aus Finnland, Polen, der Türkei, Italien und einigen weiteren Ländern. Die Grenzen Europas konnten wir bisher aber noch nicht sprengen. Darum haben wir uns überlegt, für 2013 momentane Austauschschüler zu kontaktieren. Übersee, Amerika, wir kommen! Auch unsere Lehrer haben Connections. Des Weiteren machen wir unsere Partnerschulen auf unser Projekt aufmerksam, die wiederum ihre Partnerschulen informieren. So bauen wir uns ein eigenes kleines Netzwerk auf.

Wie es scheint, fruchtet euer „Nachstreben von Höherem“ tatsächlich. Ihr habt Erfolg! Euer Projekt wächst. Doch wenn ich Italien höre, geht heute leider einer meiner Gedanken zu dem faschistischen Diktator Mussolini, unter dem Italien während des 2. Weltkrieges litt. Hitler verstand sich gut mit ihm. Vor 80 Jahren hat dieser in Deutschland nämlich die Macht übernommen, als Hindenburg ihn zum Reichskanzler ernannte. Die Blütezeit der Nazis scheint schon lange vorüber zu sein. Doch plötzlich werden demokratische Rufe über die Verfassungswidrigkeit einer „nationaldemokratischen“ Partei, der NPD, laut. Bei den Landtagswahlen in Niedersachsen erhielt sie nur 0,8% aller Stimmen – und damit gerade einmal halb so viel wie bei den letzten Wahlen. Wie betrifft uns Schüler diese Form des Extremismus noch? Betrifft sie uns überhaupt noch direkt?

Der Extremismus wird uns immer betreffen. Selbst wenn es zurzeit keine direkten Berührungspunkte mit dieser Form gibt, besteht die Gefahr, dass sie uns wieder von Neuem betreffen wird. Die momentanen Anzeichen für einen Rückgang politisch extremer Aktivisten ist ein gutes Zeichen. Doch wenn wir jetzt anfangen, das Thema lockerer zu nehmen, es vielleicht sogar zu vergessen, wird sich die Anzahl jener wieder steigern. Die Frage ist: Wie rutscht man in radikalisierte Szenen hinein? Durch Unwissenheit. Wir müssen das Thema immer direkt betroffen in unseren Köpfen behalten, dem gegenüber im Gewissen, dass es kommt, wenn man es am wenigsten erwartet.

Charlie Chaplin sagte einst, Filmemacher sollten bedenken, dass man ihnen am Tag des Jüngsten Gerichts all ihre Filme wieder vorspielen würde. Ihr fordert dazu auf hinzusehen, den Unterschied zu machen. Sicher würde eine Einsendung die Filmemacher (und euch) ein Stück weit von den Flammen des Höllenfeuers entfernen…

Genau. Und die so gesparte Höllenhitze können wir in unsere kalten, trüben Wintertage investieren. Lasst uns zusammen anpacken!

 

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