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Alle Jahre wieder: Brauchen wir Silvester-Feuerwerk?

Immer wieder spitzt sich die Diskussion von Neuem zu, wenn das Ende des Jahres sich nähert: Muss an Silvester geböllert werden? Im Verlauf der letzten Jahre geht die Entwicklung immer mehr zu einem Verbot der jährlichen Knallerei. Warum so ein Böller-Verbot sinnvoll wäre und inwiefern dieser Plan schon verwirklicht wird, erfahrt Ihr in diesem Artikel.  

Gründe für ein Verbot

Zunächst wird diese Entscheidung in der Diskussion mit den Schäden an der Umwelt begründet, die durch die Böller entstehen.

In dem Moment, wo das Schwarzpulver im Böller verbrennt, werden nämlich Kohlendioxid, Schwefeldioxid und Ruß, der als Feinstaub in der Luft bestehen bleibt, an die Umwelt ausgestoßen. Während dadurch keine Gefahr für das Klima herrscht, da die 7200 Tonnen an Kohlendioxid, die an die Umwelt gelangen, nach der Aussage des Umweltbundesamts nur 0,0008 % der deutschen Treibhausemissionen ausmachen, wirkt der Ruß als eine schwere Belastung für die Luft selbst.

Übliches Bild am Neujahrsmorgen: Überall liegen abgebrannte Feuerwerkskörper herum. Allein in Berlin, Hamburg, München, Köln, und Frankfurt a.M. fallen rund 191 Tonnen Müll an. (Quelle: pixabay / gemeinfrei)

Bei Messungen der Menge des Feinstaubs kamen beunruhigende Ergebnisse. In der Silvesternacht alleine wird das 20-fache des Grenzwerts ausgestoßen; 1000 Mikrogramm pro Kubikmeter gelangen in die Umwelt.

Insgesamt beträgt dieser Feinstaubausstoß ungefähr 2,25 % des jährlichen Feinstaubs Deutschlands und 15,5 % dessen, was die Autos für sich schon herausbefördern.

Wenn man Glück hat und am ersten Tag des neuen Jahres ein kräftiger Wind weht, besteht die Möglichkeit, dass die Schadstoffe schneller verteilt werden und die „dicke Luft“ so gut wie sofort abschwächt. Bleibt jedoch der Wind aus, halten sich die Schadstoffe länger in der Umwelt und richten dementsprechend auch mehr Schäden an.

Circa 3000 Beschäftige arbeiten in Deutschland in der pyrotechnischen Industrie.

Dazu kommt noch das viele Plastik, das von den Böllern übrig bleibt. Oft hinterlassen die Menschen einfach die Plastikverpackungen der Knallkörper auf den Böden in Städten, auf dem Land, überall. Auch die Überreste der explodierten Exemplare werden liegen gelassen. In Städten wie Bremen fuhr oft auch schon um vier Uhr morgens am 1. Januar ein Reinigungsfahrzeug durch die Straßen – dennoch bleibt weitaus zu viel Plastikmüll liegen – alleine in den fünf größten Städten blieben 191 Tonnen zurück. Dieser Müll wird oft auch von Regen weggewaschen und gelangt so in Böden und Gewässer hinein.

Neben der Umwelt selbst leiden auch die Tiere unter den Silvesterfeuerwerken.  Haustiere wie Katzen und Hunde werden von den lauten, für sie ungewohnten Geräuschen stark verängstigt und verkriechen sich oft innerhalb des Hauses, um Schutz zu finden. Sie sind oft extrem gestresst zu den Zeiten der Knaller, weswegen den Menschen auch geraten wird, mit ihren Hunden auch in den Tagen vor Silvester nur noch rauszugehen, wenn man sie auch anleint, da es ja immer Leute gibt, die schon vorzeitig Böller anzünden. Dazu soll man am Silvesterabend die Tiere hinter verschlossenen Türen und Fenster behalten, am besten auch noch mit Vorhängen.

