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Von AHA-Regel bis Zoomparty – Wie Corona unsere Sprache verändert

Die Corona-Pandemie hat unseren Alltag komplett auf den Kopf gestellt. Was im letzten Jahr noch vollkommen normal war, erscheint uns heute kaum vorstellbar. Auch unsere Sprache verändert sich durch solch einschneidende Ereignisse rasant. Viele neue Begriffen haben sich in unseren Wortschatz ausgebreitet, die vor Kurzem noch keiner kannte.

Dass in unserer Sprache neue Wörter auftauchen ist ein vollkommen normaler Prozess, der mit der politischen, gesellschaftlichen und technischen Entwicklung eng verknüpft ist. Noch vor 10 Jahren wusste kaum jemand, was ein „Streaming Dienst“ ist. Wörter, die neu entstehen oder die eine neue Bedeutung bekommen und in unseren alltäglichen Sprachgebrauch aufgenommen werden, bezeichnet man als Neologismen.

Typisch für Neologismen ist, dass es häufig metaphorische, also bildliche Begriffe sind, die nicht nur eine rein beschreibende Funktion haben, sondern auch unsere Meinung und unsere Emotionen zu einem Thema widerspiegeln sollen. Gerade durch die Corona Pandemie, die viele Menschen verständlicherweise auch emotional sehr berührt, sind viele solcher Neologismen entstanden. Sogar martialische Begriffe aus der Kriegsführung werden immer wieder im Zusammenhang mit Corona verwendet. So ist von einem „unsichtbaren Feind“ die Rede oder von Pflegekräften, die im „Kampf gegen Corona“ an der „Frontlinie“ stehen. Der Aufnahmeprozess in den allgemeinen Wortschatz, der bei Neologismen oft Jahre dauern kann, ging bei der Corona-Pandemie fast so schnell voran wie die Ausbreitung des Virus selbst. Die Pandemie sorgt für so viele Wortneuschöpfungen, dass das Leibniz-Institut für deutsche Sprache (IDS) ein Neologismenwörterbuch rund um die Coronapandemie ins Leben gerufen hat. Wir stellen euch einige der Corona-Wortneuschöpfungen vor.

Abstand halten ist ein wichtiger Punkt bei der Umsetzung der AHA-Regel. (Bildquelle: pixabay.com / Lizenz CC0)

AHA-Regel: Die vom Robert-Koch-Institut empfohlene Regel gibt an, wie man am effektivsten eine Coronainfektion verhindern kann. AHA steht für: Abstand halten – Händehygiene – Alltagsmasken. Später wurde die AHA-Regel durch ein „L“ für Lüften und ein weiteres „A“ für die Corona-Warnapp ergänzt.

Balkonklatscher: Gerade zu Beginn der Pandemie wurde für Personen, die in systemrelevanten Berufen als Krankenschwester, Arzt oder als Kassierer im Supermarkt arbeiteten, auf Balkonen geklatscht. Dieser Begriff bekam allerdings schnell eine abwertende Bedeutung, weil kritisch angemerkt wurde, dass Klatschen allein diesen Menschen nicht hilft, sondern letztendlich nur eine bessere Bezahlung.

Covidiot: Dieser Neologismus, der sich aus den Worten „Covid“ und „Idiot“ zusammensetzt, bezeichnet eine Person, die sich bewusst über geltende Corona-Maßnahmen hinwegsetzt und dies oft mit Verschwörungstheorien begründet. SPD-Chefin Saskia Esken hatte in einem Tweet Demonstranten so bezeichnet und bekam deswegen etliche Strafanzeigen wegen Beleidigung. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin sagte jedoch dazu, dass “die zugespitzte Bezeichnung ‘Covidiot’ als Meinungsäußerung in der politischen Auseinandersetzung in der Corona-Pandemie nicht strafbar und von der verfassungsrechtlich geschützten Meinungsfreiheit gedeckt” sei.

Einkaufswagen voller Klopapier waren im Frühjahr ein oft gesehenes Bild. Die Hamsteritis griff um sich (Bildquelle: pixabay.com / Lizenz CC0)

Hamsteritis: Die Neigung, große Mengen bestimmter Produkte zu bevorraten, konnte man vor allem im Frühjahr beobachten, als plötzlich flächendeckend Klopapier, Nudeln und Hefe in vielen Supermärkten ausverkauft war. Menschen, die Klopapier horteten, wurden deshalb auch als Zellstoffhamster bezeichnet.

Krisenfriese: Sowohl beim ersten als auch beim zweiten Lockdown mussten viele Friseurgeschäfte schließen. Die dadurch bei vielen Menschen aus der Form geratenen Frisuren bezeichnete man als Krisenfriese.

New Normal: So schwer es einigen auch fällt, sich an bestimmte Regeln zu halten, so alltäglich sind manche Dinge für uns inzwischen geworden, wie z. B. das Maskentragen beim Einkaufen. Dieser Zustand des eingeschränkten Lebens wurde deshalb als die Neue Normalität oder eben New Normal bezeichnet.

PDF-Schleuder: Lernplattformen wurden für das Lernen von Zuhause, auch als Homeschooling bekannt, schnell zu einer neuen Form des Lernens. Da für viele Schulen digitales Lernen noch „Neuland“ ist, bestand und besteht das digitale Lernen nicht in interaktiven Lernformen, sondern aus digitalisierten Arbeitsblättern, von denen viele Schüler*innen regelrecht überflutet wurden. Deswegen spricht man in diesem Fall auch von PDF-Schleudern.

Die Alltagsmasken, auch bekannt als “Schnutenpullis”, werden zum Trocknen auf die Leine gehängt. (Bildquelle: pixabay.com / Lizenz CC0)

Schnutenpulli: Gerade zu Beginn der Pandemie mangelte es an Alltagsmasken. Die wenigen verfügbaren Masken waren für medizinisches Personal vorgesehen. Also fingen viele Menschen an sich selber Masken zu nähen. Diese selbstgenähten, oft farbenfrohen Alltagsmasken, bezeichnet man als Schnutenpullis.

Tinywedding: Aufgrund der Personenbegrenzung von Hochzeitsfeiern mussten viele Hochzeitspaare ihre Hochzeit umplanen oder ganz absagen. Einige feierten auch nur noch mit ganz engen Freunden und der Familie. Diese Hochzeiten im kleinsten Kreis bezeichnet man als Tinywedding (Englisch für „kleine Hochzeit“).

Videokonferenzen ersetzen die Treffen mit Freunden und Verwandten. Einige Menschen fühlen sich inzwischen “overzoomed”, (Bildquelle: pixabay.com / Lizenz CC0)

Zoomparty: Die Videokonferenzplattform wurde in der Schule und in der Arbeitswelt schnell zum gängigen Weg, um Konferenzen oder Unterricht abzuhalten. Aber auch im privaten Bereich trifft man sich nun virtuell bei Zoomkonferenzen, um gute Freunde und Verwandte zu sehen, zu spielen oder gemeinsam Filme zu schauen. Diese virtuellen Zusammenkünfte bezeichnet man deshalb auch als Zoompartys. Menschen, die von zu vielen Zoomkonferenzen gestresst sind, bezeichnen sich auch gerne als „overzoomed“.

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