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Keine Smarties – die “Pille danach”

Kondom gerissen oder gar nicht verhütet? Die Notlösung ist oft die „Pille danach“, die nun auch in Deutschland seit Mitte März rezeptfrei in Apotheken erhältlich ist. Doch was ist die “Pille danach” überhaupt und was spricht für und gegen die Rezeptfreiheit?

Die „Pille danach“ verhindert eine ungewollte Schwangerschaft, indem sie den Eisprung verzögert. Sie ist also keine Abtreibungspille, da sie ein bereits eingenistetes Ei nicht schädigt. Je schneller man diese Pille nach dem Geschlechtsverkehr einnimmt, desto größer ist die Chance, dass sie wirkt. Bis 24 Stunden nach so einem Verhütungs-Debakel kann sie mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Schwangerschaft verhindern, danach sinkt die Quote deutlich. 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr wirkt die „Pille danach“ gar nicht mehr. Neben dem Faktor Zeit spielt auch das Gewicht der Frau eine Rolle. Je höher der BMI-Wert ist, desto stärker nimmt die Wirksamkeit der “Pille” danach ab. Die “Pille danach” beeinträchtigt nicht die zukünftige Fruchtbarkeit, ihre Wirkung ist also nicht prophylaktisch. Bei erneutem Geschlechtsverkehr nach der Einnahme muss also wieder völlig normal verhütet werden.

Die „Pille danach“ beinhaltet in geringer Dosierung das Sexualhormon Levonorgestrel. Nebenwirkungen sind deshalb eher schwach ausgeprägt und können innerhalb der ersten 2-3 Tage nach der Einnahme auftreten. Mögliche Nebenwirkungen sind Druck auf der Brust, Zwischenblutungen, aber auch Kopf- oder Bauchschmerzen, in manchen Fällen auch Schwindel und Erbrechen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO kam bereits im Jahr 2010 zu der Einschätzung, dass die Pille danach auch von jungen Frauen ohne ärztliche Beratung eingenommen werden kann.

Doch warum ist die rezeptfreie Ausgabe der “Pille danach” so umstritten? Die Gegner befürchten einen leichtfertigen Umgang mit der „Pille danach“, wenn sie jetzt rezeptfrei erhältlich ist. Ihrer Meinung nach sinkt die Hemmschwelle für ungeschützten Sex, weil man ja anschließend problemlos auf ein Medikament zurückgreifen kann. Frauen wären sich der Nebenwirkungen nicht bewusst, daher wäre eine ausführliche ärztliche Beratung empfehlenswert. Letztendlich könnte nur ein Arzt darüber entscheiden, ob und welche Form der Notfallverhütung angebracht sei. Die Gegner denken, dass eine bessere Aufklärung und Beratung ungewollte Schwangerschaften und somit auch die fahrlässige Einnahme der „Pille danach“ verringern könnte. Ohnehin sei ungeschützter Geschlechtsverkehr gefährlich, da man sich mit Geschlechtskrankheiten und HIV anstecken kann.

Die Befürworter sehen keine medizinischen Gefahren. Ihrer Meinung nach zählt jede Sekunde, insbesondere an Wochenenden oder Feiertagen, wenn kein Frauenarzt erreichbar ist. Gerade für Minderjährige, die auf dem Land leben, sei es beispielsweise schwer, einen Arzt aufzusuchen, weil sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Es komme auch vor, dass sie sich niemanden anvertrauen, weil sie Angst vor dem Arztbesuch oder den Eltern haben. Somit ist es einfacher und schneller in die Apotheke zu gehen. Auch dort gibt es eine Beratung durch kompetente Mitarbeiter. Zudem gibt es bislang keine bekannten Fälle von Vergiftungserscheinungen. Zumal es bei einem Preis von ca. 17 Euro pro Pille sehr unwahrscheinlich ist, dass ein Mädchen eine Überdosis einnimmt.
Zudem verwiesen die Befürworter auf Zahlen aus den Nachbarländern wie Frankreich, England, Schweden und die Schweiz, in denen es die “Pille danach” schon längere Zeit rezeptfrei gibt, ohne dass dadurch die Anwendung normaler Verhütungsmittel zurückgegangen wäre.

Trotz der Rezeptfreiheit wird es die „Pille danach“ auch weiterhin nicht in Online-Apotheken zu kaufen geben. Da die “Pille danach” grundsätzlich nur im Bedarfsfall und nur bei fachkundiger Beratung ausgehändigt werden solle, würde die Bestellung auf Vorrat diesen Kriterien widersprechen.

Manche Menschen sind offenbar der Meinung, dass der freie Zugang zur „Pille danach“  für viele Jugendliche eine Animation zu wildem und ungeschütztem Sex darstellt. Internationale Studien belegen aber, dass dies nicht der Fall ist. Tatsache ist: Wenn die „Pille danach“ einfach zugänglich ist und es genügend Aufklärung und Wissen über ihre Wirkungsweise gibt, dann reduziert sich die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche.
Dennoch liegt der Schlüssel für die Vermeidung ungewollter Schwangerschaften in einer guten Sexualaufklärung. Wer sicher im Umgang mit den verschiedenen Verhütungsmethoden ist, der braucht auch keine „Pille danach“.

Titelbild: Quelle: flickr.com / See-ming Lee

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