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Die vergessenen Helden von Tschernobyl

Der GAU von Tschernobyl ist das verheerendste nukleare Unglück der 80er Jahre. Jedoch wird von russischer und ukrainischer Seite immer noch versucht, die vollen Auswirkungen der Katastrophe zu verdecken und zu verharmlosen. Es ist also stets gut, etwas Licht in das übrige Dunkel zu bringen und an die Menschen zu erinnern, die noch Schlimmeres verhinderten.

Was löste den Unfall aus?

Zunächst bestand das Kernkraftwerk aus vier Blöcken, die für sich alle gut funktionierten – die Ursache, die dann jedoch diesen Ablauf störte, ist bis heute nicht ganz geklärt, auch wenn stark vermutet wird, dass es an einem schicksalshaften Zusammentreffen aus menschlichem Versagen und fehlerhafter beziehungsweise nicht weit genug entwickelter Technik lag; seine Wurzeln hatte die Katastrophe am 25. April 1986, als an diesem Tag in Block 4 ein Test durchgeführt werden sollte, um zu sehen, ob die Rotationsenergie, die durch die Turbinen gewonnen wurde, ausreichte, um die Kühlwasserpumpen bei Stromausfall so lange mit dem benötigten Strom zu versorgen, bis das reguläre Notfallsystem angelaufen sein würde. Geplant war, um 13 Uhr am gleichen Tag den Reaktor auf 25% seiner normalen Leistung zu reduzieren, doch der Testvorgang wurde um 14 Uhr unterbrochen, da von Kiew Strom angefordert wurde. Die für den Testvorgang abgeschalteten Notkühlsysteme blieben auch nach Abbruch des Testes durch die Anforderung aus Kiew stillgelegt.

Um 23 Uhr wurde der Test wieder aufgenommen, allerdings nach einem Schichtwechsel, also mit ganz anderem Personal als bei dem Testversuch zuvor. Das Ziel war nach wie vor, den Reaktor auf 25% seiner Leistung herunterzufahren, um die Rotationsenergie der Turbinen auf die Probe zu stellen.

Die Lage des Atomkraftwerks Tschernobyl in der heutigen Ukraine
(Bildquelle: wikipedia.de / Holek / CC BY-SA 2.5 pl)

Um 0:28, jetzt am 26. April, fällt die Leistung des Reaktors zunächst, aus bis heute noch unerklärlichen Gründen, auf einen Prozent, anstatt auf die geplanten 25. An dem Punkt hätte eine Abschaltung des Reaktors folgen müssen, da er ab einer Leistung unter 20% nicht mehr ausreichend kontrollierbar ist, doch anstelle dessen wurden die Steuerstäbe, die zur Regelung einer solchen Abschaltung des Reaktorkerns notwendig waren, herausgefahren, um die Leistung wieder zu erhöhen.

In gewissen Maßen hatte dieses Vorhaben seinen Erfolg, auch wenn der Reaktor eine halbe Stunde später mit den erreichten 7% immer noch weit unter dem Kontrollierbaren lag. Etliche Sicherheitssysteme und die Hälfte der Kühlwasserpumpen waren immer noch abgestellt. Zusammen mit dem Mangel an Steuerstäben im Kern sorgte es dafür, dass sich um 1:23, kurz nach Testbeginn, das Kühlmittel nach Schließen der Turbinenschnellschlussventile, was bedeutet, dass die Dampfzufuhr zu den Turbinen getrennt und dazu meist der Generator selber vom Netz abgetrennt wird, erwärmte. Gerade mal 36 Sekunden nach Testbeginn versuchte der Schichtleiter, die Situation mit einer Notabschaltung zu retten. Diese beinhaltete jedoch das, was letztendlich das Schicksal des Reaktors besiegelte; das Einfahren der Steuerstäbe.

Der Unfall

Es war ein ungeklärter Konstruktionsfehler, durch den Graphitelemente an den Steuerstäben hafteten, die dann durch das Einfahren in den bereits instabilen Kern gelangten und eine verheerende Kettenreaktion auslösten. Die Leistung stieg innerhalb von Sekunden drastisch an, sie erreichte das 100-fache ihres normalen Werts. Die Druckröhren barsten bei der enormen Hitze, die daraus entstand und Teile des Brennstoffes wurden in winzige Stücke zerrissen. Als nach all dem das Kühlwasser schlagartig verdampfte, kam es im Abstand von wenigen Sekunden zu zwei Explosionen, die das Dach des Reaktorgebäudes sprengten. Durch die unfreiwillige Luftzuführung geriet das Graphit nun in Brand und der daraus resultierende Rauch trug riesige Mengen von radioaktiven Staub viele Kilometer hoch in die Umwelt.

