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Bchutsabnesalat oder: Wozu braucht man Rechtschreibung?

Wie srtak draf man Wröter vrdereehn, dmait man eienn Txet ncoh vtsheert?
Je krüezr das Wort, desto eniachfer etnzffiert man es.
Wreedn ldeigilch bneabcharte Bchusabten vredhert, elreitchert es das Leesn. Vretasucht man acuh die estern und leettzn nuhsacbeBt, snid die Wrtöer mesit gar nihct mher zu ekrenenn.

Es ist schon faszinierend, dass man scheinbar ohne große Mühe Texte flüssig lesen kann, obwohl die Buchstaben der einzelnen Worte vollkommen verdreht sind. Doch bedeutet das nicht, dass Rechtschreibung damit überflüssig wird? Vorbei also die Zeiten, in denen pingelige Deutschlehrer ihre Schüler mit Diktaten quälten?

Nein. Denn der obere Text ist nur deshalb lesbar, weil es sich dabei um sehr bekannte Wörter handelt, die man sehr häufig liest. Ein geübter Leser liest nämlich nicht mehr jeden Buchstaben einzeln, wie es vielleicht ein Leseanfänger macht, sondern er erkennt das Wort und seine Bedeutung auf den ersten Blick. Unser Gehirn ist darauf trainiert Muster wiederzuerkennen und erinnert sich deshalb an bereits bekannte Wörter und ihre Buchstaben.

Das Wortmuster allein reicht jedoch auch nicht aus, um einen Text wie oben flüssig lesen zu können. Erst durch eine typische Satzstruktur und unser Wissen über Grammatik wird er lesbar. Wird ein Wort aus dem Sinnzusammenhang gerissen, wird es viel schwieriger, den Sinn zu erraten: Bisepeil*1.

Eine weitere Schwierigkeit sind zusammengesetzte Wörter. Da man im Deutschen fast beliebig viele Wörter aneinanderfügen kann, entstehen dadurch neue Wörter, die man vielleicht noch nie vorher gesehen hat. Werden diese Wörter dann durcheinander gewürfelt, wird es sehr schwierig, diese zu entschlüsseln: Saanerrenuspbrtßg*2. Man kann sagen: Je länger ein Wort wird und je seltener man es liest, desto schwieriger wird seine Entschlüsselung. So wird man z.B. einen Fachtext mit vielen unbekannten Fachwörter kaum noch lesen können:
Für die Fuiselniuqrndeatg im kasoiehnncn Fumriamolss bzntuet man den Hoitmlan-Fmiumsrlaos der kahlisesscn Mhineack. Man onrdet debai jeedm Fled ein ksninoach knugrotejeis Fled alnaog dem kacsihnoenn Ipmuls zu*3.
Jemand, der sich im Bereich der Quantenfeldtheorie gut auskennt, wird die beiden letzten Sätze wahrscheinlich gut lesen können, die meisten anderen Leser werden aus ihm keinen sinnvollen Satz entziffern können. Es kommt also auf die Geübtheit des Lesers, sein Leseverständnis, auf die Wortlänge, auf das Satzgefüge und vor allem darauf an, ob man die einzelnen Worte bereits kennt.

Doch zum Schluss noch einmal zurück zur Ausgangsfrage. Genau betrachtet hat der verwürfelte Text wenig mit Rechtschreibung zu tun, denn die verdrehten

Obwohl es nur Punkte sind: Hier schnüffelt ein Hund

Wörter sind ja eigentlich richtig geschrieben. Sobald man die Wörter nicht nur verdreht, sondern wirklich falsch schreibt, wird es deutlich schwieriger, den Inhalt zu entschlüsseln:
Je kezürhr das Wrot, dtsseo eicnhaevr erenzdfit mnan es*4. In sich verdrehte, einfache Wörter lassen sich also durchaus leicht lesen, wenn sie denn ansonsten richtig geschrieben sind.

Der am Anfang des Artikels stehende Text ist also kein Beweis für die Überflüssigkeit von Rechtschreibung, sondern ein Beleg für die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, sich oft gesehene Muster und Strukturen gut einprägen zu können. Tippfehler in einem Text sind also eigentlich kein Zeichen für schlechte Rechtschreibkenntnisse: Je geübter ein Leser ist, desto häufiger wird er seine eigenen Tippfehler übersehen. Unser Gehirn erkennt Muster und Strukturen übrigens nicht nur bei Wörtern. Auf dem rechten Bild sind eigentlich nur schwarze Punkte und Flecke dargestellt. Unser Gehirn erstellt aber aus diesen scheinbar wahllosen Flecken einen schnüffelnden Hund, da es bereits gesehene und bekannte Dinge mit dem Muster des Bildes abgleicht.

Linktipp: Wer sich selber einen verdrehten Text herstellen möchte, kann das sehr einfach auf der folgenden Homepage machen: http://www.buchstaben-vertauschen.de/

*1Beispiel
*2 Straßenabsperrung
*3
Für die Feldquantisierung im kanonischen Formalismus benutzt man den Hamilton-Formalismus der klassischen Mechanik. Man ordnet dabei jedem Feld ein kanonisch konjugiertes Feld analog dem kanonischen Impuls zu.
*4 Je kührzer das Wort, dessto einvacher endzifert mann es.


2 Kommentare

  1. Was ist denn die Lösung für das Wort *2?

    • Straßenabsperrung 🙂

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