Silvester bedeutet für viele Haus- und Wildtiere Stress und Panik. Gerade Vögel überleben häufig diese Strapazen nicht und sterben an den Folgen. (Quelle: pixabay / gemeinfrei)

Für Wildtiere ist die ganze Sache jedoch noch schlimmer. Vögel werden zum Teil so sehr gestresst, dass sie hoch in den Himmel fliegen, um zu fliehen und dabei können sie eine Höhe von 1000 Metern erreichen. Dies erfordert einen extremen Energieaufwand und führt nicht selten dazu, dass die Vögel vor lauter Anstrengung sterben. Rehe werden aufgeschreckt und sprinten mehr über die Straßen, als sie es sonst schon tun. Selbst Igel sind in Gefahr, da sie beim Schlaf durch das Zusammenzucken wegen der lauten Knalle wichtige Energie verbrauchen, die sie zum Überwintern benötigen.

Die bereits erwähnten, von Menschen zurückgelassenen Plastikteile, werden in vielen Fällen von Tieren für Futter gehalten, weswegen sie diese fressen und weiteren Schaden nehmen.

Doch auch für die Gesundheit der Menschen sind die Böller beeinträchtigend. Der thematisierte Feinstaub ist besonders für Menschen gefährlich, die an einer Lungen- oder Herz-Kreislauf-Krankheit leiden, da der Staub in die Atemwege eindringt und ihnen Beschwerden einbringt. Ganz besonders gilt dies für Asthmatiker und Allergiker. 

Jedoch können die Partikel bei allen Menschen in den Körper dringen, sehr kleine kommen sogar auch ins Blut, und können somit ernstzunehmenden Schaden anrichten. Dennoch ist das keine so extreme Gefahr wie die Explosionen der Böller selbst: 8000 Menschen erlitten jährlich Verletzungen des Innenohres durch den Silvesterkrach. Dazu kommen Verbrennungen und Augenverletzungen, unter Umständen auch Verluste von Fingern oder ganzen Händen durch das Explodieren der Knaller.

Jedes Jahr verursachen Feuerwerkskörper schwere Verletzungen. Insbesondere Augen, Ohren und Hände sind betroffen. Besonders gefährlich sind nicht zugelassene Feuerwerksartikel, häufig auch als “Polen-Böller” bezeichnet, weil sie aus dem Ausland stammen. (Quelle: pixabay / gemeinfrei)

Außerdem sorgen die lauten Knalle oft dafür, dass Menschen, die an psychischen Krankheiten wie PTBS, also einer Post-Traumatischen-Belastungs-Störung, oder etwa einer Angststörung leiden, eine extrem schwere Zeit durchmachen, genau wie auch die Tiere, auf die noch zu sprechen kommen wird.

Besonders aber für Jugendliche und auch Kinder, die an Böller kommen und sie anzünden dürfen, ist es gefährlich; sie werden schneller leichtsinnig und passen bei den Böllern nicht unbedingt so sehr auf, wie sie sollten.

Während für die jungen Menschen eine größere Gefahr besteht, gilt diese auch für sehr alte Gebäude. Oft besteht für historische Bauten die Möglichkeit, dass sie von einem Böller schwer beschädigt werden, in Brand geraten und im schlimmsten Fall auch ganz zusammenbrechen. Dies gilt vor allem für alte Fachwerkhäuser, die mit viel Holz gebaut wurden oder mit Reet gedeckt sind. Zum Glück gibt es aber auch sehr stabile, historische Gebäude, die einem solchen Knaller standhalten. Ein Grund für ein Verbot bleibt es trotzdem. 

Inkrafttreten des Verbots

Aachen, Erfurt, Berlin, Braunschweig, München, Hannover, Köln; in diesen und noch 31 weiteren deutschen Städten wird die Nutzung von Böllern bereits durch das Verbot weitestgehend eingeschränkt. In den allermeisten Fällen sind Böller in den Altstädten verboten sowie in der Innenstadt bei Großstädten wie beispielsweise Berlin, um das Chaos und die hohe Gefahrenrate zu vermeiden.

Ebenfalls werden die Knaller in Fußgängerzonen und nahe von historischen Bauten, die nicht unbedingt in der Altstadt liegen, aus dem Verkehr gezogen.

