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Neujahrsvorsätze – Das ewige Scheitern

Mehr Sport machen, sich gesünder ernähren, mit dem Rauchen aufhören, sparsamer sein – alles das sind beliebte und dementsprechend oft in Betracht gezogene Vorsätze für das neue Jahr. Sie sind einfach und allgemein formuliert und doch scheitert man meist immer noch, diese Vorsätze zu erfüllen. Wir erklären Euch die Gründe für das Scheitern und geben Tipps, damit es auch mit euren Vorsätzen klappt.

Ursprünge des Brauchs

Es gilt als eine sehr junge Tradition, die mit der endgültigen Trennung von Religion und Staat entstanden ist. Zuvor wurde das neue Jahr nämlich nicht direkt mit dem Jahreswechsel gefeiert, sondern am 6. Januar, dem Dreikönigstag, an dem Kinder heutzutage oft Sternsingen gehen. Während man durch dieses Sternsingen die religiöse Bedeutung des Tages erhalten hat, war die damalige Verwirklichung, dass er der finale Tag des nach Tradition zwölf-tägigen Weihnachtsfestes war. Damals war es nämlich eine Tradition, am 25. Dezember mit dem Fest zu beginnen und bis zum 6. Januar durchzufeiern.

Dadurch bestimmte er auch den Beginn des neuen Jahres, da das Ende des Weihnachtsfestes eben der Start des neu beginnenden Jahres war.

Dies endete logischerweise dann mit der Trennung der Religion vom Staat.

Nun lag Weihnachten weiterhin auf dem 25. Dezember, nur mit dem Unterschied, dass es an diesem Tag anfing und endete, damit die Leute nicht so lange feiern und aufhören zu arbeiten, da dies einem nicht-religiösem Staat nicht gut bekam. So zumindest in Ländern wie beispielsweise den USA – Deutschland nahm sich den 24. Dezember als Heiligabend und den 25. sowie den 26. Dezember als „Weihnachtstage“ frei.

Es gibt immer noch Länder, die Weihnachten noch weiter verschoben haben – wichtig war nur, was mit dem Beginn des neuen Jahres passierte.

Und das war genau das, was uns heutzutage logisch erscheint; das neue Jahr und dessen Anfang wurde jetzt direkt am Jahreswechsel gefeiert.

Doch neben der einfachen Logik der Tageswahl, hatte der Jahreswechsel schon ganz früher die Bedeutung eines Neuanfangs getragen. Ein neuer Anfang, eine neue Chance, neues Glück, all das. Die Zeit galt als die, in der man nochmal das Jahr überdenken konnte, wobei man auch mit dem Glück des Neuanfangs beschenkt wurde. Dass man Neujahrsvorsätze in diese Bedeutung integriert, war sinnvoll und auch direkt beliebt bei der Bevölkerung.

Die Vorsätze – Allgemein, aber beliebt

Ins Jahr 2019 starteten viele Deutsche hauptsächlich damit, dass sie Stress vermeiden oder generell abbauen wollen – danach folgten weitere gesundheitliche Vorsätze, etwa sich generell gesünder zu ernähren und fitter zu werden, egal in welcher Hinsicht. Zunächst kamen dann noch das Befreien von Süchten ins Spiel – Rauchen, Alkohol, die gewisse Abhängigkeit vom Handy und alles, was in diese Richtung geht, zuletzt dann noch das Geld. Doch was ist es, was diese Vorsätze besonders beliebt macht?

Die Vorsätze der Deutschen für das neue Jahr bleiben häufig gleich. Aber es gibt auch zeitabhängige Trends. Deutlich erkennbar: Die Deutschen wollen sich klimafreundlicher verhalten. (Quelle: Forsa Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit).

Es handelt sich um die Allgemeinheit der Formulierungen; niemals würde ein Vorsatz, der nicht der Allgemeinheit gilt, großes Aufsehen erregen, aber wenn man von etwas spricht, was jeder Mensch sich wünscht – beispielsweise eben die Gesundheit oder Freiheit von Süchten – ist es naheliegend, dass immer mehr Menschen diesen Vorsatz für sich entdecken und ihn ebenfalls weiterreichen. So ging zum Beispiel der Vorsatz, das Handy weniger zu benutzen oder generell weniger im Internet zu sein, erst in den letzten Jahren wirklich durch die Decke, da dort die Abhängigkeit zum Internet wirklich präsent wurde.

Während also ein bestimmter Vorsatz meist immer gleich ist, gehen die anderen mit der Zeit. Das, was zum Beispiel für 1980 vielleicht als passender Plan für ein neues Jahr galt, ist 2019 – beziehungsweise jetzt, für 2020 – einfach unmodern.

