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“Wer aufgibt, hat schon verloren”

Trotz eines schweren Unfalls und 10 Monaten im Wachkoma kämpft sich Rolf Battram zurück in das normale Leben. Die Familie investiert viel Zeit und Liebe für ihn, um an dieses Ziel zu gelangen.

Als es in der Nacht des 16. August 2009 an der Tür von Petra und Harald Battram klingelte, ahnten sie zunächst nichts Böses: „Ich dachte, Rolf hätte etwas vergessen“, erinnert sich Petra Battram. Als sie die Tür öffnete, der Schock: Die Polizei und ein Seelsorger standen vor der Tür. Als sie davon sprachen, dass ihr Sohn Rolf – heute 27 Jahre alt – einen Unfall gehabt habe, brach eine Welt für die Eltern zusammen.

„Die Polizei gab uns nur wenig Hoffnung“, sagt Petra Battram. Zusammen mit dem Seelsorger fuhren sie zum evangelischen Krankenhaus nach Oldenburg. Dort angekommen, erfuhren die Eltern, dass ihr Sohn neun Stunden operiert werden musste und viermal wiederbelebt wurde. „Wir hatten richtige Angst um unseren Rolf“, erinnert sich die Mutter. Als die Ärzte ihnen mitteilten, dass er ins Koma gefallen sei, blieben die Eltern rund um die Uhr bei ihm.

Jedes Mal, wenn die Familie ins Krankenhaus fuhr, hatte sie Angst, was sie erwarten würde. „Die Ärzte sagten, er habe nur eine geringe Überlebenschance“, so Petra Battram. Immer wieder hat die Familie mit Rolf gesprochen, seine Hand gehalten und Lieder gesungen, „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo und „Geboren um zu leben“ von Unheilig. Petra Battram meint, dass Rolf auf Berührungen und Ansprache reagiert habe.

Nach zehn Monaten Wachkoma hatten die Ärzte ihn längst aufgegeben. Doch dann begann er, sich wieder zu bewegen, zu sprechen. Die Eltern weinten vor Freude. Schnell wurde klar, dass Rolf alles neu erlernen musste, wie etwa zu essen. Als erstes sollte er seinen Zeigefinger heben. Stolz zeigt der 27-Jährige, was er heute kann, was ihm damals so schwer fiel.

Der Unfall hat den ganzen Tagesablauf der Familie umgeworfen. Alle Feste finden heute im Haus der Familie Battram statt. „Seit dem Unfall mag ich auch gar nicht mehr feiern gehen“, sagt die Mutter. Das störe sie aber nicht, sie freue sich vielmehr, mit Rolf zu lernen. Es mache ihm schließlich Spaß, da er gut mitmache.

Damals wohnte die Familie zur Miete in einer viel zu engen Wohnung. Daraufhin bauten sie ein behindertengerechtes Haus. Das finanzierten sie durch Spenden, Geld von der Versicherung und investierten selbst. „Wir zahlen Miete an Rolf, da es sein Haus ist“, berichtet Petra Battram. Er sei der Hausherr, berichtet Sohn Rolf daraufhin mit einem Lächeln, Mutter Petra sei die Putzfrau und Vater Harald der Gärtner.

Das neue Haus ist geräumig und bietet genügend Platz. Rolf hat seit seinem Unfall eine starke Seh- und Gehbehinderung. „Er verhält sich noch etwas kindlich“, fügt die Mutter hinzu. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Rolf in einem halben Jahr nur mit einem Handstock hier herum laufen wird“, gibt sie sich optimistisch. Etwa 13 Monate nach seinem Unfall bekam Rolf einen Shunt, eine Verbindung zwischen zwei Blutgefäßen oder Hohlräumen, im Kopf eingesetzt. Seither machte er große Fortschritte. Um weitere Fortschritte erzielen zu können, macht Rolf verschiedene Übungen wie Laufen, Gewichte heben, Bauchtraining, Logopädie, Ergotherapie und Krankengymnastik.

Heute kann Rolf schon vieles, ganz ohne Hilfe kommt er dennoch noch nicht aus. Er kann sich selber anziehen, essen, trinken, ein paar Schritte laufen. Petra Battram erzählt, dass er schon gut sprechen und auch diskutieren kann. „Den Weihnachtsbaum schmücken und Kartoffelsalat machen“, fügt Rolf hinzu. Er ist auf Hilfsmittel angewiesen, hat einen Duschstuhl, einen Rollator, Nachtschienen, Gehschienen und einen speziellen Rollstuhl.

Dass er irgendwann selbstständig leben kann, das ist der große Wunsch von Familie Battram. Petra rät anderen, die in der gleichen Situation sind, niemals aufzugeben, auch wenn es schwer ist, den Menschen nach Hause zu holen. Und ganz wichtig sei, betont sie, ganz viel Liebe zu geben. „Wer aufgibt, hat schon verloren“, sagt Rolf dazu.

Bald hat die Familie wieder einen Auftritt bei „Stern TV“, den zweiten nach 2009. Die Dreharbeiten haben schon begonnen. Außerdem geht es bald nach Bayern: Rolf Battram ist von Philipp Lahm zum Essen, Training und zum Spiel von Bayern München eingeladen worden. Stolz zeigte er auf ein T-Shirt in seinem Zimmer, das sein Fußballidol Philipp Lahm ihm nach einem Spiel geschenkt hatte. „Ich durfte es nicht waschen“, schmunzelt Petra.

Rolf Battram und seine Familie sind richtige Kämpfer, da sie nie die Hoffnung verloren haben. Wir wünschen ihnen, dass sie weiterhin gemeinsam so erfolgreich den Weg zurück in ein normales Leben gehen können.

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