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One-Way-Ticket zum roten Planeten

Robert Schröder ist 27 Jahre alt, Elektrotechnikstudent und gehört zu den letzten 100 Kandidaten im Mars One Projekt. In 10 Jahren möchte er auf dem Mars eine menschliche Kolonie gründen – ohne die Chance auf eine Rückkehr zur Erde. Doch warum will ein junger Mann Freunde und Familie verlassen, um auf einem unwirtlichen und lebensfeindlichen Planeten zu leben? Wir haben beim “Marsmenschen” nachgefragt.

laurentinews.de: Hallo Herr Schröder! Wissen Sie schon, wie Sie Ihren 38. Geburtstag feiern wollen?
Robert Schröder: Zusammen mit meinen marsianischen Freunden und etwas Leckerem zum Essen.

Besonders viele Gäste werden Sie zumindest nicht haben, wenn sich ihr Traum vom Mars erfüllen sollte!
Ja klar, aber für mich reichen einige Freunde aus um glücklich zu sein und die Unterstützung von der Erde wird auch riesig sein.

Ist die Reise zum Mars für sie ein Kindheitstraum? Wollten Sie schon immer Astronaut werden?
Ich wollte als Kind bereits Astronaut werden, das Ziel Mars kam erst mit genügend Überlegungszeit dazu. Die ersten Menschen auf dem Mars, die Menschheit vorantreiben in Forschung und Entwicklung, neue soziale Strukturen etablieren, das alles sind wichtige und tolle Sachen, auf die ich mich sehr freue.

Sie sind doch bestimmt Science Fiction Fan. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie Hollywoodfilme wie „Doom“, „Red Planet“ oder „Total Recall“ anschauen?
Diese Filme habe ich natürlich vorher schon alle gesehen, bevor ich etwas von Mars One wusste. Die meisten sehe ich weiterhin wegen ihres eher unterhaltenden Charakters an, aber sie inspirieren natürlich auch.

Was werden Sie ihrer Frau und ihren Kindern zum Abschied sagen, wenn sie in knapp 10 Jahren für den Rest ihres Lebens zum Mars fliegen?
Ich habe nicht vor Kinder auf der Erde zu haben, demnach fällt das raus. Es macht auch nicht so viel Sinn eine Frau auf der Erde zu haben. Ich gründe lieber eine Familie auf dem Mars, wenn wir diesen dann sicher genug gestaltet haben.

Ihre Familie und Freunde werden dennoch ein mulmiges Gefühl haben, wenn Sie in zehn Jahren für immer Lebewohl sagen?
Klar, meine Eltern wollen nicht, dass ich sie verlasse, für sie ist das mehr ein Alptraum mich nie wieder sehen zu können, auch wenn wir ständig über Videobotschaften weiter den Kontakt halten werden.

Mars One - Die Fakten

– Mars One ist eine private Stiftung, die vom niederländischen Unternehmer Bas Lansdorp angeführt wird.

– Ziel von Mars One ist es, bis zum Jahr 2025 Menschen auf dem Mars landen zu lassen und dort eine dauerhaft bewohnbare Siedlung zu errichten.

– Die Flugdauer zum Mars beträgt ungefähr sieben Erd-Monate.

– Eine Rückkehr zur Erde ist aus Kostengründen nicht geplant.

– Die Kosten des Projekts sollen ca. sechs Milliarden US-Dollar betragen und zum Großteil durch TV-Vermarktungsrechte finanziert werden.

– Grundvoraussetzung, die die Astronauten erfüllen müssen, sind neben der Volljährigkeit und guten Englisch-Kenntnissen, gute soziale Kompetenzen sowie eine gute Gesundheit.

War der nicht vorhandene Rückflug ein Problem für Sie oder konnten Sie sich damit sofort arrangieren?
Nein, es ist von Anfang an um die Kolonisierung des Mars gegangen ohne Rückflug. Ich nutze die verbleibende Zeit, um Erlebnisse bewußter wahrzunehmen und zu genießen, mich also von der Erde Schritt für Schritt zu verabschieden.

Was mögen Sie an der Erde denn nicht, dass sie unbedingt für immer auf dem Mars leben wollen?
Mein Forscherdrang treibt mich zum Mars. Es liegt nicht an der Erde, sondern daran, dass ich mit einem genialen Team dabei sein möchte, wenn wir im Weltall neue Grenzen überschreiten und unser Überleben in der Zukunft auch so besser sichern.

Der Mars ist ein Wüstenplanet, die mittlere Temperatur liegt bei -55°C – warum liegt die Zukunft der Menschheit ausgerechnet auf diesem lebensfeindlichen Planeten?
Der Mars ist der am nächsten bewohnbare und erreichbare Planet, sonst sind andere Planeten viel ungeeigneter für eine eigenständige Versorgung.

Viele kritisieren die hohen Kosten des Projekts von ca. 6 Milliarden Dollar. Könnte man das Geld nicht viel besser für Projekte auf der Erde investieren oder können die Menschen auf der Erde auch vom Mars One Projekt profitieren?
Der Aufbruch zum Mars wird eine Maschinerie an Wirtschaft und Wissenschaft antreiben, das Geld wird in Menschen und Unternehmen investiert auf der Erde, die sich z.B. darum kümmern, neue Recyclingmethoden zu schaffen, welche man ebenso für die Erde nutzen wird. Die Gelder kommen auch nicht vom Staat, sondern von Investoren die visionär in die Zukunft blicken und in den nächsten natürlichen Schritt der Menschheit investieren.

