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Wir sind Nobelpreis – Wir sind EU

Für viele war es eine große Überraschung, als das Friedensnobelpreiskomitee heute bekannt gab, dass die Eurpäische Union in diesem Jahr die wohl angesehenste Auszeichnung der Welt erhält. Jeder der 500 Millionen Europäer darf heute stolz sein auf sechs Jahrzehnte Frieden, Partnerschaft und Wohlstand. Doch was brngt Europa eigentlich dem Einzelnen, wo profitierst Du im Alltag von der EU?

Dem Euro droht immer noch das Aus, Staaten sind massiv überschuldet, Regierungschefs suchen verzweifelt nach Lösungen, berufen einen Krisengipfel nach dem nächsten ein. Angela Merkel betont jedoch immer wieder, dass ein Scheitern des Euro auch ein Scheitern Europas sei. Doch was würde, fernab der Politik der Großen, ein „Scheitern Europas“ eigentlich für uns bedeuten? Lohnt sich die EU überhaupt noch für uns?
Eine Antwort in drei Akten.

Erste Szene
(Frau Günther und ihr elfjähriges Kind Elvira beim Einkaufen in einem Supermarkt.)
Mutter: „So, Elvira. Dann brauchen wir noch Tomaten. Holst du die bitte? Dahinten stehen sie.“
Elvira: „Ja, Mama, das mach‘ ich.“ (Kind geht zu den Tomaten, nimmt sich eine Staude und rennt zur Mutter zurück.) „Wo in Deutschland wachsen eigentlich Tomaten, Mama? Ich habe noch nie einen Bauern gesehen, der Tomaten erntet oder so.“
Mutter: „Das sind Tomaten aus … (Mutter geht zum Tomatenstand.) – Spanien! Da bauen die Tomaten an und diese werden dann hierher gebracht in großen LKWs, wir können sie dann essen.“
Elvira: „Toll, und wir können hier leckere Tomaten essen. Wo liegt Spanien eigentlich?“
Mutter: „In Europa.“
Elvira: „Was ist Europa.“
Mutter: „Europa, ja, das ist …“ (Sie überlegt lange.)
Elvira: „Ja, was denn? Was?“
[…]

Was ist Europa? Die meisten Menschen antworten hier mit „Die EU.“, auch wenn das nicht ganz der Wahrheit entspricht.
Aber hauptsächlich stimmt es doch, denn die Europäische Union besteht schließlich aus 27 der fast 50 Staaten Europas. Diese Antwort zeigt somit, wie selbstverständlich die Europäische Union mittlerweile für uns ist, sodass Menschen die EU mit Europa gleichsetzen.
Die Frage, was Europa denn nun eigentlich sei, verdeutlicht somit, dass wir die EU schon als Faktum hinnehmen, ohne sie besonders zu hinterfragen.
In dieser kleinen ersten Szene wird der Aspekt der Produktvielfalt durch die Handelsbeziehungen europäischer Staaten dargestellt. Das heißt, durch die EU steht uns als Konsument eine Fülle an Produkten wie Lebensmittel aus ganz Europa zur Verfügung. Durch diese Produktvielfalt können wir hier in Deutschland Nationalspezialitäten vieler Länder genießen. Bei unseren Tomaten – wie auch bei anderen Produkten aus Europa – subventioniert die Europäische Union Erzeugnisse, die aus Ländern Europas stammen. Die Tomaten aus Spanien werden also durch Zahlungen der EU unterstützt und gelangen dadurch vermehrt auf unseren Markt.
Die EU schützt ihren Binnenmarkt und trägt damit dazu bei, dass fair gehandelte Produkte mit Qualitätsnormen zur Verfügung stehen.

