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Schluss mit lustig: Horror-Clowns verbreiten Angst

Das Internet hat schon so manche Trends hervorgebracht – einige waren lustig, andere bekloppt und wieder andere einfach nur nervig. Zu diesen nervigen Trends gehören die sogenannten Grusel-Clowns, die nun auch in Deutschland ihr Unwesen treiben. Was ist der Hintergrund dieses gefährlichen Netzphänomens, was kann dabei alles passieren und wie darf ich mich wehren, wenn mir ein Grusel-Clown begegnet?

Viele verspüren ein unbehagliches Gefühl, wenn sie im Dunkeln spazieren gehen. Zurzeit muss man nämlich Angst davor haben, einem Grusel-Clown zu begegnen. Die Angst vor Clowns ist dabei eigentlich nicht neu. Die sogenannte Coulrophobie (Angst vor Clowns) zählt zu den 10 häufigsten Phobien überhaupt. Wissenschaftliche Belege für die Ursache der Clown-Phobie gibt es wenige. Eine Studie der Universität Sheffield zeigte, dass insbesondere Kinder ein großes Unbehagen beim Anblick eines Clowns verspüren. Diese Phobie löst sich jedoch meistens bei Erwachsenen auf. Doch auch Erwachsene können mitunter an einer Clown-Phobie leiden. Die Ursache sehen Forscher darin, dass die Maske des Clowns seine wahren Emotionen verbirgt. Außerdem sind Clowns dafür bekannt, gesellschaftliche Konventionen zu brechen. Dies kann Menschen Angst machen. Natürlich kann auch die reale Begegnung mit einem Grusel-Clown insbesondere Kinder psychisch nachhaltig stören und posttraumatische Belastungsstörungen hervorrufen.

Der Trend der Grusel-Clowns kommt aus den USA und verbreitet sich dort schon seit einigen Jahren. Wahrscheinlich durch berühmte Clownfiguren wie „Pennywise“ aus Stephen Kings „Es“ motiviert, gab es zunächst Berichte von harmlosen Clowngestalten, die einfach nur merkwürdig winkend in der Gegend herumstanden. Doch dann begannen immer häufiger Clowns Waffen zu tragen und Menschen zu verfolgen, ähnlich wie im Horrorfilm „The Purge“. Doch wie viele dieser Berichte echt waren oder doch nur Gerüchte in sozialen Netzwerken, lässt sich nicht mit Sicherheit klären. Tatsache ist jedoch: Der Verkauf von Clownkostümen ist in den USA sprunghaft gestiegen – um über 300%. Daraufhin zog McDonalds die Konsequenz und setzte seine bekannte Werbefigur Ronald McDonald vorerst nicht mehr ein.

John Wayne Gacy, auch bekannt als "Pogo der Clown" tötete in den 70er Jahren insgesamt 33 Menschen.

John Wayne Gacy, auch bekannt als „Pogo der Clown“ tötete in den 70er Jahren insgesamt 33 Menschen.

In den USA gab es zudem auch einen echten „Killer-Clown“: Sein Name ist John Wayne Gacy. Unter dem Namen „Pogo der Clown“ trat Gacy in den USA auf Straßenfesten auf und tötete von 1972 bis1978 insgesamt 33 Jungen und junge Männer. Schließlich wurde er jedoch gefasst und 1994 durch die Giftspritze hingerichtet. Gacy erhielt einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde für die längste Strafe, die über einen Serienmörder verhängt wurde: Er erhielt 21-mal lebenslang und 12-mal die Todesstrafe.

Und wie so viele andere Trends, schwappte nun  also auch in diesem Jahr der Grusel-Clown-Trend über den großen Teich zu uns nach Deutschland. Immer häufiger finden sich in sozialen Netzwerken Prank-Videos von vermeintlich lustigen Grusel-Clown-Angriffen. Dass die Grusel-Clowns nicht nur Mitmenschen mit schlechtem Humor sind, zeigt sich daran, dass es bereits einige Straftaten gab, die von solchen Gestalten verübt worden sind: In Salzwedel zündete eine Gruppe von Männern Autos an, einer der Täter war als Clown maskiert. In NRW verletzte sich eine 14jährige, als sie vor einem Grusel-Clown mit Baseballschläger flüchtete. In Rostock wurden Menschen von Clowns mit Baseballschlägern und Spraydosen attackiert und in Gelsenkirchen griffen zwei Clowns einen Gehörlosen mit einem Messer an und verletzten ihn damit an der Hand.