Worin sehen Sie die größte Hürde bei der Realisierung des Mars One Projektes?
Ich sehe keine großen Hürden, nur Herausforderungen, welche wir aber meistern werden.

Sie sind nun in den TOP 100. Was haben Sie zuerst gedacht, als Sie davon erfahren haben?
Gedacht habe ich nicht viel, ich bin seit zwei Jahren ständig am Projekt und habe mir bereits etliche Gedanken machen können. Es war in diesem Augenblick ein glücklicher und perfekter Moment.

Welche besonderen Fähigkeiten besitzen Sie, die Sie zu einem geeigneten Repräsentanten der menschlichen Spezies machen?
Ich bin im naturwissenschaftlichen Bereich breit aufgestellt, besitze eine gute Teamfähigkeit, Kreativität, ich bin anpassungsfähig und bleibe am Ball. Einfach ein Alleskönner, das braucht man da oben auf dem Mars. Man muss im Team selbständig alles erledigen können.

Man muss also kein Draufgänger und Abenteurer sein, um ein idealer Mars One Kandidat zu sein?
Nein, das ist die falsche Einstellung, dafür kann man hier auf der Erde auch Extremsportarten betreiben.

Wie haben Sie sich bislang auf das Mars One Projekt vorbereitet und wie geht es nun für Sie weiter?
Ich bin einfach ich selbst geblieben, versuche noch etwas sportlicher zu werden und die TOP 100 besser kennenzulernen.

Halten Sie es für möglich, dass Sie, wenn es ernst wird, doch noch einen Rückzieher machen könnten?
Nein.

Laut Expertenschätzungen haben Astronauten nur ein Chance von 30 Prozent überhaupt lebend auf dem Mars anzukommen. Haben Sie keine Angst?
Nein, das sind alles bloße Vermutungen. Die Missionen vorab zum Mars basieren alle auf der selben Technik: selbe Rakete, selber Mars Lander, es wird das am besten getestete System auf dem Mars sein. Wir werden auch an der Technik ausgebildet werden, sind also immer auf dem aktuellsten Stand. Erst wenn die Vorräte in der Life Support Unit durch den Mars Rover und die Technik gefüllt werden, also Wassertanks z.B., wird die erste bemannte Mission zum Mars aufbrechen. Alles ist durchdacht und darauf ausgelegt, so schnell wie möglich so selbständig wie nötig zu sein. Das fängt dann mit der Produktion der Ressourcen vor Ort an.

Wie stellen Sie sich das Leben auf dem Mars vor? Kein Vogelgezwitscher, kein Baden im See, kein leckeres Steak?
Alles am Laufen halten, überwachen, reparieren. In der Freizeit mit Freunden Spiele spielen, die üblichen Dinge eben. Raus gehen, Höhlensysteme erforschen, neue Räume erschließen für unsere Nutzung zum Anbau von z.B. Bäumen.

Was würden Sie denn am meisten vermissen?
Meine Familie und sicherlich all das, was man kennt von der Erde, was einfach ein großer Antrieb auch ist, dies auf dem Mars Stück für Stück zu realisieren.

Dürfen Sie auch einige private Gegenstände mitnehmen?
Klar, ich würde mir dann Einiges zum Essen mitnehmen z.B. Süßigkeiten, da wir uns auf dem Mars erst einmal vegan und eventuell von Insekten ernähren werden. Sonst können wir alles digital von der Erde ebenso beziehen, das dauert dann einfach etwas länger wegen der Zeitverzögerung.

Wie sieht es eigentlich mit der Liebe aus? Die Auswahl an potentiellen Partnern ist ja durchaus überschaubar.
Liebe kann man nicht erzwingen, also entweder hat man Glück oder man hat einfach gute Freundschaften.

Droht bei so wenigen Menschen nicht relativ schnell ein Lagerkoller?
Ich komm prima mit wenigen Freunden aus, dazu brauche ich nicht viele und mir ist nicht langweilig.

Was machen Sie eigentlich, wenn Sie auf dem Mars plötzlich Zahnschmerzen bekommen?
Wir sind ausgebildet in der Medizin. Da so etwas auch nicht dringlich ist, kann man auch auf Untersuchungsergebnisse von der Erde warten. Auch werden wir uns ständig medizinisch überwachen, da dies auch sehr interessant für die Wissenschaft ist.

Neil Armstrong sagte beim Betreten des Mondes seinen berühmten Satz “That’s one small step for man, one giant leap for mankind.“ Haben Sie sich auch schon einen Satz für ihren ersten Schritt ausgedacht?
Dazu ist es für mich zu früh, da habe ich noch kein “Spruch” parat, kann es aber auch einfach spontan halten.

Für wie realistisch halten Sie es, dass die Mission wirklich startet?
Es wird passieren.

Wenn es denn am Ende nun doch nicht mit dem Mars klappen sollte, wie sieht ihr Plan B aus? Wenigstens mal ein kleiner Abstecher zum Mond?
Falls ich aus der Auswahl rausfalle, bleibe ich weiter aktiv im Bereich der Forschung und Entwicklung und richte dann mein Schwerpunkt eher auf den Weltraum oder versuche eigene Forschung voran zu treiben, wie mein Projekt “Cyano Knights” , was den zweiten Platz gemacht hat bei der Mars One University Competition.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für Ihr tolles Projekt!
Vielen Dank für die schönen Fragen!

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