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Schweinefilet unplugged

Lena und ich trafen uns auf einem Parkplatz vor einem Wohnhaus in Ramsloh. Obwohl wir eine Adresse hatten, wussten wir nicht genau, wohin wir nun gehen mussten. Also immer der Nase nach.  Man konnte schon bereits auf dem Parkplatz riechen, wer hier wo zu Gange war. Wir waren eingeladen zum Dinner bei Herrn Schröder, unserem allseits bekannten und beliebten Deutschlehrer.

Der gedeckte Tisch – klein und gemütlich.

Ein kurzer Treppenaufstieg in die erste Etage, da sahen wir schon die offene Tür am Ende des Ganges, aus der uns Herr Schröder zuwinkte. Jedoch verschwand er auch genauso schnell wieder. Da das Dinner noch nicht fertig war, überstieg die Sorge, etwas könne bei drei parallel zubereiteten Gerichten anbrennen, dann doch den Wunsch nach einer herzlichen Begrüßung. „Kein Problem“, sagten wir und gingen weiter auf die Wohnung zu.

An der Türschwelle angekommen, erstreckte sich vor uns erneut ein längerer Flur, dahinter das Wohnzimmer, nebenan die Küche, aus der man unseren Lehrer weiter eifrig kochen hören konnte. Eine auf den ersten Blick recht kompakte aber gemütliche Wohnung, dachten wir. Wir hingen unsere Jacken auf, worauf Herr Schröder gleich aus der Küche kam und erneut auf eine, diesmal ordentliche, Begrüßung bestand. „Fühlt euch wie Zuhause“, sagte er, „ich komme sofort dazu“.

Da Herr Schröder seine Familie nur am Wochenende sieht, hängen in der Wohnung viele selbstgemachte Familienfotos.

Dieses Angebot nahmen wir gerne an und setzten uns an den kleinen, aber feinen Tisch in der Mitte des Raums. „Den habe ich extra für heute herbringen lassen“, meinte Herr Schröder mit der Begründung, er esse ja sonst immer auf seinem Couchtisch – was aber nicht weiter verwunderlich ist, da kein größerer Tisch benötigt wird, denn unter der Arbeitswoche wohnt er hier allein und fährt nur am Wochenende zu seiner Familie.

Nun saßen wir also am fein säuberlich hergerichteten Tisch, in dessen Mitte sich eine Kerze als Dekoration befand. Man könnte nun meinen: „Wie?! Das war alles? Eine einzige Kerze und mehr nicht?“, jedoch reden wir hier von höchst effektiver und effizienter Tischdekoration, denn mit drei Tellern plus Besteck und Gläsern und dieser einen Kerze, war die mögliche Auflagefläche des Tisches wohl oder übel voll ausgereizt.

Die Vorspeise: Salat mit gebratenem Serrano Schinken, Mandarinen, Parmesan und Balsamico-Dressing.

Nachdem Herr Schröder uns einschenkte, kündigte er an, die Vorspeise würde jeden Augenblick kommen. In der Zwischenzeit hätten wir die Möglichkeit, uns unsere eigene Tischmusik auszuwählen. Ich meinte, mir wäre es egal, wohingegen Lena unbedingt auf One Direction bestand. So egal war es mir dann doch wieder nicht, aber nun ja, Ansichtssache.

Herr Schröder erinnerte uns, dass das Motto des Abends „Klassiker“ sei und wir waren gespannt auf das, was uns serviert werden würde. Die von Herrn Schröder hochgerechneten 3000 Kalorien sollten es dann doch nicht werden. Die Vorspeise war ein frischer Salat mit feinem gebratenem Serrano-Schinken, Mandarinenstückchen, Parmesan und Balsamico-Dressing, abgerundet mit einer ordentlichen Menge an Pfeffer.
Bei diesem großartigem Anblick mochte man erst gar nicht glauben, dass dies eines der sehr wenigen Male war, an denen Herr Schröder kochte, denn ansonsten seien Tiefkühlpizza und Ähnliches an der Tagesordnung. Das alles sah man dem Salat beim besten Willen nicht an, denn die gesamten Zutaten ergänzten sich großartig und alles schmeckte hervorragend. Für Lena und mich war es etwas, das wir so, in dieser Art, noch nie gegessen haben.

Hier wird gearbeitet und Musik gemacht.

Solange er den Hauptgang vorbereite, hätten wir die Möglichkeit seine Wohnung zu „erkunden“, teilte Herr Schröder uns mit, mit der Anmerkung, wir sollten uns doch bitte nicht im Westflügel verlaufen. Der etwa 4m lange Flur war gemeint. Das sollte uns schon nicht zu schwer fallen, dachte ich und bemerkte beim Rundblick im Wohnzimmer relativ schnell, dass meine rote Hose ausgesprochen gut zur Inneneinrichtung passte. Vorwiegend rote und weiße Möbel waren vorzufinden, die höchstwahrscheinlich von einem schwedischen Möbelhaus gekauft sein mussten. Was einem im Wohnzimmer, dem eigentlichem „Hauptraum“, auch sofort auffiel, war der riesige Schreibtisch, der relativ mittig im Raum platziert war und einen Großteil dessen für sich einnahm. Auf ihm befand sich der übliche Arbeitskram wie Papiere, Ordner, Stifte, Tastatur und Maus etc. und natürlich ein – nein, sogar zwei –  Bildschirme – wobei der dritte schon bald folgen solle, teilte uns unser Lehrer stolz mit.

