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Herr Wenke – ein Lehrer auf Augenhöhe

Seit gut einem Jahr ist Herr Wenke mit den Fächern Geschichte und Politik Lehrer am LSG. Inzwischen ist er von der Schülerschaft auch zum neuen SV-Beratungslehrer gewählt worden. Grund genug, uns einige spannende Fragen für Herrn Wenke auszudenken und ihn zum Interview zu bitten. Zum Glück hat er sofort zugesagt und so könnt ihr sicherlich in unserem Artikel noch einige Neuigkeiten über ihn erfahren. 

laurentinews.de: Herr Wenke, was war ihr erster Eindruck vom LSG und hat er sich bestätigt?

Herr Wenke: Ich bin jetzt fast ein Jahr an dieser Schule und kann sagen, dass es eine sehr beschauliche Schule mit einer netten Schülerschaft ist, in der jeder jeden kennt und in der eine fast familiäre Stimmung herrscht. Aber auch die Kolleginnen und Kollegen haben ihr Übriges dazu beigetragen, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Mein erster Eindruck war daher durchweg positiv.

Wenn Sie Schüler dieser Schule wären, wer wäre dann ihr Lieblingslehrer/- lehrerin?

Ich glaube, die Kollegen zeigen hier viele unterschiedliche Facetten, die ich alle mag. Vom Humor her schätze ich Herrn Walter, Herrn Kirchberg und auch Frau Kröger und die Oldenburger Fahrgemeinschaft. Aber ich unterhalte mich auch gerne mit Herrn Struck und mag es, mich fachlich mit Herrn Kunzler auszutauschen. So genau will ich mich daher gar nicht festlegen.

Zurzeit macht die AfD mit einem sogenannten Lehrer Meldeportal Schlagzeilen. Was halten Sie von dieser Aktion?

Herr Wenke stellte sich den Fragen unserer Redakteurin Sarah Thoß und der Redakteure Niklas Steenken und Christian Thoben.

Ich finde es aus Datenschutzgründen schwierig und auch der Sinn dahinter wird mir nicht ganz klar. Meiner Meinung nach sollte man, wenn man Lehrer ist, Schüler nicht in eine bestimmte Ecke drängen und ihnen eine Meinung aufzwingen. Allerdings sollte man ihnen schon gewisse Werte mitgeben. Ein Lehrer sollte also nicht wertfrei sein und sollte auch in seinem Unterricht gewisse Themen kritischer betrachten dürfen. Kurz gesagt: Ich halte nicht viel davon.

Was sollten Schüler aus ihrem Politikunterricht in Zeiten von Fake-News, Internet-Trollen und einem wachsenden Populismus mitnehmen?

Das Internet vergisst nichts und deswegen sollte man sich darüber bewusst sein, was man im Internet von sich gibt. Und sicherlich ist es gut, sich kritisch zu informieren, aber man sollte auch lernen, Fake-News zu erkennen und solche perspektivisch hinterfragen.

Sie bekommen die Möglichkeit, mit einer Person aus der Zeitgeschichte einen Abend zu verbringen. Wen würden Sie wählen?

Das ist eine gute Frage. Auf jeden Fall nicht mit Donald Trump, da ich ihn sehr unsympathisch finde. Ich denke mit Barack Obama, weil ich glaube, dass er gute Ziele hatte, auch wenn er sie nicht alle erreicht hat. Aber er ist ein sehr charismatischer Mensch.

“Witze sind ein guter Eisbrecher, um über eine Behinderung zu sprechen.”

Würden Sie uns erzählen, warum Sie auf einen Rollstuhl angewiesen sind?

Ich bin drei Monate zu früh geboren worden. Bei der Geburt gab es Komplikationen, die zu Hirnblutungen und Sauerstoffmangel führten. Dadurch wurde ein Bereich im Gehirn nicht richtig ausgebildet. Wenn ich mein Bein strecken möchte, werden die Signale von meinem Gehirn falsch weitergeleitet. Das ist im Groben der Grund dafür, warum ich auf den Rollstuhl angewiesen bin.

