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Pride Month – Ein Monat voller Stolz

Seit dem Aufstand um den „Stonewall-Inn“ im Jahre 1969 ist der Juni der „Pride Month“. Es ist ein Monat, der den Angehörigen der LGBTQ+ Community eine Möglichkeit gibt, ihre Stimmen zu finden und sich gegen Diskriminierung und für ihre Menschenrechte in der Welt auszusprechen. Folglich ist „Pride Month“ ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Wir erklären euch die Hintergründe dieses besonderen Monats.

Die Geschichte hinter „Pride“

„LGBTQ“, oder, im Deutschen, „LSBTQ“, steht als Kürzel für die Gruppe von Menschen, die sich unter lesbisch, schwul (im Englischen, „gay“, woher das G im Kürzel kommt), bisexuell, transgeschlechtlich oder generell queer zählen. Queer ist hierbei ein Begriff, der als Sammelwort für die genannten Dinge benutzt wird, oder bei Fällen in denen sich jemand nicht direkt zuordnen kann, aber weiß, dass er nicht heterosexuell ist.

Auch wenn man diese Begriffe noch nie zuvor gehört hat, kann man aus historischen Schriften erkennen, dass es die Menschen, die sich so identifizieren, schon seit Jahrtausenden gibt. So zum Beispiel in der Antike, wobei besonders das Römische Reich und das antike Griechenland eine große Rolle spielen. Homosexualität war damals ganz normal in der Gesellschaft, besonders in den oberen Schichten. Auch Schriften, in denen von transgeschlechtlichen Frauen als Priesterinnen gesprochen wird, gibt es schon seit 4500 Jahren, sowohl im Römischen Reich, Griechenland und Mesopotamien. Diese Frauen wurden in den alten Sprachen entweder „gala“ oder „galli“ genannt. Sie wurden mit männlichen Geschlechtsteilen geboren und haben sie mit zum Beispiel Schwertern im Laufe ihres Lebens entfernt. Behandelt wurden sie genau wie alle anderen Priesterinnen, die schon mit weiblichen Geschlechtsteilen geboren wurden.

Auch andere wichtige historische Personen dieser Zeit gehörten der LGBTQ+-Community an – zum Beispiel Kaiser Nero, der zwei Männer heiratete, und Kaiserin Elagabal, die mit männlichen Geschlechtsteilen geboren wurde, aber als Frau angesprochen werden wollte.

Selbst wenn man noch weiter zurückblicken möchte, wurden auch schon Höhlenzeichnungen von vor 12.000 Jahren gefunden, wo homosexuelle Beziehungen dargestellt wurden.

Zwei Männer und eine Frau beim Geschlechtsakt; pompejanische Wandmalerei, Vorstadt-Thermen, Südwand des Auskleideraums, um 79 v. Chr. (Gemeinfrei)

Sehr lange Zeit gab es also kaum Probleme damit, LGBTQ+ zu sein, auch wenn man es in dieser Zeit natürlich noch nicht so bezeichnete.

Ab dem 12. Jahrhundert begann die Gesellschaft sich, vor allem durch Religion, zu wandeln. Schriften, wie zum Beispiel die Bibel, dämonisierten Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit und alles andere was es in diese Richtung nun mal gibt. Ein wichtiges Ereignis dabei ist das Verbot von „Sodomie“, der abwertende Begriff für „homosexuelles Verhalten“ im Jahre 1120 in Jerusalem. Weiterhin kamen in englischen Schriften zwischen 1250 und 1300 inhaltlich zum ersten Mal Strafmaßnahmen gegen Homosexualität vor.

