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Fukushima – Der Anfang vom Ende des Atomzeitalters

Heute vor 10 Jahren ereignete sich aufgrund eines Erdbebens und den dadurch ausgelösten Tsunami die Atomkatastrophe von Fukushima. Nicht nur in Japan, sondern weltweit waren die Menschen entsetzt, denn der Traum von der sicheren Atomenergie war endgültig zerplatzt. Wir blicken zurück auf die Ereignisse und Folgen des 11. März 2011.

Wie kam es zur Katastrophe?

Es ist bekannt, dass Japan in einem Gebiet liegt, das immer wieder von heftigen Erdbeben erschüttert wird. Die Ursache liegt in der sogenannten Plattentektonik. In diesem Gebiet taucht die Pazifische Platte direkt vor der Küste Japans unter die Eurasische Platte ab. Dies führt immer wieder zu heftigen Erdbeben.

Zu so einem gewaltigen Beben kam es am 11. März 2011 um 14:46 Uhr Ortszeit. Das Beben hatte die Magnitudenstärke (Mw) von 8,9 und ereignete sich ca. 345 km nordöstlich von Tokio in ungefähr 15 km Tiefe im Pazifik.
Durch das Erdbeben riss innerhalb von dreieinhalb Minuten auf einer Länge von 400 km bis in 60 km Tiefe die Erdkruste auf. In Folge des Bebens kam es zu Plattenbewegungen von bis zu 27 m horizontal und 7 m vertikal. Wenn solche große Wassermassen durch Plattenbewegungen verdrängt werden, entsteht dabei häufig ein Tsunami. Der Begriff Tsunami (japanisch für: „Hafenwelle“) wurde durch japanische Fischer geprägt, die vom Fischfang zurückkehrten und im Hafen alles verwüstet vorfanden, obwohl sie auf offener See keine Welle gesehen oder gespürt hatten. Darum nannten sie die mysteriösen Wellen Tsunami, das heißt „Welle im Hafen“.
Überwiegend lösen schwere Erdbeben, bei denen der Meeresboden über weite Distanzen aufbricht, Tsunamis aus. Am 11. März 2011 lief bereits wenige Minuten nach dem Erdbeben eine gewaltige Tsunamiwelle an der Ostküste Japans mit großer Wucht und Höhe auf. Das nahe der Stadt Fukushima gelegene Atomkraftwerk Fukushima Daiichi wurde durch den Tsunami stark beschädigt.

Das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi

Die Karte zeigt die Lage der Stadt Fukushima und das Epizentrum des Erdbebens vom 11. März 2011. (Quelle: Wissensplattform eskp.de / CC BY 4.0)

Auf dem Gelände des Atomkraftwerks, das in den 1970er Jahren nach dem Siedewasserreaktorprinzip gebaut wurde, gab es insgesamt sechs Reaktoren. In diesen Reaktoren befinden sich große Druckbehälter, die mehrere hundert mit radioaktivem Material gefüllten Brennstäbe beherbergen. Der Brennstab in einem Atomreaktor ist eine Art Metallrohr, das eine Legierung besitzt, die zum Großteil aus dem chemischen Element Zirconium besteht. Diese ist besonders durchlässig für die bei der Kernspaltung entstehenden Neutronen. Die Brennstäbe beinhalten zum Großteil das radioaktive Element Uran, jedoch war in mindestens einem der Reaktoren auch das hochgiftige Plutonium enthalten. Beim Zerfallen der Atomkerne wird Energie in Form von Wärme frei. Mit dieser wird Wasser zum Kochen gebracht und mit dem entstehenden Wasserdampf werden dann Generatoren betrieben, die den Strom produzieren.

