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Besuch vom anderen Ende der Welt

Für Austauschschülerin Ada Laster aus Tasmanien war das LSG in den vergangenen fünf Monaten das zweite Zuhause. Kurz vor ihrem Rückflug in die australische Heimat gab uns Ada ein Interview und berichtete von ihren Eindrücken und Erfahrungen, die sie in Deutschland sammeln konnte.

laurentinews.de: Was hat dich anfänglich dazu bewegt, Deutschland für deinen Austausch auszuwählen?

Ada: Ich finde, dass Deutsch eine ziemlich coole Sprache ist und ich dachte mir, dass Deutschland sehr interessant sei, da es ja nun mal von Grund auf anders ist als Australien z.B. in Bezug auf die Kultur oder die Geschichte.

Konntest du dir genau aussuchen, wo du in Deutschland deinen Austausch machen wolltest?

Nein, zusammen mit meiner Reiseorganisation habe ich nur das Land ausgewählt, aber wo genau ich dann hinkommen würde, hat dann die Organisation bestimmt. Ich fand das auch ehrlich gesagt ganz gut, da ich es selbst viel zu schwierig finden würde, das selbst aussuchen zu müssen, da ich nicht unbedingt in die großen Städte wie München oder Berlin wollte. Ich denke, dass das auch einfach nicht typisch Deutschland gewesen wäre.

Hättest du es denn eventuell schöner gefunden, in die hügeligen Gegenden Deutschlands zu kommen?

In meinen Herbstferien war ich bereits in Süddeutschland und fand es dort wirklich sehr schön. Von zuhause bin ich es natürlich mehr gewohnt, in einer hügeligen Gegend zu wohnen, da auch meine Heimatstadt Hobart neben einem großen Berg liegt. Aber im Endeffekt ist es auch egal, es sind schließlich nur Hügel (lacht). Ich schaff es auch gut ohne Berge und Hügel für sechs Monate irgendwo zu leben.

Viele glauben, dass Deutschland vor allem im Ausland zuerst mit der Zeit des Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird. Hattest du diesbezüglich irgendwelche Vorurteile?

Über die Geschichte Deutschlands haben wir im Geschichtsunterricht natürlich auch gesprochen und wenn man in anderen Ländern Deutschland erwähnt, wird es relativ schnell mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht. Jedoch so wie ich es hier erlebt habe, denkt keiner so in diese Richtung oder auf diese Weise.

Was war dein erster Eindruck, als du hier ankamst?

Als erstes ist mir aufgefallen, dass hier alles so flach ist (lacht). Von zuhause kenn ich es natürlich eher so, dass es sehr hügelig ist. In Australien gibt es viele große Berge. Und auch die Häuser sehen hier fast alle gleich aus, wohingegen in Australien so ziemlich jedes Haus komplett anders aussieht. Aber die Leute hier sind sehr nett und so habe ich mich gleich willkommen gefühlt. Lediglich mit der deutschen Sprache klarzukommen, hat mir anfangs Schwierigkeiten bereitet.

Was ist besonders schwierig an der deutschen Sprache?

Deutsch ist eine wirklich schöne Sprache und es gibt durchaus Gemeinsamkeiten zwischen Englisch und Deutsch, doch dann sind sie auch wieder sehr verschieden. Die deutsche Grammatik finde ich sehr kompliziert und ich verstehe sie auch jetzt noch nicht vollkommen (lacht). Aber ich finde, dass sich Deutsch gut verstehen lässt, viel besser als z.B. Französisch.

Zurzeit schneit es draußen. Fasziniert dich der Schnee? In Australien gibt es ja so gut wie keinen.

Ja, ich finde den Schnee wirklich schön. Bei uns gibt es ihn auch nur hoch auf den Bergen aber nie unten in den Städten. Ich hab mich auch immer gefragt „Wie können die Leute hier nur leben, wenn es hier so kalt ist?“ aber jetzt hab ich es ja selbst rausfinden können (lacht). Ich finde es allerdings wirklich schwierig, dass es hier im Winter immer so dunkel ist. Mir fehlt die Sonne, denn bei uns zuhause ist es im Winter immer um die 8-15°C und die Sonne scheint viel länger, egal wie kalt es ist.