Das Ende dieser Kettenreaktion besiegelte dann die Zerstörung des Reaktorkerns, die im Laufe des Rauchaufstiegs stattgefunden hatte.

Direkt wurde versucht, den Brand zu stoppen, doch nur die kleineren Brände außerhalb des Reaktorgebäudes konnten um 5 Uhr nachts endgültig gelöscht werden, während der Versuch, den brennenden Reaktor mit Wasser zu kühlen, fehlschlug. Stattdessen kam noch mehr Strahlung in Form von kontaminiertem Wasser an die Außenwelt.

Bereits um diese Zeit, in der sie gerade einmal die äußeren Brände unter Kontrolle kriegen konnten, hatte die Strahlung im drei Kilometer von der Katastrophe entferntem Pripjat bereits das 600.000-fache des normalen Wertes erreicht und stieg auch weiterhin noch gnadenlos an.

Der Tag danach

Am ersten Tag nach dem Unfall waren alle anderen drei Blocks zur Sicherheit abgestellt, während 2700 Busse eingesetzt wurden, um die Bewohner von Pripjat zu evakuieren. Nach dem misslungenen Versuch, das Innere des Reaktors mit Wasser zu löschen, wurde versucht, die Flammen zu ersticken, etwa durch Sand, Blei, Lehm, Dolomit und Borcarbid, welche alle aus insgesamt 80 Hubschraubern in den Reaktor hineingeworfen wurden.

Die Reaktoren Nr. 3 und 4 nach der Katastrophe
(Bildquelle: wikipedia.com / fair use)

Wie auch beim Versuch mit dem Wasser endete es darin, das genau das Gegenteil von dem Erhofften eintrat – die Temperatur stieg an, sodass letztendlich sogar in 200 Metern Höhe eine Hitze von 180°C herrschte.

Die radioaktive Strahlung stieg nach diesen Versuchen ins Unmessbare.

Trotz dessen wusste am ersten Tag nach dem Super-GAU niemand, was passiert war – weder die Einwohner der heutigen Ukraine, die Bewohner von Pripjat, die evakuiert wurden, ausgeschlossen, noch der Rest Europas. Es wurde alles so geregelt, dass kein Aufsehen um den brennenden Reaktor gemacht wurde, nur die Feuerwehrabteilung, die kurz nach den Explosionen angerufen wurde, wusste Bescheid.

Schweden alarmiert Europa

Diese Regelung hätte wohl auch weiter erfolgreich angehalten, hätte es diesen speziellen Vorfall in Schweden nicht gegeben: Früh am Morgen des 28. Aprils ging ein Alarm im zweitgrößten Kernkraftwerk Schwedens, welches in Forsmark, nördlich von Stockholm, liegt, los, während ein Angestellter einen der Strahlungsdetektoren im Gebäude passierte. Es wurde festgestellt, dass seine Schuhe eine ungewöhnlich hohe Radioaktivität aufwiesen, wodurch sofort klar war, dass irgendwo radioaktives Material freigesetzt wurde.

Logischerweise suchten die Schweden erst bei ihrem eigenen Kraftwerk, ob sie eine zusätzliche Freisetzung von radioaktiven Materialien finden konnten, doch dies trat nicht ein.

Beunruhigt setzten sie ihre Suche nach dem Auslöser fort und fanden letztendlich radioaktive Partikel im Gras, die sich dort nach dem Rauchausstoß in Tschernobyl abgesetzt hatten. Dank dieser Partikel konnten die Forscher herausfinden, von wo die Radioaktivität kam. Die Schweden verfolgten die Richtung, aus der der Wind an diesen Tagen seinen Ursprung hatte, und deuteten – mit Erfolg – auf das 1.100 Kilometer entfernte Tschernobyl.

Schnell alarmierten die Forscher die schwedischen Behörden, welche dann den Rest von Europa in die Katastrophe einweihten.

