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Liebe geht durch alle Zeiten

Fantasy-Trilogien haben in Deutschland keinen leichten Stand, es sei denn, sie waren schon als Buch erfolgreich. Was den Amerikanern ihre Twilight-Saga ist, ist den deutschen Teenies die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier.  In diesen Tagen beginnen in Aachen die Dreharbeiten zur Verfilmung von Smaragdgrün, dem dritten Teil der Edelstein-Trilogie.

Durch die Zeit reisen und vielleicht mal eine Vorführung von Hamlet zu Shakespeares Lebzeiten sehen – das wollten wir alle doch schon einmal. Doch die 16-jährige Gwendolyn Shepherd sieht das anders: sie gehört zu einer Linie von insgesamt 12 Zeitreisenden, doch das war eigentlich ganz anders geplant: Statt dass ihre perfekte, wunderschöne, makellose Cousine Charlotte das Gen geerbt hat, hat es jetzt unsere tollpatschige, kindische Hauptfigur mit zwei linken Händen und Füßen. Ein weiteres Problem tritt auf, als Gwen den männlichen Zeitreisenden ihrer Generation trifft, Gideon de Villiers, und sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Im Weg stehen ihr da jedoch nicht nur der arrogante Charakter ihres Traummannes und die generellen Regeln der Wächter, deren Loge alle Zeitreisenden angehören und angehört haben, sondern auch ihre Cousine; zur Seite stehen ihr ihre beste Freundin Leslie Hale und einige Geister, die allerdings nur sie sehen kann…

Es gibt seit Mitte des 16. Jahrhunderts zwei Familien, in denen das Zeitreise-Gen vererbt wird: Die de Villiers, die das Gen in der männlichen Ebene vererben, und die Montrose, die weibliche Linie. Jedem der Zeitreisenden ist ein Edelstein zugeordnet; Gwendolyn ist der Rubin, Gideon der Diamant. Die Loge der Wächter wurde am Anfang des 18. Jahrhunderts vom Grafen von Saint Germain, dem Smaragd in der Linie der Zeitreisenden, gegründet und steht seitdem unter seinem Befehl.

Vor etwa 16 Jahren stahlen die zwei Zeitreisenden Paul de Villiers und Lucy Montrose, Gwens Cousine, den ersten Chronografen, das Gerät, mit dem die Zeitreisenden ihre Zeitsprünge kontrollieren können, und reisten ins Jahr 1912. Der Haken ist, dass man, wenn man den Chronografen mit in die Vergangenheit nimmt, nicht mehr zurückkehren kann. Doch es gibt einen zweiten Chronografen, mit dem dann der Blutkreis geschlossen werden kann – denn das ist genau das, was Lucy und Paul verhindern wollten. Dafür müssen jetzt Gideon und Gwendolyn dafür sorgen, dass das geschieht, allerdings ist auch das nicht so leicht. Zumal Charlotte immer wieder dazwischen funkt und alle Gwen andauernd vorhalten, dass sie so wenig kann. Doch auch wenn sie das am Anfang stört, so ist sie später umso verbissener dabei, ihre Familiengeheimnisse zu lüften, und an ihre große Liebe heranzukommen: Gideon.

Der Zeitraum der kompletten Bücherreihe erstreckt sich über ein paar Wochen, was manchmal verwirrend ist, da so viel in dieser kurzen Zeit passiert. Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben, die Erzählweise ist dadurch spannend gehalten, da viele Dinge lange ungeklärt bleiben und immer neue, überraschende Dinge geschehen. Gwens Beziehungen kristallisieren sich deutlich heraus, da viele ihrer Gedanken und Gefühle aufgeschrieben sind.

“Seine kleine kugelige Figur strahlte wie immer etwas Tröstliches aus. Jedenfalls war er so ziemlich der Einzige von dem ganzen Verein, dem ich ein bisschen vertraute.”


Durch den ziemlich großen Umfang der Bücher sind sie wohl eher für viel-Leser, sind aber auch für nicht-Leser mit großer Geduld lesbar. Der Schreibstilist einfach gehalten, da es kaum Schachtelsätze gibt und viele einzelne Sätze verwendet werden. “Sogar seine Krawatte war schwarz. Er sah uns ausgesprochen finster entgegen. Ein kleiner Junge von vielleicht sieben Jahren klammerte sich an seinem Jackett fest.” Dies ist mal mehr, mal weniger extrem, kann jedoch auf die Dauer das Lesen eher erschweren als erleichtern.

Die Personen werden klar herausgearbeitet, sie bekommen von vornherein klare Eigenschaften, was einem jedoch auch die Spannung und das Interesse an dieser Person nehmen kann.

Es gibt verschiedene Ausgaben, die meist verschiedene Cover haben, so wie zum Beispiel das Buch zum Film oder die Sonderausgabe 2014. Das Cover von letzterem ist ein wenig befremdlich, da es mit abstrakten Zeichnungen versehen ist. Der Buchrückentext weckt Interesse und stellt kurz vor, was im Buch passiert, verrät aber nicht zu viel. Alle drei Bücher beginnen und enden mit einem Zeitsprung, wodurch gleich Neugier auf das Buch, beziehungsweise das folgende Buch geweckt wird und die Geschichte sehr schön abschließt.

Das Buch nimmt einige unerwartete, aber interessante Wendungen, wodurch der Lesespaß und die Spannung erhalten bleiben. Nicht so gut gelungen, aber nötig für die Geschichte sind bestimmte Dinge, die hier auf Grund von Spoilern nicht genannt werden sollten, aber sehr überspitzt und zu dramatisiert und fantasiert rüberkommen.

Besonders ansprechend sind die Bücher für jugendliche Mädchen, da man sich in die Hauptperson hineindenken muss, um die Geschichte mögen zu können. Allerdings wäre das Buch bestimmt auch für Jungs interessant, die sich einmal in die Denkens weise eines Mädchens hineinversetzen möchten.

Die bisher produzierten Verfilmungen der ersten beiden Teile sind wirklich gelungen, auch wenn der Zuschauer zum Teil Abweichungen und Kürzungen des Buchinhaltes hinnehmen muss. Aber dies ist ja bei fast jeder Romanverfilmung der Fall und durchaus auch nicht uninteressant für den Buchleser.  Saphirblau erhielt von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden das Prädikat „wertvoll“. Im Pressetext heißt es, der Film „besticht durch hohe Schauwerte, eine opulente Ausstattung, prächtige Interieurs sowie perfekte Kostüme und Masken“. Dabei würden die „emotionalen Themen der Heranwachsenden gekonnt in den Vordergrund“ gestellt. Allerdings empfehlen wir, zunächst die Bücher zu lesen. Ansonsten könnte die Geschichte, mit ihren vielen handelnden Personen und Zeitsprüngen, verwirrend sein.

Titelbild: Quelle flickr.com / azarikesh

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