Zweite Szene
(Mutter und Kind haben mittlerweile den Einkaufsladen verlassen und fahren nun zum örtlichen Reisebüro, um sich dort über eine Reise nach Rhodos zu informieren.)
Frau Günther: „Guten Tag, wir wollten uns noch einmal über das Reise-Angebot nach Rhodos informieren lassen.“
Angestellte: „Gerne. Setzen Sie sich bitte. Sie möchten also auf die griechische Insel Rhodos. Im Sommer, nehme ich an. Für wie viele Personen bitte?“
Frau Günther: „4 Personen, zwei Erwachsene, zwei Kinder.“
Angestellte: „Gut. Da haben wir ein schönes Angebot für Sie. Einen Moment bitte, ich hole das Infomaterial.“ (geht Broschüre holen.)
Elvira: (schaut sich um und bemerkt ein großes Schild: „Jetzt Reisen! – Das Europa-Spezial“)
„Mama, schau mal. Wie schön der Strand auf dem Plakat aussieht, das ist in Europa. Fahren wir dahin?“
Frau Günther: „Ja, mein Schatz. Das ist das Angebot, von dem die Frau gerade sprach. Wir können ganz günstig in Europa reisen. Dein Vater und ich haben uns dafür entschieden, dass wir nach Griechenland auf die Insel Rhodos fliegen. Das ist dort sehr schön – und günstig.“
Elvira: „Oh, wie toll! Also kann man in Europa auch einen schönen Urlaub verbringen, nicht nur Tomaten gibt es da. Das ist schön.“
Angestellte: „So, hier haben wir das Infomaterial. Hier sehen Sie das Hotel. Ich habe Ihnen schon mal einen Kostenvoranschlag gemacht. Gucken Sie sich alles in Ruhe an und sagen mir dann bitte Bescheid.“
Frau Günther: „Ohja, danke. Das werde ich. Eine Frage habe ich aber noch: Wie läuft das mit dem Visum? Brauchen wir ein Urlaubsvisum?“
Angestellte: „Nein, das brauchen Sie nicht mehr. Das hat sich geändert, seitdem Griechenland Mitglied der Europäischen Union ist.“
Frau Günther: „Ja natürlich, wie dumm von mir! OK, vielen Dank für Ihre Beratung, Ich werde mich wieder melden. Komm, Elvira! Tschüss.“
(Mutter und Kind verlassen das Reisebüro.)
[…]

Diese zweite Szene deutet einen weiteren wichtigen Aspekt der Europäischen Union an – den zunehmenden kulturellen Austausch durch vereinfachtes Reisen, von dem wir als Bürger der Bundesrepublik profitieren. Durch die EU wurde das Reisen massiv erleichtert. Aber die EU ermöglicht uns nicht nur das Reisen, sie gönnt uns auch die nötige Erholung, denn die europäische Gesetzgebung garantiert Arbeitnehmern mindestens 4 Wochen bezahlten Urlaub pro Jahr.
Seit dem Abkommen in Schengen 1990 können wir als Touristen nahezu ungehindert und ohne Grenzkontrollen die Landesgrenzen der anderen Schengen-Staaten bzw. der EU-Mitgliedsstaaten überschreiten.
In dem Vertrag verpflichten sich die Unterzeichner dazu, Grenzkontrollen abzuschaffen und abgeschafft zu lassen – mit der Ausnahme, dass bei akuter Gefährdung des Landes die Grenzkontrollen für sechs Monate wieder eingeführt werden können.
Diese Ausnahme benutzten die Dänen, beziehungsweise die rechtspopulistische Partei Dänemarks, im Sommer dieses Jahres, und richteten so wieder Kontrollen ein.
Allerdings sind diese Kontrollen auch wieder abgeschafft und es war bis jetzt das einzige Mal, dass dies geschah. Demzufolge gilt für die EU eine Reisefreiheit. Das heißt, jeder kann in jedes EU-Land einreisen (wenn er nicht gerade per Haftbefehl gesucht wird).
Diese Möglichkeit nutzt auch die Familie Günther aus unserem Beispiel. Sie entschließen sich, nach Griechenland zu reisen und dort ihren Urlaub zu verbringen. Ohne Visum, ohne Grenzkontrollen, ganz einfach und entspannt. Damit man auch in ein Land der EU mit seinem eigenen Auto fahren kann, sind alle Führerscheine der Mitgliedsstaaten in der gesamten Europäischen Union gültig.
Aber auch das Fliegen ist durch die EU einfacher und günstiger geworden. Durch die Liberalisierung des Luftfahrtsektors gelten nun für alle europäischen Fluggesellschaften die gleichen Sicherheitsvorkehrungen. Jede anerkannte europäischen Fluggesellschaft kann nun innerhalb der EU auf jeder Strecke fliegen. Dadurch hat sich die Anzahl der Bestimmungsorte, zu denen wir reisen können, in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt.
Außerdem muss das Geld nicht mehr umgetauscht werden. Die Gemeinschaftswährung hat dieses Problem behoben, auch wenn momentan der Euro in einer starken Krise steckt.
Durch das Reisen können wir andere Kulturen kennen lernen, andere Länder, andere Sitten. Dieser „kulturelle Profit“ trägt positiv zu unserem Weltbild bei.
Dadurch lernen wir, dadurch lernen wir verstehen.
Die Europäische Union trägt also dazu bei, einen freien Personenverkehr zu schaffen. Daraus folgt eine Weltoffenheit und dies nutzt allen.