Ein englischer Historiker namens John Boswell sagt über diese Jahre: „In den Jahren zwischen 1250 und 1300 wurden die bislang im größten Teil Europas völlig legalen homosexuellen Aktivitäten zu einer in den meisten zeitgenössischen Gesetzessammlungen mit der Todesstrafe bedrohten Straftat.“

Mitglieder der LGBTQ+-Community wurden für die Pest verantwortlich gemacht und auch für alle anderen Katastrophen, zusammen mit anderen Randgruppen der Gesellschaft. Fand man raus, dass jemand homoerotische Handlungen verzogen hatte, wurde er gesteinigt, gefoltert, verbrannt, gekreuzigt, ertränkt oder was auch immer sich die Menschen, die in der Macht waren zu entscheiden, sich einfallen ließen. Sie waren in der Gesellschaft wertlos und rechtlos.

Die Geschichte geht aufwärts

Erst am Ende des 18. Jahrhunderts gab es einige Lichtblicke: 1795 entkriminalisierten Belgien und Luxemburg die Homosexualität, bereits 1810 zieht die Niederlande nach. 1830 folgt auch Brasilien in diesem Feld, und der Begriff „asexuell“ wird das erste Mal aktiv in der Biologie erwähnt. Im Vergleich dazu kommt es in dem „Land der Freiheit“, den USA, erst 1962 dazu, dass ein einzelner Staat, Illinois, Homosexualität entkriminalisiert.

Deutschland weist eine Art Achterbahnfahrt bei den Rechten für LGBTQ+-Mitglieder auf – 1864 bis 1867 arbeitete Karl Heinrich Ulrichs als schwuler Anwalt gegen die Diskriminierung, 1871 wurde es aber unter der Gründung des Deutschen Kaiserreiches alles hingeworfen und die Homosexualität wieder unter Strafe gestellt. Zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Machtübernahme der Nazis nahm Magnus Hirschfeld auf, was Ulrichs versucht hatte. Seine Schriften wurden dann wiederrum 1933 von den Nazis verbrannt. Entkriminalisiert wurde Homosexualität dann in der DDR und der BRD 1969.

1972 bietet Schweden Transsexuellen die Möglichkeit, eine kostenlose Hormontherapie anzunehmen und erlaubt automatisch auch dadurch die offizielle Änderung des Geschlechts.

Bereits 1989 erlaubte Dänemark gleichgeschlechtlichen Paaren, sich in eine registrierte Partnerschaft zu begeben, elf Jahre später wurde die erste gleichberechtigte „Homo-Ehe“ in den Niederlanden eingeführt. 27 weitere Staaten, darunter Deutschland, Südafrika, als einziges Land in Afrika und Vietnam, als einziges Land in Asien, folgten diesem Beispiel.

Seit dem 1. Oktober 2017 gilt auch in Deutschland die “Ehe für alle”. (Bildquelle: Pixabay / gemeinfrei)

Der Einfluss des „Pride Month“

Viele dieser Erfolge wären ohne den jährlichen Pride Month gar nicht zustande gekommen, da nur so genug Aufmerksamkeit erregt werden konnte, dass die Politiker sich gezwungen sahen, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Die ursprüngliche Geschichte des Pride Month ist die eines vollen Fasses, bei dem ein Polizeieinsatz der letzte Tropfen ist, bevor alles überläuft.

Wir befinden uns wieder in der Vergangenheit, im Jahr 1969. Damals war in den USA Homosexualität nur in Illinois legal, weswegen die Schwulenbar „Stonewall Inn“, die in dem Staat New York auf der Christopher St. gegründet wurde, ständig unter polizeilicher Aufsicht stand. Willkürlich stürmten Polizisten die Bar und belästigten die LGBTQ+-Mitglieder, die sich dort einfach nur sicher fühlen wollten.

Es war üblich, dass diese Razzien passierten, jedoch war es den Besuchern der Bar an diesem einen Abend, dem 28. Juni 1969, letztendlich genug.

Zeugenberichte besagen, dass Undercover Polizisten, kurz darauf aber auch ganz normal in Uniform gekleidete, die Bar stürmten und versuchten, wahllos Besucher zu verhaften, so auch die zwei transgeschlechtlichen Frauen und Ikonen der Bewegung, Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera.

