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Jenseits der Gewissheit

Die Hindus gehen von einem nicht endenden Kreislauf von Geburt, Heranwachsen, Altern und Tod aus. Sie bezeichnen ihn als Samsara. Dabei stirbt zwar der Körper, die Seele (dem Hindu bekannt als Atman) wird jedoch als das Selbst in einen neuen Körper widergeboren. Um das Wesen eines Hindus und damit auch seine Vorstellung vom Leben vor und nach dem Tod zu begreifen, muss ein Blick auf das hinduistische Menschenbild geworfen werden: Der Mensch wird durch seine Kaste definiert. Das Kastenwesen ist eine hierarchische Anordnung von Gesellschaftsschichten. Es gibt also bei den Menschen verschiedene Wertigkeiten. Während bei den Christen, weil der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen wurde, jeder aufgrund seiner Existenz den gleichen Wert hat und die Erhaltung dieser Wertigkeit ihre zentrale Handlungsmaxime ist, wird der Mensch bei den Hindus durch seine Essenz definiert. Sie sind der Ansicht, dass jeder selbst für sein Schicksal verantwortlich ist. Wenn er beispielsweise in die Kaste der Könige und Krieger hineingeboren wird, sich aber nicht nach dem Dharma, den jeweiligen Kastengesetzen seiner Kaste, richtet, wirkt sich das nicht gut auf sein Karma aus, das durch jeden Tod vollendet wird.

Das Kastensystem der Hindus.

Das Karma ist vergleichbar mit einem Punktekonto, das Einfluss auf den Lebensstandart nimmt, der nach der nächsten Reinkarnation vorherrscht. Mag dieser Mensch, der nun in der Kaste der Könige und Krieger gestorben ist, bei seinem Tod ein schlechtes Karma gehabt haben, so wird er wohl seinen nächsten Lebensabend, je nachdem wie stark sein Handeln von dem abgewichen ist, was ihm das Dharma vorgeschrieben hat, möglicherweise in der Kaste der Kaufleute und Bauern verbringen. Doch die Hindus versuchen stets ein gutes Leben zu führen, denn ihr höchstes Ziel ist die Erlösung, Moksha, der Ausbruch aus der Kette der Reinkarnationen. Erlöst wird man, wenn man alle weltlichen Begierden aufgibt. Moksha umfasst das Erkennen des unsterblichen Atman und die Vereinigung mit dem absolut Göttlichen, dem Brahman. Doch da dieser Zustand jenseits des menschlichen Begreifens liegt und darüber hinausgeht, sind die Beschreibungen dieser Erleuchtung oft paradox.

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