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Ich gönn’s Dir – nicht!

Neid ist ein uraltes Gefühl des Menschen. Schon Kain trieb der Neid zum Mord an seinem Bruder Abel. Voller Zorn aufgrund Nichtbeachtung seines Opfers gegenüber Gott schlug Kain seinen Bruder erbarmungslos zu Tode. Im Jahr 2010 tötet in Kanada ein Mann seine Nachbarin, weil ihre Wohnung eine bessere Aussicht hatte.

„Wer von niemanden beneidet wird, ist nichts wert“, wahre Worte des griechischen Philosophen Epicharmos. Recht gab ihm Hollywood Ikone Marilyn Monroe: “Neid ist der Schatten, den der Erfolg wirft.“ Nebenwirkung von Erfolg ist also neben Ehre auch Neid. Erfolgreiche Menschen sind etwas wert und ziehen Neider wie Magnete an. Sie sind wie Gegenstücke, eine Traumvorstellung, verkörpert in einer lebenden Person. Diese lebende Person regt demnach mit ihrem Eigentum, ihrer Charaktereigenschaft oder ihrem Gelingen das Bedürfnis anderer Menschen an, neidisch zu sein. Ein Kreislauf, dessen Ausgang nicht immer unbedingt menschenfreundlich zu sein scheint.

Zum Glück ist die Ermordung von beneidenswerten Menschen die Seltenheit. Die Mehrheit der Menschheit greift auf andere Handlungen zurück, z.B. auf gemeine Blicke, fiese Gedanken und Beleidigungen. Doch auch diese vermeintlich harmloseren Tätigkeiten sind ernst zu nehmen. Gemeine Blicke schüchtern und schränken Charaktere in ihrem Streben nach Glück und Zufriedenheit enorm ein. Fiese Gedanken erwecken starke Feindseligkeit. Beleidigungen führen zu Depressionen und sinkendem Selbstbewusstsein.

Besonders in der heutigen, von Jugendlichen geprägten Internetwelt, dominiert das Gefühl des Neids. Nach knapp 600 Befragungen kam die Humboldt-Universität und die Technische Universität Darmstadt zu dem Ergebnis, dass mehr als 200 Facebook-Nutzer während ihres Online-Lebens Neid verspüren. Vor allem den inaktiven Usern, die die meiste Zeit mit dem Scrollen auf anderen Facebook-Profilen beschäftigt sind, hat es zutiefst erwischt. Das neue Urlaubsbild der besten Freundin oder auch die äußerst positiven Posts auf der Seite eines entfernten Verwandten rufen stark negative Emotionen des Betroffenen hervor. Eine häufige Reaktion: Als Antwort werden selber Fotos hochgeladen oder vom letzten Ausflug berichtet. Dies macht wiederum die Freunde neidisch. Die Neidspirale beginnt sich zu drehen.

Auf Hass folgt üble Nachrede, die beispielsweise auf dem Frageportal ask.fm in anonymer Art und Weise wunderbar ausgelassen werden kann. Mädchen und Jungs, die besonders hübsch, sportlich oder klug sind, erhalten durch diese Erfolge somit Beleidigungen anstatt Lob. Neider, auch gern Hater (zu Deutsch: „gehässige Menschen“) genannt, lösen bei betroffenen Personen auf diese Weise schon teilweise Selbstmordgedanken aus. Bis heute nahmen sich genau fünf Jugendliche aus aller Welt durch anonyme Hates auf ask.fm selbst das Leben.Zuletzt die 14 Jährige Hanna Smith aus England, die online von verschiedensten Menschen aufgefordert wurde, sich selbst umzubringen. Neid, umgewandelt in Hass führt nicht nur zu Mord, sondern teils auch zu suizid-gefährdeten Kindern.

Aber auch abseits des Internets ist Deutschland ein Land der Neider. Wissenschaftler aus Frankfurt und Leipzig unterstützen die These, dass Deutschland von vielen als „Neidgesellschaft“ wahrgenommen wird. Dabei unterschieden die Forscher verschiedene Neidformen: feindselig schädigend, depressiv lähmend, empört rechtend oder aber auch ehrgeizig stimulierend. Während Frauen sich in ihrem Neidgefühl vor allem auf das Aussehen konzentrieren, blicken die Männer auf das Geld oder den Erfolg des Beneideten. Menschen in Ostdeutschland neiden auf eine „empörte“ Art, Westdeutsche sind dagegen auf eine ehrgeizig stimulierende Art und Weise neidisch. Dies ist die positive Form des Neids. Wenn jemand erkennt, dass jemand anderes etwas hat, was er selbst gerne hätte, entwickelt Ehrgeiz und Streben nach dem gleichen Glück. Neid ist der Studie zufolge auch mit dem sozialen Status eng verknüpft. Die Studie zeigt zudem, dass Neid ein wichtiger Faktor für unsere psychische Gesundheit ist. Wer sich selber als neidisch wahrnimmt, zeigt häufiger depressive Symptome.

Dir tut’s im Herzen weh und Du läufst gelblich an, wenn du…

…deine Freundin siehst, die gerade mit dem 200€ Schein, den sie als Weihnachtsgeschenk von ihren Großeltern erhalten hat, rumwedelt?

…auf dem Pausenhof lauter verliebte Pärchen rumturteln siehst und leise „oh, i wanna dance with somebody“ vor dich hin sumst?

…dieses Topmodel aus deiner Parallelklasse einfach nicht dicker werden siehst, obwohl sie pausenlos Schokolade frisst?

…weniger Punkte als deine Klassenkameraden in der Erdkundeklausur hast, obwohl du dich zu Tode gelernt hast?

Hat man dieses allbekannte Ziehen im Bauch, diese innere Spannung, die einem keine Ruhe mehr lässt, ist es höchste Zeit, den Neid konstruktiv zu nutzen. Durch das Zulassen der Bedürfnisse nimmt man die Eifersucht an und bearbeitet sie. Laut Lea Hamann, einer deutschen Bloggerin, die eine Art Online-Motivation betreibt und zur Selbstfindung beiträgt, muss man nur JA zu seinen Begierden sagen.

“Neid ist für mich wie ein blinkendes Leuchtsignal. Neid sagt: „Hey, da gibt es etwas, das du eigentlich brauchst. Bisher hast du dein Bedürfnis unterdrückt. Wenn du dich wieder wohl fühlen möchtest, dann öffne dich für das Neue.“ (Lea Hamann)

Ist man andersrum der Beneidete, sollte man sich nicht schuldig fühlen. Anerkennung und Aufrichtigkeit bestimmen das Handeln der Neider, man darf natürlich stolz auf das eigene Schaffen sein.

haterWird man dagegen online gehatet, benötigt man lediglich das Rezept zahlreicher Jugendlicher. „Haters make me famous“, ein englischer Satz, den andere Teenager als Statussymbol benutzen. Anstatt unter Depressionen zu leiden, nutzen diese ihre Neidgemeinschaft zum Vorteil. Je mehr Hater und Neider, desto berühmter. Wilhelm Busch erkannte, dass Neid die aufrichtigste Form der Anerkennung ist. Schlussfolgernd eine andere Art des Lobs, des Begehrens. Für viele Jugendliche ein schönes Gefühl, einen gewissen Beliebtheitsstatus zu erreichen.

“Neid ist nichts als unglückliche Selbstbehauptung. – Bewunderung dagegen ist glückliche Selbstverlorenheit.” (Goethe)

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