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Jenseits der Gewissheit

Wie die Hindus glauben auch die Buddhisten an Samsara, den endlosen Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt. Ebenso stimmen auch ihre Vorstellungen von Karma überein: Jedes Wirken hat eine Folge. Allerdings glauben die Buddhisten weder daran, dass es ein ewiges Leben gibt, noch verehren sie einen Gott. Um den Götterglauben zu erklären, könnte der Rat Rüdiger Hoffmanns an die 7 Zwerge in „Der Wald ist nicht genug“ angeführt werden: Kann man, muss man aber nicht.

Die Buddhisten lehnen die Existenz einer höheren Instanz und auch den Götterglauben zwar nicht ab, aber sie befürworten ihn auch nicht, weil ihre Lehren nichts Stichfestes darüber aussagen. Allerdings ist ihr höchstes Ziel trotzdem das Ausbrechen aus dem ewigen Kreislauf und damit die Erleuchtung, das Eintauchen ins sogenannte Nirwana. Ein Buddhist könnte hierzu sagen: Was auch immer das ist – da will ich hin.

Das Wesen dieses Bewusstseinszustandes zu greifen, ist nämlich nicht ganz leicht. Denn niemand, der diese Erfahrung gemacht hat, ist je wieder ins irdische Leben zurückgekehrt, um uns über seine Erlebnisse in Kenntnis zu setzen.

Samsara - ewiger Kreislauf des Lebens

Nirwana bedeutet eigentlich „aushauchen“ oder „auslöschen“. Diese Begrifflichkeit ist missverständlich, in Wahrheit jedoch als das Ende der drei Dinge zu verstehen, die laut buddhistischen Lehren die Ursache für alles menschliche Leid sind: Gier, Hass und Verblendung. Ein verbreitetes Sinnbild für Nirwana ist ein Feuer, das aus Mengel an Brennstoffen erloschen ist. Dabei übernimmt das Feuer die Rolle der Leiden der Samsara, die im Nirwana ein Ende finden, weil kein Brennstoff, sprich störende Emotionen und Karma, mehr vorhanden ist. Das Nirwana ist definiert als das Ungeborene, das Unentstandene, nicht Geschaffene, Bedingungslose und Todlose, also als das genaue Gegenteil von all dem, was dem Menschen auf der Welt begegnet. Beim Eintauchen in diese letzte Dimension, verwandelt man sich in etwas anderes, das jenseits allen Begreifens liegt. Dort wartet Frieden, Ruhe und die Losgelöstheit von allen Gefühlen, Wünschen und Denkvorstellungen auf die Seele. Das Nirwana ist zeitlos und kein richtiger Ort, aber es ist mitten in der Welt und mitten im Menschen. Hat jeder ein kleines Nirwana in sich? Der philosophische Gedanke dabei ist, dass, wenn das Nirwana physikalisch unerreichbar ist und nirgendwo existiert, dann ist es überall. Trotzdem kann dieser Bewusstseinszustand, die höchste Daseinsform des Menschen, schon zu Lebzeiten erreicht werden. Man wird dann kein weiteres Mal mehr wiedergeboren. Und in diesem Glauben haben diejenigen, die bereits lebendig ins Nirwana eingetreten sind, keine Angst mehr vor dem Tod, der das Nirwana mit der Beendigung aller geistiger und körperlicher Prozesse wiederum vollendet. Alles Entstehen und Vergehen hört auf. Allerdings ist der Weg zu diesem Ziel sehr mühselig. Als Hilfsmittel gelten Meditation und Askese. Durch Askese, also Enthaltsamkeit, soll der Mensch sein Ziel besser vor Augen haben, sich leichter auf das Wesentliche konzentrieren können. Es ist die Rede von der Einhaltung der Fünf Silas, deren Nichteinhaltung sich negativ auf das eigene Karma auswirkt und damit auch das Eintauchen ins Nirwana erschwert oder gar verhindert. Die Fünf Silas sind vergleichbar mit den Zehn Geboten der abrahamitischen Religionen. Allerdings sind sie eher als Verhaltensgrundsätze zu verstehen, die sich jeder freiwillig und aus eigener Überzeugung zu eigen macht. Sie halten an zur Achtung des Lebens und zur Gewaltfreiheit, zu Großzügigkeit und Enthaltung von Diebstahl, zur sexuellen Verantwortung, sowie zur gewaltfreien Kommunikation und Vermeidung von Lügen. Es soll achtsamer Konsum gepflegt und jegliche Rauschmittel gemieden werden. Erst dann ist der Eintritt ins vollkommene Nirwana und das Eins-Sein mit dem Absoluten möglich.

Vergleicht man diese deutlich unterschiedlichen Religionsvorstellungen miteinander, stößt man doch auf eine Gemeinsamkeit. Die Hoffnung auf ein „schönes“, friedvolles Dasein im Jenseits soll die Menschen dazu veranlassen, ihr irdisches Leben im Diesseits fromm, gut und mit Rücksicht auf seine Mitmenschen zu führen oder sich in manchem Falle auch einfach in voller Hingabe nach ihren Religionsvorschriften – wie auch immer sie lauten mögen – zu richten. Letzteres gilt für alle religiösen Grundgedanken vom Leben nach dem Tod.

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