Der Sommer bei uns war im letzten Jahr ja auch nicht besonders warm!

Ja, ich war manchmal schon ein wenig neidisch, da ich auf Facebook immer die ganzen Bilder meiner Freunde gesehen habe, wie sie alle am Strand in der Sonne liegen. Hin und wieder hätt ich das auch gerne gehabt (lacht). Allerdings fand ich es sehr schön Weihnachten hier im Winter zu verbringen. Es ist eine sehr schöne Atmosphäre, wenn es so kalt und dunkel ist. Zuhause ist Weihnachten deswegen fast nie was Besonderes, da in der Wärme keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen will.

Gibt es denn neben dem Wetter noch andere relevante Unterschiede zwischen Deutschland und Australien oder kannst du sogar gewisse Sachen nennen, die vergleichbar sind?

Was natürlich direkt auffällt ist, dass Australien um ein Vielfaches größer ist als Deutschland, gleichzeitig jedoch viel weniger Einwohner hat. So kommt es, dass man aus einer Stadt herausfährt und erstmal für zwei Stunden nichts als Landschaft sieht. Wenn man hier Auto fährt, scheint es, als seien die Häuser förmlich aneinander gereiht. Auch die Bevölkerung ist in Australien, bedingt durch die vielen Einwanderer, sehr gemischt, sodass sehr viele verschiedene Leute mit verschiedenen eigenen Kulturen dort leben. Viele Australier haben deshalb sehr interessante Familiengeschichten. Auch ich habe italienische und irische Vorfahren.

Was ist besser oder schlechter im Vergleich zwischen Deutschland und Australien?

Ich finde das Schulsystem in Deutschland sehr bemerkenswert. In Australien gibt es nur „Gesamtschulen“ und kein dreigliedriges Schulsystem. Mir gefällt am Gymnasium, dass sozusagen jeder Schüler Bestandteil des Unterrichts ist, anders als zuhause, wo vielleicht 3-4 Leute die ganze Stunde über reden. Ich finde es jedoch schwierig, dass man in der 11. Klasse durch die Wahl der Kurse quasi schon Entscheidungen für sein ganzes weiteres Leben machen muss. Und ich finde es problematisch, dass man als Haupt- und Realschüler wahrscheinlich nicht so gute berufliche Perspektiven hat im späteren Leben.

Könntest du anderen Schülern einen Austausch bzw. generell einen Besuch im Ausland empfehlen?

Ja, auf jeden Fall kann ich das empfehlen. Ich denke, dass es auch wirklich wichtig ist, dass man das mal gemacht hat, da man einfach so unfassbar viel über die ganzen Menschen und die Kulturen der verschiedenen Länder lernen kann. Aber auch über sich selbst kann man eine Menge lernen. Ich finde es sehr wichtig, eine Zweitsprache zu beherrschen. Ich denke jeder sollte eine Zweitsprache haben.

Auch ich war selbst mal im Ausland für eine kurze Zeit. Es ist gar nicht so einfach, auf einmal komplett auf sich alleine gestellt zu sein, so ganz ohne Eltern.

Ja, genau. Ich vermisse meine Familie mittlerweile wirklich sehr. Anfangs dachte ich noch, ich wäre dazu in der Lage nun auch ohne meine Eltern leben zu können. Aber schnell wurde mir klar, dass das für mich nicht ganz möglich ist.

Nun, nach allem was du hier erleben konntest und erfahren hast, würdest du noch einmal wiederkommen wollen?

Ja, bestimmt würde ich noch einmal wiederkommen, allerdings habe ich noch viele weitere Pläne für andere Länder und andere Sprachen, die ich gerne kennenlernen will. Asien und besonders Japan interessieren mich, aber auch die Länder des Mittelmeerraumes oder die Karibik und Costa Rica finde ich toll. Ich würde auch gerne Spanisch lernen.

Wenn du nun auf deine Zeit hier zurückblickst, welche Erfahrungen und Erlebnisse kannst du für dich wieder mit nach Hause nehmen?

Oh, sehr viele! Ich habe hier wirklich einiges erlebt und gemacht. Ich habe hier viele neue Freunde und Freundinnen finden können, sodass ich nun fast auf der ganzen Welt Freunde habe.

 

Das Interview führten Fee Geesen und Yannik Hinz.

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