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Sportsucht – zuviel des Gesunden

Die steigende Teilnehmerzahl bei den Marathons der vergangenen Jahre zeigt, dass sich immer mehr Menschen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit bringen. Doch was bewegt jemand dazu, solche Strapazen auf sich zu nehmen und ab wann spricht man eigentlich von Sportsucht?

Sport macht Spaß und ist gesund. Diese These wird nicht nur jeder Mediziner bestätigen, sondern auch alle, die eine sportliche Bestätigung für sich  gefunden haben, bei der sie sich fit halten ohne sich ständig körperlich zu überlasten. Dass Sport uns in Form hält und unsere Kondition verbessert, ist natürlich ein positiver Effekt. Fitness und Schlankheit suggerieren oftmals Erfolg und Glück. Die Freude am Sport sollte einen motivieren, doch immer häufiger wird trainiert bis zur totalen Erschöpfung.

Nach Schätzungen von Psychologen gilt ca. 1% der Bevölkerung in Deutschland als sportsüchtig. Doch wie äußerst sich diese Sucht, wie merke ich, dass aus Spaß Zwang wird?

Zunächst gilt festzustellen, dass eine Sportsucht einen Sportler in jedem Alter ereilen kann. Wichtig ist es, Gründe dafür zu finden, weshalb der Sport zum Zwang wird.

Viele Kinder und Jugendliche, die unter Sportsucht leiden, sind dem schulischen Leistungsdruck, der zusätzlich durch die Eltern erhöht wird, nicht mehr gewachsen. Somit versuchen sie durch sportliche Höchstleistungen deren Ansprüche zu erfüllen. Ebenso erkranken Personen an Sportsucht, die im Berufsleben sehr erfolgreich waren und deren Karriere jetzt stagniert. Sie suchen nach weiterer Anerkennung.

Oftmals erhöht sich der Zwang nach Sport auch nach dem Gewinn eines Sportpreises oder eines Pokals. Der Sportler steht dauerhaft unter dem Druck noch einmal ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen zu müssen und erhöht stetig das Pensum, um besser zu sein als andere.

Wichtig ist zu wissen, dass Sportsucht auch zum Tode führen kann, z.B. im Fall von Sportbulimie. 20% aller Skispringer sind untergewichtig und leichte Eiskunstläufer springen eben bessere Saltos. Ein prominentes Beispiel ist Christina „Christy“ Renee Henrich, eine amerikanische Weltklasse-Kunstturnerin, die im Jahre 1994 mit nur 22 Jahre an den Folgen einer Sportbulimie starb. Oft entscheidet das Gewicht über Sieg und Niederlage im Wettkampf. Hinzu kommen oft noch leistungssteigernde Medikamente beim Doping, um das eigene Ergebnis noch zu überbieten.

Ein weiterer Erklärungsansatz sieht eine Ursache in der körpereigenen Hormonproduktion. Bei intensiver sportlicher Betätigung schüttet der Körper verstärkt Endorphine aus, die den Organismus im Extremfall in einen Rauschzustand versetzen können. Dieser Zustand ist vergleichbar mit dem Rausch den Drogenkonsumenten erleben. Langstreckenläufer bezeichnen diesen Zustand als Runner’s High.

Um zu erkennen, ob ein zwanghaftes Sporttraining vorliegt, muss zwischen Sportbindung und Sportsucht unterschieden werden:

Dem Laien mag manche Sportbindung auch als Sucht erscheinen, da der Trainierende hier durchaus auch mehrere Stunden am Stück Sport treibt. Doch hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Bei der Sportbindung muss der Sportler nicht täglich trainieren, sondern er hat auch andere Interessen, ein intaktes Sozialleben und trifft sich auch mal mit Freunden.

Bin ich sportsüchtig? Ein Selbsttest kann erste Hinweise geben.

Bei einer Sucht nach Sport gestaltet sich die Freizeit nur noch aus Sport, ansonsten treten Entzugserscheinungen wie Unwohlsein, Zittern und schlechtes Gewissen auf. Der soziale Kontakt zu anderen wird auf ein Minimum reduziert.

Es ist nicht so einfach sich einzugestehen, dass man dem Zwang des Sportes unterliegt. Auch die Mediziner geben hierfür keine eindeutige Diagnose, denn Sportsucht ist als Krankheit nicht anerkannt.  Psychosomatische Kuren helfen diesen Menschen dann dabei, den Sinn des Lebens wiederzuerkennen. Eine große Hilfe kann auch der Beistand von Familie und Freunden sein.

Schließlich sollte der Sport nur ein Teil des Lebens und nicht das Leben sein!

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