Der GAU von Fukushima

Durch das Erdbeben und den darauffolgenden Tsunami waren mehrere Kühlsysteme im japanischen Atomkraftwerk Fukushima nicht mehr funktionsfähig. Dies setze eine Unfallserie in den Reaktorblöcken 1 bis 4 in Gang, bei der erhebliche Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt wurden. Wahrscheinlich kam es sogar zur Kernschmelze. Dabei erhitzen sich die Brennstäbe so stark, dass sie ihre feste Form verlieren. Am Ende bahnt sich der geschmolzene Kern seinen Weg durch die Reaktorwände und der Druckbehälter explodiert, was große Menge radioaktiven Materials freisetzt. Ein Teil des radioaktiven Materials gelangte auch in den Pazifik. Diese Art eines Atomunfalls wird auch als GAU (größter anzunehmender Unfall) bezeichnet.  Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 war das Atomunglück von Fukushima der zweite GAU im Zeitalter der Kernenergie.

Reaktor 3 im Jahr 2011. Quelle: Pressematerial, Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc.

Die Folgen der Katastrophe

Ungefähr 18.500 Menschen starben in Folge des Erdbebens und des anschließenden Tsunamis. Viele der Toten gelten bis heute als vermisst. Über die Folgen der atomaren Verstrahlung im Atomkraftwerk Fukushima gibt es auch 10 Jahre nach der Katastrophe nur grobe Schätzungen:

  • Fast eine halbe Million Menschen mussten aus dem Gebiet rund um das Atomkraftwerk fliehen. Von ihnen mussten ca. 160.000 Menschen dauerhaft ihre Heimat verlassen und umgesiedelt werden.
  • Das offizielle evakuierte Sperrgebiet hat einen Radius von 20 Kilometern und darf nur zeitweise oder auch gar nicht betreten werden.
  • Die Krebsrate bei Jugendlichen aus der Region ist einer Untersuchung zufolge deutlich höher als im Rest Japans. Die Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle bei Kindern und Jugendlichen sei 20- bis 50-Mal höher als in nicht verstrahlten Gebieten in Japan, berichtete der Epidemiologe Toshihide Tsuda im Rahmen einer durchgeführten Studie. Dies sind Beobachtungen, die man auch nach dem GAU in Tschernobyl beobachten konnte. Insgesamt kann auch weiterhin nicht ausgeschlossen werden, dass in den kommenden Jahren noch Erkrankungen als Folge des Reaktorunfalls auftreten.
  • Doch nicht nur Krebserkrankungen belasten die Menschen. Viele der ansässigen Bewohner haben posttraumatische Belastungsstörungen und leben mit der ständigen Angst vor weiteren Erdbeben.
  • Auch heute laufen die Aufräum- und Sicherungsarbeiten im Kernkraftwerk Fukushima noch täglich weiter und werden vermutlich noch bis ins Jahr 2050 andauern. Ein besonderes Problem ist das radioaktiv verseuchte Kühlwasser, dass als Atommüll irgendwo gelagert werden muss. Doch der Platz ist begrenzt. Schon jetzt werden eine Million Kubikmeter des strahlenden Wassers rund um das Gelände in großen Tanks gelagert. Für große Empörung bei Fischern, Landwirten und Umweltschutzorganisationen sorgte die Idee der japanischen Regierung, das radioaktiv verseuchte Wasser ins Meer zu leiten.
Das Gelände des Atomkraftwerks Fukushima am 20. März 2011. Quelle: Pressematerial, Tokyo Electric Power Company Holdings, Inc.

Doch nicht nur für die Menschen in Japan bedeuteten die Ereignisse in Fukushima einen Einschnitt. Weltweit wurde kontrovers über die Sicherheit der Atomenergie debattiert. Bundeskanzlerin Merkel sagte kurz nach den Ereignissen von Fukushima: “Die Geschehnisse in Japan sind ein Einschnitt für die Welt.” Die erst kürzlich zuvor beschlossene Verlängerung der Atomkraftwerklaufzeiten in Deutschland wurde zurückgenommen. Stattdessen einigte man sich auf einen „Ausstieg mit Augenmaß“, der dazu führt, dass bis zum Jahr 2022 alle deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Anders sieht die Lage hingegen in anderen Ländern Europas aus. So haben sich sowohl Frankreich als auch Großbritannien entschieden, auch in Zukunft an der Atomenergie festzuhalten und sogar weitere Kraftwerke zu bauen.

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