Oftmals fällt einen auch einfach nichts Besseres ein, da die gegebenen, beliebten Vorsätze meist das abdecken, was man sich sowieso schon am meisten vornehmen will für ein neues Jahr, eine neue Chance. Es gibt kaum Menschen, die von sich behaupten würden, die perfekte Gesundheit erreicht zu haben, oder die perfekte Unabhängigkeit von irgendwas. In diesen Punkten wird man immer zu arbeiten haben, weswegen gerade sie als Vorsätze bestehen bleiben.

Das bedeutet, dass genau diese paar Kategorien als Vorsätze viel Erfolg haben, da sie an die Zeit angepasst oder zeitlos sind. Außerdem sind sie allgemein und somit das Unspezifischste, was man sich vornehmen kann.

Warum scheitern sie?

Man kennt es; viele Leute nehmen sich etwas Bestimmtes für das kommende Jahr vor, halten sich vielleicht für kurze Zeit daran und geben dann auf, oder fangen nicht mal wirklich an, daran zu arbeiten.

Eine gesunde Ernährung und abnehmen sind Vorsatz-Klassiker. Doch oftmals scheitern diese Vorsätze, weil die Ziele zu unkonkret oder unrealistisch sind. (Quelle: pixabay /gemeinfrei).

Dies liegt an genau der Sache, die sie zu ihrem Bekanntheitsgrad bringt: Die Vorsätze, die man sich meistens beschließt, sind zu allgemein. Dadurch, dass sie eben zu unspezifisch sind, sind sie sehr schnell zu unpersönlich. Sie sind nicht angepasst an den individuellen Menschen, der sich den Vorsatz vornimmt. Natürlich decken die Vorsätze grundlegende Dinge, die sich jeder wünscht, ab, jedoch sind sie durch ihre Allgemeinheit nicht in der Lage, im persönlichen Leben einen besonderen Platz einzunehmen. Man merkt sich oft nicht mal mehr wirklich, was man sich eigentlich vorgenommen hat, da es einen  nicht erreicht hat und dementsprechend nicht interessiert.

Dann kommt auch noch die fehlende Willensstärke dazu: Kaum kommen die ersten Hürden auf einen zu, schmeißt man oft die Verwirklichung des Vorsatzes hin, ganz nach der Einstellung „es ist ja nur ein blöder Vorsatz“. Besonders üblich ist es bei den Leuten, die sich nur auf Vorsätze festlegen, um es getan zu haben und sich nicht so zu fühlen, als hätten sie keinen Plan für das neue Jahr.

Auch nehmen sich im Umkehrschluss manche viel zu viel vor. Sich vorzunehmen, seine ganze Ernährung umzustellen, ist für manche Personen vielleicht kein so extremer Schritt, für andere, die an Gewohnheiten festhalten, schon. Daher scheitert es im Thema Umstellung von Ernährung für bestimmte Leute einfach an dem Vorsatz selbst, der nicht auf ihre eigenen Möglichkeiten spezialisiert ist.

Genau so läuft es für Leute, die abnehmen wollen; manche sind genetisch dazu bedingt, nicht schnell abnehmen zu können. Wenn diese sich jedoch das Ziel setzen, so viel wie jemand abzunehmen, der keine Probleme damit hat, ist die Chance des Scheiterns hoch.

Zusammengefasst bedeutet dies, dass durch die Allgemeinheit der Vorsätze, aber auch durch fehlende Willensstärke oder zu hoch gesteckte Ziele eben sehr viele scheitern. Dies führt mittlerweile dazu, dass sich manche Menschen vom Vorsätzefassen komplett zurückziehen.

Wie kann man es besser machen?

Die aufgelisteten Gründe des Scheiterns zeigen eigentlich auch direkt die Lösungen an; man muss sich seine Vorsätze etwas zurechtbiegen, damit sie auf die individuelle Person passt, die sich etwas vornehmen will. Man muss realistisch sein und beachten, welche Einschränkungen man besitzt, die einem das eine oder andere schwieriger machen. Aus „Ich will mich gesünder ernähren“ werden dann Vorsätze wie „Ich will weniger dies oder das essen oder trinken“, die eben auf sich selber eingeschnitten sind. Man muss erreichbare Ziele setzen, nicht etwa sagen, dass man selber 50 Kilo abnehmen will, nur weil eine Freundin sich das ebenfalls vornimmt, wenn man körperlich einfach nicht in der Lage dazu ist.

Außerdem muss man wirklich, wirklich motiviert bleiben, nicht am nächsten Tag schon in die „Es war ja nur ein blöder Vorsatz“-Einstellung sinken, denn dann scheitert man auf jeden Fall. Wenn man dies befolgt, sich kleine Schritte in ein besseres Ich vornimmt oder etwas ganz Neues ganz allein für sich beschließt, besitzt man eine weitaus größere Chance, auch mal den einen oder anderen Vorsatz zu erfüllen.

Text und Recherche: Jara-Sofie Wilms

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