Pages Navigation Menu

Midsommar – Kein Fest wie jedes andere

Midsommar – auch bekannt als „Mittsommerfest“ – ist nach Weihnachten das am meisten gefeierte Fest Schwedens. Während es ebenfalls im Rest Skandinaviens, so wie im Baltikum unter einem jeweils anderen Namen gefeiert wird, ist es bei den Schweden immer noch etwas Besonderes. Was es so besonders macht und worum es beim Mittsommerfest überhaupt geht, erklären wir Euch in diesem Artikel.

Worum handelt es sich beim „Mittsommerfest“?

Der Begriff umfasst alle Feierlichkeiten, die wegen der Sommersonnenwende veranstaltet werden. Einmal im Jahr findet diese statt: Sie bezeichnet den Tag, an dem das Drehen um die Sonne dazu führt, dass die Nordhalbkugel der Erde so lange beleuchtet wird, dass es für die Leute dort der längste Tag im Jahr ist. Während beispielsweise die Bevölkerung von Deutschland nicht allzu viel merkt, da es immer noch wie üblich dunkel wird, merkt man das Phänomen im Norden Skandinaviens extrem.

Je nördlicher man sich auf der skandinavischen Halbinsel befindet, desto weniger wird es überhaupt Nacht: Befindet man sich etwa am Nordkap in Norwegen, geht die Sonne gar nicht mehr unter. In Regionen wie etwa in Nordschweden, dämmert es vielleicht ein wenig oder die Sonne verschwindet kurz, bevor sie dann wiederkommt und ungewöhnlicherweise die Nacht fortgehend erleuchtet.

Dabei sieht die Sonne beinahe aus, als würde sie einfach untergehen, bringt jedoch ein ganz anderes Gefühl mit sich, wenn man sie auf den Bildern sieht.

Eng verbunden steht die Sommersonnenwende zum Johannistag – der längste Tag auf der Nordhalbkugel findet immer um den 20. Juni herum statt und der Johannistag, der Tag der Geburt von Johannes dem Täufer, befindet sich am 24. Juni. In vielen Ländern ist das Mittsommerfest gar nicht mehr so wirklich das Mittsommerfest, sondern durch die Christianisierung der Johannistag; das macht die Schweden auch so speziell. Ihr Midsommar hat keinen christlichen Hintergrund; dennoch liegt das Fest in der gleichen Zeit. Traditionell wird die Sommersonnenwende am Samstag, der zwischen dem 20. und dem 26. Juni liegt, gefeiert, dieses Jahr viel es jedoch auf Montag, dem 24. Juni.

Der tanz um die Majstången gehört zur Tradition des schwedischen Midsommar-Festes.
(Quelle: pixabay.de/gemeinfrei)

Der Ursprung des Festes liegt jedoch weder im Christentum, noch in Schweden, sondern im germanischen Raum: Es handelt sich um die in der germanischen Mythologie auftauchenden Nibelungensage. Ihr nach hat Hagen von Tronje den Helden der Sage Siegfried zur Sonnenwende hin ermordet und den Nibelungenschatz in den Rhein geworfen. Nach diesem Schatz wird auch bis heute noch gesucht – auch wenn dabei relativ klar ist, dass es ihn nicht gibt, da er nun mal aus einer Sage stammt. Auch die Kelten feierten um die Zeit herum das Litha-Fest, das Fest für ihre Mondgöttin.

Diese Ursprünge waren nicht einfach nachzuverfolgen, da die Germanen und Kelten – wobei Letztere noch eher toleriert wurden – dem heidnischen Glauben angehörten und seit der Christianisierung versucht wurde, die Heiden aus diesem Tag zu verbannen; auch die Schweden taten dies, selbst wenn sie den Tag nicht wegen der religiösen Bedeutung feierten. Mit heidnischem Glauben wollten sie nicht wirklich verbunden werden.

Welche Bedeutung hat die Sommersonnenwende?