Die beiden widersetzten sich der Verhaftung aktiv und manche berichten, dass Johnson und Rivera auch die ersten waren, die etwas nach den Polizisten warfen, um sich zu verteidigen. Alle anderen stiegen mit ein, warfen Münzen, Flaschen, Stühle und viele andere Dinge nach den Polizisten, stachen zum Teil sogar die Reifen ihrer Autos kaputt. Erst nach einigen Stunden mussten sich die Polizisten zurückziehen und verbarrikadierten sich innerhalb des Stonewall Inn. Erstaunlicherweise wurde keiner in dieser Nacht schwer verletzt oder getötet. Erst als die Bar mit mehr Unterstützern als je zuvor in der nächsten Nacht wieder öffnete, kam es zu einem Polizeieinsatz mit Tränengas, bei dem einige LGBTQ+-Menschen schwerere Verletzungen erlitten.

Dennoch war die Bewegung nicht mehr unterzukriegen, da sie nun endlich das Gefühl hatten, dass sie sich wehren konnten. Sie protestierten gegen Beleidigungen von Zeitungen wie zum Beispiel der New York Times, und bewirkten, dass der 28. Juni in die Geschichte eingeht und in einer Art Kettenreaktion zu unserem heutigen Pride Month führt. Zunächst war es ein Gedenktag an die Aufstände, dann eine Woche, und über einige weitere Jahre wurde es zu unserem heutigen Pride Month. Auch in Europa nahm dieser neugewonnene Stolz für einen Teil seiner Identität, den man sonst verstecken musste, Form an. So übernahm Schweden bereits 1977 die Idee von „Pride Parades“, bei uns auch CSDs genannt. Die BRD zog zwei Jahre später nach.

In vielen Städten auf der ganzen Welt finden im Juni “Pride Parades” statt. (Bildquelle: Pixabay / gemeinfrei)

Mittlerweile gibt es sogar für jeden Tag des Junis eine andere Sexualität oder Geschlechtsidentität, die an dem jeweiligen Tag im Vordergrund steht. Viele beachten das aber auch letztendlich nicht, denn Pride ist Pride und es ist dafür da, allen LGBTQ+-Angehörigen ihre Ehre zu erteilen.

Es ist nicht vorbei

Nun denken manche, wenn doch die Rechte für die LGBTQ+-Community hier so weit fortgeschritten sind, wozu brauchen wir den Pride Month überhaupt noch?

Doch leider sind diese Menschen nicht überall so frei wie in Deutschland – nach momentanen Standpunkt werden homosexuelle Handlungen in fünfzehn Ländern auf der Welt mit der Todesstrafe verfolgt. In 55 Ländern wird man für seine Sexualität, wenn man nicht hetero ist, eingesperrt. Die Haftzeit hierfür reicht zwischen sechs Monaten und lebenslänglich. Nur in Europa ist man heutzutage als Homosexueller in jedem Land rechtlich legal.

Wir brauchen Pride Month für all diejenigen, die sich nicht verteidigen können, wenn sie mit Diskriminierung und Hass konfrontiert werden. Wir brauchen Pride Month für all die Jugendlichen, die von ihrer Familie verstoßen werden wegen etwas, was sie nicht kontrollieren können, wegen etwas, was sogar in der Tierwelt nachgewiesen wurde. Wir alle müssen unsere Freiheit nutzen, um denen, die dieses Recht nicht haben, eine Stimme zu geben. Nur weil man in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern weniger Diskriminierung gegen LGBTQ+ feststellt, heißt es nicht, dass der Kampf um die Freiheit, sich in seiner Identität ausleben zu dürfen, vorbei ist. Nicht, wenn in elf Ländern auf der Welt immer noch unschuldige Menschen umgebracht werden.

Pride Month und die Solidarität, die mit dem Juni jährlich mitschwingt, hat noch lange nicht seinen Nutzen verloren.

Text und Recherche: Jara-Sofie Wilms

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