Das Thema Inklusion in deutschen Schulen wird sehr kontrovers diskutiert. Wie ist ihre Position zu diesem Thema?

Ich halte es für eine gute Sache, aber man sollte gewisse Sachen einfach machen, ohne es groß zu planen oder sich Gedanken um irgendwelche Begrifflichkeiten machen. Man sollte es, meiner Meinung nach, gar nicht so sehr thematisieren, sondern einfach praktisch leben und nebenbei laufen lassen.

Können Sie über Behinderten-Witze lachen und haben Sie gerade einen guten Witz auf Lager?

Ja, auf jeden Fall. Ich finde es gut, wenn man über so etwas lachen kann. Ich bin bloß ziemlich schlecht im Witze merken. Sich immer nur Gedanken darüber zu machen, dass man jetzt nicht mehr laufen kann, ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Ich habe immer so ein paar Sprüche, wie zum Beispiel ,,Jetzt habt ihr einen Lehrer auf Augenhöhe” oder ,,Meine Schuhe bleiben länger sauber als eure”. Witze sind einfach ein guter Eisbrecher. Es sollte aber passend formuliert sein und nicht unbedingt von Fremden kommen.

Begegnet man trotz eines lockeren Umgangs mit der Behinderung im Alltag noch häufig Vorurteilen?

Oftmals, wenn ich erzähle, dass ich Lehrer bin, trauen es mir die Leute nicht zu und wundern sich. Viele sind überrascht, dass jemand, der im Rollstuhl sitzt, einen ganz normalen Job ausübt. Mir ist es aber auch schon einmal passiert, dass eine ältere Dame in Oldenburg am Bahnhof auf mich zu kam und mir 50 Euro gab. Ich wollte das Geld aber nicht. Sie aber hat gedacht, dass ich ein armer Mensch wäre, nur weil ich im Rollstuhl sitze. Ich habe ihr gesagt, dass Sie das Geld besser ihren Kindern oder Enkeln geben könne und ich nicht auf ihr Geld angewiesen sei. Sie hatte Mitleid und das ist eindeutig die falsche Herangehensweise.

Sie wurden erst vor kurzem zum neuen SV-Beratungslehrer gewählt. Eine große Ehre für Sie?

Ja, auf jeden Fall, da es mir zeigt, dass die Schülerschaft mich mag, obwohl ich noch nicht so lange an dieser Schule bin.

“Ich möchte meine Schüler gut durchs Schuljahr bringen und ihnen auch Zwischenmenschliches mitgeben.”

Was sind denn die nächsten Stufen auf ihrer Karriereleiter?

Mein persönliches Ziel ist es immer, meine Schüler gut durchs Schuljahr zu bringen und ihnen auch Zwischenmenschliches mitzugeben. Auch respektvollen Umgang mit Schülern und Lehrern zu pflegen ist mir sehr wichtig. Außerdem möchte ich meinen Schülern zeigen, dass sie auf mich zugehen können, wie auf alle anderen Lehrer.

Bald steht Weihnachten vor der Tür. Haben Sie schon alle Geschenke zusammen?

Mir fehlt noch das wichtigste Geschenk. Das für meine Freundin.

Und was wünschen Sie sich zu Weihnachten?

Ich habe mir nichts Materielles gewünscht. Dennoch wünsche ich mir zunächst mal Gesundheit. Für mich ist es mehr wert, einfach Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

Und gibt es auch Vorsätze für das neue Jahr?

Ich habe vor 3 Jahren aufgegeben, mir Vorsätze zu geben. Ich würde gerne wieder öfter ins Fitnessstudio gehen, um Sport zu treiben.

Danke, dass sie sich für unser Interview Zeit genommen haben.

Kein Problem. Danke für die coolen und kritischen Fragen. Ich hoffe, ihr könnt damit etwas anfangen.

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