Lediglich nach dieser Offenbarung, die es unmöglich machte, alles zu verdecken, wurde im sowjetischen Fernsehen angesprochen, dass etwas im Kernkraftwerk Tschernobyl schiefgelaufen war – doch sie versicherten der Bevölkerung, so wie die Zeitungen es auch taten, dass die Strahlung nach wie vor im normalen Bereich liege. Gesteuert war die Geheimnistuerei von der Regierung, die diese Berichte schreiben ließ.

Demnach lebten die Menschen einfach so weiter, wie normal, obwohl sie hoher Radioaktivität ausgesetzt wurden, da sie es einfach nicht besser wussten, während Europa sich wissend für das Kommende wappnete.

Bereits am Tag nach der Alarmierung durch die schwedischen Forscher erreichte die radioaktive Wolke Deutschland und Frankreich. Radioaktiver Regen fiel in den folgenden Tagen über den ganzen Westen und die Mitte von Europa.

Erster Verdacht, dass es sich doch um etwas Verheerenderes handelte, wurde dennoch unter den Bewohnern der Sowjetunion geschöpft, als das Militär Menschen einzog, die ohne richtige Schutzkleidung nach Tschernobyl geschickt wurden, um unter anderem dort den Reaktor mit Wasser auszuwaschen. Diese eingezogenen Menschen waren die Liquidatoren, deren schweres Leid sich über mehrere Monate erstrecken sollte. 

Das Schicksal der Liquidatoren

Zunächst wurden Techniker des Atomkraftwerks und Feuerwehrleute der Strahlung ausgesetzt, mit der Aufgabe, den Reaktor zu reinigen, den immer noch fortlaufenden Brand des Kerns zu löschen und das Gelände drumherum aufzuräumen. Später kamen Ingenieure, Facharbeiter und Soldaten dazu, die allesamt von verschiedensten Gegenden der Sowjetunion eingezogen wurden, um die Katastrophe unter Kontrolle zu bringen. Zusammen brachten sie es auf eine Zahl von 600.000 bis 800.000 Liquidatoren, die ihr Leben riskierten, wissend oder unwissend, welchem Unheil sie sich wirklich aussetzten, um größere Schäden für die Menschen der umliegenden Länder und der Sowjetunion einzudämmen.

Sie wurden mit unzureichender Ausrüstung, die aus Schutzbekleidung, gemacht mit einfachem, wasserdichten Stoff und Gummistiefeln bestand. Dazu gab es dann ein „Blättchen“, eine aus Mull, einem leichten und weitmaschigem Gewebe aus Baumwolle, gemachte Atemmaske, die mit Glasfaser überzogen wurde.

Die Fotos der verstorbene Liquidatoren von Tschernobyl bei einer Anti-Atomkraft-Demonstration in Genf. (Bildquelle: wikipedia.com / MHM55 / CC BY-SA 4.0 )
Medaille für die Liquidatoren
(Bildquelle: wikipedia.de / Lamiot / CC BY-SA 2.5)

Dies war für die extreme Strahlung, die in Tschernobyl und vor allem bei Block 4, wo sie arbeiten mussten, immer noch viel zu primitiv. Die Gruppen von Liquidatoren, die in die schwer radioaktive Zone gebracht wurden, hatten, je nach Grad der Radioaktivität, eingeteilte Schichten von einer halben Stunde, fünf Minuten oder direkt auf dem Dach des explodierten Reaktors – oder besser gesagt, auf dem, was von dem Dach übrig geblieben war, 45 bis 90 Sekunden.

Sie hatten dort schon gearbeitet, als der Reaktor noch brannte und begaben sich damit – meist unwissend – in höchste Lebensgefahr; selbst in dem Moment, in dem sie wussten, was sie dort vor sich hatten, zogen sie sich nicht zurück, sondern blieben vor Ort und sorgten dafür, dass wir heute noch so leben können, wie wir es tun. Ohne den Einsatz dieser Liquidatoren wäre es nämlich zu weiteren Explosionen gekommen, die große Teile, wenn nicht sogar das komplette Land, Mitteleuropas unbewohnbar gemacht hätten. 

Sie handelten ganz nach einem Motto, das in den Erzählungen überlebender Liquidatoren oft vorkommt:

„Irgendwer musste die Arbeit ja verrichten.“

Man mutete den Liquidatoren anfangs 30 Röntgen und letztendlich 20 zu. Wobei diese Messungen auch nicht sehr genau waren: Es gab Fälle, erzählt von betroffenen Arbeitern, in deren Zähnen alleine, Wochen nach der Katastrophe, eine Strahlung von 80 Röntgen nachgewiesen werden konnte.