Doch wie kann ich reagieren, wenn ich einem Clown auf offener Straße begegne? Prinzipiell ist es in Deutschland nicht verboten, sich als Clown zu verkleiden und auch so über die Straße zu laufen. Ich darf also nicht einfach einen als Clown verkleideten Menschen angreifen, der einfach nur friedlich in der Gegend rumsteht. Eine andere Situation ist es natürlich, wenn ich vom Clown angegriffen werde, er also bewaffnet ist, auf mich zu rennt und mich auch verbal bedroht. Dies kann als Nötigung und/oder Körperverletzung angesehen werden und stellt eine Straftat dar. Dann darf ich mich im Rahmen der Notwehr angemessen verteidigen. Grundsätzlich gilt: Je gefährlicher ein Angriff ist, umso heftigere Abwehrmaßnahmen sind erlaubt.  Doch besser ist es natürlich die Konfrontation von vornherein zu vermeiden und in einer Bedrohungslage die Polizei unter der 110 zu verständigen.

Vom Jäger zum Gejagten: Inzwischen verabreden sich Menschen via Facebook zur Clown-Jagd.

Vom Jäger zum Gejagten: Inzwischen verabreden sich Menschen via Facebook zur Clown-Jagd.

Jedem, der sich selber mal als Grusel-Clown versuchen möchte, sollte klar sein: Einem Menschen Todesangst einzujagen kann ernsthafte Folgen haben. Viele Menschen erleiden bei solchen Angriffen ein Trauma oder einen Schock oder verletzen sich bei der panikartigen Flucht teilweise schwer. Auch für solche Verletzungen trägt der Grusel-Clown die juristische Verantwortung. Andere hingegen reagieren nicht mit Flucht, sondern greifen ihrerseits den Clown an. Dieser „Spaß“ kann also auch für den Clown gefährlich enden. Inzwischen gibt es sogar Facebookgruppen von sogenannten Clown-Jägern, die gezielt nach Grusel-Clowns suchen.
Auch viele Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich als Clown arbeiten, haben inzwischen die Nase voll von Grusel-Clowns. Dieter Seger, Vorsitzende des Verbandes Deutscher Zirkusunternehmen, sagte in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur: „Durch die Attacken wird der Clown immer mehr zum Angstobjekt. Mit einem Clown soll eigentlich Spaß, Freude und Tollpatschigkeit assoziiert werden. Über ihn soll man lachen.“ Auch der „Dachverband Clowns in Medizin und Pflege“ fand in einer Presseerklärung deutliche Worte: „Grusel – Clowns sind keine Clowns. Es sind wirre Menschen, die ihre destruktiven Neigungen nur auf diese armselige Art ausleben wollen. Sie sind weder komisch noch beeindruckend, sondern ein grotesker Abklatsch einer zutiefst menschlichen, positiven Freude an der Anarchie. Clowns und insbesondere die sogenannten „Klinikclowns“ stellen das genaue Gegenteil dar zu solchen bedauernswerten Feiglingen, die sich hinter einer Maske verstecken.“

Stephen King ruft auf seinem Twitter Account zu mehr Gelassenheit auf. (Quelle: https://twitter.com/stephenking)

Stephen King ruft auf seinem Twitter Account zu mehr Gelassenheit auf. (Quelle: https://twitter.com/stephenking)

Und Stephen King, Schöpfer des weltberühmten Horrorclowns „Pennywise“, rief inzwischen im Netz zur Gelassenheit auf: „Liebe Leute, macht endlich mal halb lang mit dieser Clown-Hysterie. Die meisten von ihnen sind gut, heitern Kinder auf und bringen Menschen zum Lachen.“

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