So wird in Köln der Dom geschützt, in Stuttgart der Schlossplatz, in Berlin das Brandenburger Tor und viele weitere Gebäude und Plätze dieser Art.

Ganz drastisch geht es auf einigen Inseln zu, da dort die Umweltverschmutzung am fatalsten wäre, mit dem Meer im Umkreis; Sylt und Amrum haben die Silvesterböller ohne Ausnahmen verboten, auf Föhr ist es nur beim Strand und mit Abstand von 200 Metern zu den Häusern erlaubt. Auf den Inseln Darß, Hiddensee und Rügen in Mecklenburg-Vorpommern ist es in den Orten ebenfalls vollständig untersagt.

Doch es gibt genauso auch Gegenden, in denen das Verbieten noch nicht wirklich durchgesetzt wird: Die kleineren Ortschaften und Städte, sowie generell der ländliche Teil Deutschlands.

Dennoch wird es auch für diese Leute schwer, an die Böller zu gelangen: Viele deutsche Konzerne ziehen sich aus der Produktion und Vermarktung der Feuerwerkskörper heraus. Einige Edeka-Filialen weigern sich schon dieses Jahr, um den Tieren das Leid zu ersparen, Baumärkte finden überall in Deutschland Gefallen daran, sie aus dem Sortiment zu streichen, sogar große Konzerne wie OBI oder Hornbach bieten sie dieses Jahr gar nicht mehr oder zum letzten Mal an.

In anderen europäischen Ländern sieht es ebenfalls langsam besser aus.

Beispielsweise wurde in Großbritannien 2004 festgelegt, dass man 18 sein muss, um überhaupt irgendein Feuerwerk besitzen zu dürfen. Noch drastischer – in Irland sind nur Feuerwerkskörper erlaubt, die auf der Stufe F1 sind, also Exemplare wie Wunderkerzen oder ein kleines Tischfeuerwerk.

Schweden verbat 2002 Knallkörper und 2014 auch die großen Raketen. Für Böller braucht man dort seit 2019 auch eine Sondergenehmigung bevor man sie besitzen darf.

Beim Kauf von Silvester-Artikeln sollte man unbedingt auf das CE-Kennzeichen und die sogenannten BAM-Nummer achten. Weitere Informationen zum Thema Sicherheit an Silvester gibt es bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. (Quelle: BAM)

In Dänemark müssen die Knaller, genau wie in Deutschland, das CE-Zeichen, das sie als getestet und genehmigt kennzeichnet tragen, sonst gelten sie als illegal; außerdem steht es den einzelnen Kommunen frei, die Feuerwerkskörper jederzeit vollständig zu verbieten. Genauso wie in Großbritannien ist es auch in Dänemark und Frankreich, wo auch vielerorts private Feuerwerke verboten sind, dass man 18 sein muss um Knaller überhaupt besitzen zu dürfen.

Mögliche Entwicklungen

All dies zeigt eine beruhigende Entwicklung in Richtung eines Böllerverbots. Verglichen war letztes Jahr war vor allem in Frankreich und Großbritannien das Gesetz nicht so streng wie jetzt. Dies deutet darauf hin, dass womöglich die Umwelt zumindest etwas in den großen Problemzonen von Silvesterschäden befreit sein kann und auch die Tiere nicht allzu terrorisiert werden. Gerade für Jugendliche wird dann auch die Unfallrate sinken. Silvester wird dadurch wohl oder übel leiser und weniger bunt, aber eben auch weniger gefährlich und unangenehm für diejenigen, die eben empfindlicher auf die Lautstärke reagieren.

Das Verbot wird sich sehr wahrscheinlich in den nächsten Jahren auch auf die ländlichen Teile Deutschlands übertragen, sowie auch auf weitere Länder, besonders in Europa. So wie auch in Frankreich, wenn man 2018 mit 2019 vergleicht, wird das Gesetz immer weiter verschärft werden.

Wie weit das Verbot jedoch gehen kann und ob es vielleicht sogar irgendwann komplett durchgesetzt wird, lässt sich dann in den nächsten Jahren sehen.

Titelbild: Till Frers Photography (Quelle: pixabay / gemeinfrei)

Text und Recherche: Jara-Sofie Wilms

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