Herr Schröder sorgt selbst für die musikalische Unterhaltung am Abend.

Auf der anderen Seite des Schreibtisches befand sich das eigentliche Schmuckstück der gesamten Wohnung. Eine Gitarrensammlung bestehend aus zwei Stratocastern (eine in weiß, die andere in „aged“ surf green) und einer Akustikgitarre mit Tonabnehmer, einem Keyboard und einer Vielzahl an Effektgeräten. Ein Traum für jeden Musiker. Da sich herausstellte, dass Lena und ich beide Gitarre spielen, kamen wir mit Herr Schröder schnell darüber ins Gespräch und fanden unter anderem heraus, dass er bereits seit 14 Jahren Gitarre spielt, was man durchaus merken konnte, als er uns eine „Kostprobe“ seines Könnens präsentierte. Lena und ich waren schlichtweg umgehauen. Als dann noch die einzelnen Effekte ins Spiel kamen, war für uns beide klar, was für uns die voraussichtlich nächste Investition werden würde.

Auch wir mussten in die Saiten greifen.

Das dauerhafte, begeisterte Grinsen wollte schon gar nicht mehr aufhören, bis zu dem Punkt, an dem Herr Schröder sagte: „So, jetzt seid ihr mal dran.“ Unsere Versuche uns aus dieser Situation herauszureden scheiterten kläglich, denn Herr Schröder hielt uns jeweils den Gurt einer Gitarre hin und sah uns erwartungsvoll an. So spielten wir den Abend gefühlt mehr Gitarre, als das wir uns mit dem eigentlichem Essen befassten – aber da dieses ja nicht komplett in Vergessenheit geraten soll, weiter mit dem Hauptgang:

Hauptgang: Gebratenes Schweinefilet mit Schafskäse, Kartoffelecken und Paprikagemüse.

In gebratenes Schweinefilet eingebundener Schafskäse mit Kräutern und gewürzten Kartoffelecken. Als Beilage gab es mit Zitrone verfeinerte gelbe Paprika. Auch hier schmeckte wieder alles hervorragend, nur das Fleisch ist dann doch etwas zu trocken geraten. Ganz vertieft in die interessanten Gespräche mit Herr Schröder, teils über seine Familie, teils weiter übers Gitarre spielen, vergaß ich dann doch fast das Essen und wunderte mich, wie schnell das Dessert vor meiner Nase stand.

Ein Klassiker zum Dessert: Milchreis mit heißen Kirschen und Zimt

Diesmal etwas sehr Klassisches und Herzhaftes, was sicherlich nicht nur unser Lehrer, sondern bestimmt auch die meisten von uns gern in ihrer Kindheit, wie auch jetzt noch essen und gegessen haben: Reis auf warmen Kirschen mit Zimt. Sehr einfach, dafür umso leckerer. Da konnten Lena und ich auf einen Nachschlag beim besten Willen nicht verzichten.

Mit Sicherheit wäre es nicht bei nur einem Nachschlag geblieben, wäre da nicht die Zeit gewesen. So endet auch dieses Dinner nach etwas mehr als zwei Stunden, wobei wir selbstverständlich gerne länger geblieben wären.

Im Mittelpunkt des Abends: Musik!

In Herrn Schröders kleiner und gemütlicher Wohnung war die Atmosphäre von Anfang an sehr gut und wir haben uns rundum wohl gefühlt. Nur die Begrüßung war etwas holprig. So vergeben wir hier 9/10 Punkten für das Ambiente.
Das Essen war in allen drei Gängen hervorragend, bis auf das Fleisch des Hauptgangs, das, wie schon erwähnt, ein wenig zu trocken geworden ist. Jedoch müssen wir berücksichtigen, dass dies eines der wenigen Male war, an denen Herr Schröder selber gekocht hat. Also geben wir auch hier wieder 9/10 Punkten. Gegen die musikalische Verbrechen, die mir im Laufe des Abends mit One Direction und andere Boy-Bands bzw. Singer/Songwritern der Welt angetan wurden, kann man leider nichts machen und Lena hat es  schließlich gefallen. Jedoch ist die Option eigener Tischmusik auf alle Fälle originell und verdient als Beispiel für die gesamte Gastfreundlichkeit von Herrn Schröder ganze 10/10 Punkten. Ein Mangel an Unterhaltung steht für dieses Dinner vollkommen außer Frage, darum auch hier 10/10 Punkten.

Die Bewertung des perfekten Lehrerdinners bei Herrn Schröder.

Unterm Strich macht das 38 der 40 möglichen Punkte. Ein sehr gelungenes Dinner mit leckeren Klassikern und einigem Ohrenschmaus , auf das unser Deutschlehrer sehr stolz sein kann.

1 Kommentar

  1. Sorry , verschrieben . Wer kommt als nächstes ?

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