Besonders den Bergarbeitern, die nach Tschernobyl geschickt wurden, um über einen Monat lang einen Tunnel zu bauen, der direkt unter dem Kern verlief, erging es schlecht: Sie hatten erst gar keine Schutzausrüstung, um sich der Strahlung zu wappnen, die sie erwartete. Sie wurden einfach unter die Erde geschickt, da der Kern drohte, durch den übrigen Gebäudeboden zu sickern und das Grundwasser zu verseuchen. So befanden sie sich wochenlang unter verseuchtem Boden und auch letztendlich direkt unter dem Kern. Sie arbeiteten nicht nur unter hoher Strahlung, sondern auch unter der aus dem Brand resultierenden Hitze – und das, nach wie vor, ohne jeglichen Schutz.

Der Tunnel wurde letztendlich mit Beton aufgefüllt anstelle das ein Kühlsystem, wie geplant, eingearbeitet wurde, um eine größere, stabilere „Schutzwand“ zwischen Grundwasser und dem brennenden Kern zu haben, falls es durchsickern sollte. Dazu sollte das Gebäude selber mit dem Beton im Untergrund stabilisiert werden, da es das letzte bisschen Schutz gegen die volle Radioaktivität des Kerns war.

Viele Liquidatoren starben noch vor Ort an der Strahlenkrankheit oder dehydrierten durch die hohen Temperaturen des Brandes, obwohl sie viel Wasser tranken. Sie kamen bei allen Versuchen, sich vor der Strahlung zu schützen mit der primitiven Ausrüstung, die sie besaßen, nicht davon. Weglaufen war aber auch keine Option – selbst die Arbeiter, die nach Bekennen zum Unfall vom damaligen Generalsekretär des Zentralkomitees Gorbatschow eingezogen wurden, stellten sich der Gefahr, wie davor schon die, die selber vor Ort bemerkt hatten, was passiert war.

Die Strahlenkrankheit saß ihnen jedoch schwer im Körper. Sie erbrachen sich oft, hatten extreme Kopfschmerzen und Herzrasen nach der Arbeit, schmeckten Blei auf der Zunge und litten unter Schwächeanfällen. Am Leiden der Liquidatoren konnte man zum ersten Mal sehen, dass es nicht ganz stimmte, dass Menschen Strahlung nicht wahrnehmen können.

Oft kam es dann auch zu Unfällen, bei denen ein Schwächeanfall oder die enormen Kopfschmerzen zu einem Konzentrationsverlust führten – Arbeiter stolperten auf dem Dach und überschritten ihre Zeit, die sie dort hatten, fielen in Pfützen mit radioaktiven Wasser, und auch ein bekanntes Hubschrauberunglück über dem Reaktor war auf die Strahlenkrankheit zurückzuführen. Den Menschen wurde im Hubschrauber schwindelig, sie verloren die Kontrolle und lenkten die Maschine in die Seile eines Krans herein, wodurch dann die Rotoren vom Rest abgerissen wurden – der Hubschrauber stürzte zu Boden und alle Crew-Mitglieder starben.

Mehr Tote gab es in den nächsten Tagen im Krankenhaus von Pripjat, wo die verstrahlten Liquidatoren hingefahren wurden. Manche hatten eine so hohe Strahlendosis abbekommen, dass sie buchstäblich in sich zerfielen. Ihre Blutgefäße verätzten innerhalb weniger Zeit, weswegen es nicht möglich war, ihnen Schmerzmittel zu geben, während der Rest ihres Körpers von innen heraus ebenfalls verätzte. Die Haut pellte Stück für Stück ab, bis letztendlich das Herz versagte.

Weitere Spätfolgen für die Liquidatoren waren Schilddrüsenkrebs, Grauer Star, Immun- und Nervenstörungen und vor allem Leukämie. Doch nicht nur die Liquidatoren litten unter den Folgen der enormen Strahlung.