Sie ist der längste Tag im Jahr – viele verbinden das, auch durch die Mondgöttin der Kelten – mit einem Tag der Balance oder eben einem Licht im Leben, einer neuen Hoffnung, mit dem Tag, an dem man eine neue Chance im Leben bekommt. Also eine Art Reinigung der Seele und ein Neuanfang, vollgepackt mit guten Gefühlen. Die Kelten feierten 12 Tage in Folge – die Schweden vielleicht nicht, aber ihre Feiern entsprechen ganz dem Energetischen der eben genannten Kelten. Sie trinken und sind fröhlich, viel entspannter als den Rest des Jahres; das eine oder andere Mal trinkt ein Schwede auch ein wenig zu viel.

Doch die kurze Nacht gilt in Schweden auch als ein magisches Zeichen der Liebe.

Wie feiern die Schweden ihr Fest?

Da es weder mit christlichem, noch mit heidnischem Glauben, wo man einige Vorstellungen hat, wie Feste so ablaufen, zu tun hat, kommt die Frage auf, wie denn dann die Schweden feiern.

Die Bevölkerung zieht es zunächst traditionell auf das Land, zusammen mit der Familie und Freunden. Ist man am Tag des Mittsommerfestes in den Städten Schwedens, wird man kaum eine Menschenseele antreffen, da sie sehr auf der gemeinschaftlichen Feier mit viel Platz am Land bestehen.

Dort stellen sie eine riesige, aus Holz gebaute und mit Blättern und Blumen bestückte Stange auf; Majstången, also ein Maibaum, wobei hier die Bedeutung nichts mit dem Monat Mai am Hut hat. Es stammt von dem schwedischen Verb „att maja“, was so viel bedeutet wie „mit Blumen und Blättern schmücken“.

Diese Stange – oder eher, der Maibaum – ist noch für eine andere Tradition wichtig: Schweden tanzen um sie herum zu besonderen Liedern, die albern und peinlich wirken, doch in der Gruppe keinen beschämen. Da wäre das bekannteste Lied „Små Grodorna“ – es handelt von Fröschen und ihren Bewegungen, die dann mit Handgesten nachgeahmt werden. Zusammen hüpfen die Feiernden dann mit den Händen auf dem Rücken um die Maistange herum, immer noch Frösche nachahmend.

Dazu tragen manche auch traditionelle schwedische Kleidung, diese ist aber kein Muss.

Was jedoch viel mehr ein Muss ist, ist der selbst gebundene Blumenkranz, den Schweden zu Midsommar tragen. Es ist einfach simpel, in der Zeit um das Fest herum genug Blumen pflücken zu können, um sich einen solchen Kranz zu binden – es mangelt ihnen dabei auch nicht gerade an verschiedenen Arten von Blumen, weswegen die Kränze oft verschieden und ein wahres Farbenparadies darstellen, wenn alle ihre selbst gemachten Kreationen auf dem Kopf tragen.

Frauen tragen an Midsommar häufig farbenprächtige Blumenkränze im Haar.
(Quelle: pixabay.de/gemeinfrei)

Da die Nacht auch als magisch für die Liebe gilt, sollen junge, schwedische Mädchen und Frauen auf ihrem Heimweg still sieben – teils auch neun – verschiedene Blumen pflücken und diese nachts unter ihr Kissen legen. Wenn sie dann schlafen, soll ihnen im Traum ihr späterer Liebesgefährte erscheinen. Sagen, von wem sie geträumt haben, dürfen sie jedoch nicht.

Schweden essen an diesen Tagen traditionell eingelegten Hering, Erdbeeren und auch die ersten Kartoffeln des Jahres. Dazu trinken sie starken Schnaps und leiten dieses Trinken oft mit einem weiteren Lied ein.

Da die Schweden jedoch sonst eher auf Alkohol verzichten, gibt es auch dementsprechende Probleme. Es kommt vor, dass Leute voll betrunken in einem See schwimmen gehen und aufgrund des hohen Alkoholkonsums ertrinken.

Passen sie jedoch auf, ist das Fest ausgelassen und unbeschwert. Das macht es so speziell und unglaublich wichtig für die sonst eher unterkühlt und ruhig wirkenden Schweden.

Sollte man sich also zur Mittsommerfestzeit in Schweden befinden, sollte man ihren Feiern definitiv einen Besuch abstatten – denn an größeren Veranstaltungsorten auf dem Land, die extra für alle veranstaltet werden, ist man stets willkommen!

Recherche und Artikel: Jara Wilms

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.