Folgen für Nachbarländer, spätere Generationen und Umwelt

Deutschland, welches von der Strahlenwolke betroffen war, war in diesem Jahr nicht nur durch die Mauer getrennt – während in der DDR die Ausmaße des Unfalls heruntergespielt wurden, wurde in der BRD Maßnahme nach Maßnahme ergriffen, um die Bevölkerung zu schützen: Spielplätze wurden gesperrt, Bewohner durften nichts mehr aus eigenen Gärten zu sich nehmen, es wurde auch gewarnt vor saurem Regen und ein Ministerium für Umwelt wurde im selben Jahr gegründet. Dennoch gibt es auch in Gebieten der damaligen BRD – besonders in Bayern – Orte, an denen die Strahlung höher ist als der Normalwert, aber dies nicht mehr in bedrohlichen Höhen. Genauso ist es in Teilen der skandinavischen Halbinsel, des Baltikums und in Bereichen der ehemaligen Sowjetunion, mit der Ausnahme von Tschernobyl und allem, was sich in einem Radius von 30 Kilometern von dem Reaktor befindet.

Neben den Spätfolgen der damals bereits lebenden Generationen, litten die Kinder, die nach dem Unglück geboren wurden, oft unter Fehlbildungen oder kamen gar nicht erst lebend zur Welt. Heutzutage leben in der Sperrzone bereits wieder fünf Millionen Menschen: Denn der Großteil der Strahlung wird durch einen riesigen Sarkophag über dem zerstörten Reaktorgebäude, der bei Bedarf auch erneuert wird, zurückgehalten. Genau wie man bis heute nicht sicher weiß, ob die Opferzahl von der Tschernobyl-Katastrophe ein paar Tausend, einige Zehn- oder Hunderttausend umfasst oder doch im Millionenbereich liegt, weiß man nichts über den Schaden, den die dort Lebenden erleiden – oder ob sie welchen erleiden.

Der Reaktor von Tschernobyl ist heute mit einer neuen Schutzhülle versehen (2017)
(Bildquelle: wikipedia.de / Tim Porter / CC BY-SA 4.0 )

Die Umwelt hat sich jedoch wieder drastisch erholt; „verstrahlt aber glücklich“ heißt es in diesem Zusammenhang oft. Tschernobyl, vom Menschen heutzutage weitestgehend unangetastet durch die hohe Strahlung, wurde Jahre später von Wildtieren und den Pflanzen zurückerobert: Füchse, Bären, Wildschweine, Elche, sämtliche Vogelarten – sogar Wölfe und die letzte existierende Wildpferdeart leben dort. Und noch dazu leben sie im Einklang miteinander und im Einklang mit den Pflanzen, welche die kontaminierten Gebäude überwachsen, da sie nun nicht mehr von Menschen eingegrenzt werden können. Problematisch wird es nur, wenn die kontaminierten Tiere aus der Zone auswandern und die mutierten Gene, die sich in sich tragen, weitergeben, so wie es im Moment bei den Tschernobyl-Wölfen passiert.

Abschließend kann man sagen, dass der Vorfall der erste wahre Denkzettel an die Menschheit war, was für Schäden durch Kernkraftwerke angerichtet werden können. Länder wie Deutschland, wenn auch nur die BRD am Anfang, trafen weitere Vorkehrungen, damit so etwas nicht wieder passieren konnte. Reformen in der Umweltpolitik waren ein weiteres Resultat – doch dass dies alles nicht ausreichte, wurde 2011 klar, als das Unglück in Fukushima geschah. Und die Maßnahmen geschahen schneller, effektiver und kontrollierter – denn so oder so hatten die Länder aus der Sache zumindest etwas gelernt: Wie sie die Katastrophe angehen sollten, oder auch zum Teil, wie sie es nicht angehen sollten.

in verlassener Freizeitpark in der Stadt Pripyat, weniger Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt.
(Bildquelle: pixabay.com / 1681551 / CC0)

Die Unklarheiten in dem Fall Tschernobyls sind jedoch nach wie vor zu groß, weshalb eine Serie wie HBOs „Chernobyl“ ein guter Weg ist, vielleicht so viele Jahre später noch mehr aufzudecken und die Liquidatoren für ihre Heldentaten zu ehren, da diese in der Ukraine mehr und mehr in Vergessenheit geraten.

Die genaue Opferzahl ist und bleibt jedoch heutzutage unmöglich zu definieren – keiner kann jetzt noch erkennen, welche und wie viele Tode auf die Katastrophe zurückzuführen sind.

Artikel und Recherche: Jara-Sofie Wilms

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