Dritte Szene
(Während Elvira und ihre Mutter die Einkäufe erledigen, arbeitet ihr Vater. Er arbeitet als Personalchef in einer Logistik-Firma, die europaweit Produkte zustellt. Heute empfängt er einen Bewerber für die Arbeitsstelle als Kraftfahrer.)
Bewerber: (klopft und betritt den Raum. Nervös wartet er auf eine Reaktion von Herrn Günther.)
Herr Günther: „Guten Tag, Herr Wladoski. Ich bin der Personalchef, Herr Günther. Bitte setzen Sie sich doch.“
Bewerber: „Vielen Dank.“ (Er nimmt Platz.)
Herr Günther: „Schön, dann stellen Sie sich doch bitte einmal vor und erklären mir, wie Sie auf unsere Firma aufmerksam geworden sind.“
Bewerber: (sehr nervös, stottert) „Jaa…, i..ich bin P…Peter Wladoski. I..Ich ko…omme aus Warschau. (nun etwas selbstsicherer) Ich bin 24 Jahre alt und möchte gerne hier als LKW-Fahrer arbeiten. Das habe ich schon mal gemacht.
Also… ich bin auf diese Firma aufmerksam geworden, weil der Cousin meiner Frau auch hier arbeitet. Er erzählte mir von dieser Stelle. Und… – ich suche ja auch einen guten Job. Ich wohne zwar in Polen, aber ich bin ja in einer halben Stunde hier.“
Herr Günther: „So, so. Gut. Und wie stellen Sie sich die Arbeit hier vor?“
Bewerber: „Ich denke, ich fahre mit dem LKW durch Europa und transportiere Produkte. Ich würde wirklich gerne hier arbeiten.“
(Nach weiteren Fragen und einem netten Gespräch verabschiedet der Personalchef der Bewerber.)
Herr Günther: „OK, vielen Dank Herr Wladoski. Wir werden uns dann wieder bei Ihnen melden.“
Bewerber: „Danke, Herr Günther. Auf Wiedersehen.“ (Er verlässt den Raum.)

Diese letzte dritte Szene stellt einen weiteren wichtigen Vorteil der Europäischen Union für die Bevölkerung dar – die Arbeitermobilität. Durch den sogenannten „freien Dienstleistungsverkehr“ in Europa können qualifizierte Arbeiter wie Herr Wladoski auch aus dem Ausland in Deutschland oder anderen EU-Staaten arbeiten.
Außerdem können somit gezielt dort Arbeitskräfte eingesetzt werden, wo sie benötigt werden. Dies trägt zu einer Verringerung der Arbeitslosigkeit bei, wobei oftmals Deutsche durch günstigere Arbeiter aus dem Ausland aus einem Beruf verdrängt werden.
Allgemein aber profitieren wir von einem derart freien Arbeitsmarkt.
Des Weiteren verdeutlicht das Beispiel des Logistikunternehmens die Erreichbarkeit von Gütern überall in der EU. Wenn wir uns ein Produkt wünschen, steht es immer zur Verfügung – ähnlich wie mit den Tomaten aus Spanien.
Aber nicht nur Arbeitnehmer werden durch die EU in ihrer Mobilität unterstützt, sondern auch Schüler und Studenten. Schüler werden durch europäische Schüleraustauschprogramme mobilisiert.
Über Förderprogramme können junge, talentierte Menschen eine sehr gute Bildung genießen und dadurch profitieren sie und durch wissenschaftlichen Fortschritt auch die Bevölkerung der EU. So entstehen bekannte Forschungsprojekte, durch die wichtige naturwissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden.
Hier wäre exemplarisch die ESA, die europäische Weltraumbehörde zu nennen, die momentan mit dem Aufbau des neuen Satellitensystems Galile beschäftigt ist, dass Europa unabhängig vom amerikanischen GPS System machen soll und darüber hinaus neben der Navigation auch in anderen zivilen Bereichen zu Einsatz kommen soll. Ein weiteres europäisches  Großprojekt ist der CERN in Genf, ein Zusammenschluss internationaler Physiker, die gemeinsam nach den Teilchen suchen, aus denen die Welt besteht. Hier wird Forschung betrieben, die unseren Alltag eines Tages grundlegend verändern kann.
Diese Möglichkeiten tragen dazu bei, dass eine aufgeklärte und voranschreitende Gesellschaft entsteht, die für möglichst viele Wohlstand schafft.
Durch diese Inszenierung wird also deutlich, dass die Europäische Union für Euch ganz persönlich eine große Bedeutung haben kann – für Euch als Konsument, als Bürger, als Arbeiter, Schüler oder Student.
Auch wenn aktuell die EU am Euro zu scheitern droht, so sollte doch jeder hoffen, dass die europäische Gemeinschaft weiter bestehen bleibt – neben idealistischen auch aus ganz praktischen Gründen.
Die Europäische Union verdeutlicht nicht nur Solidarität, die Stärke der Demokratie und der Gesamtwirtschaft, sondern bringt auch uns ganz persönlich eine Menge Vorteile.
Diese Vorteile gehen weit über die Produktvielfalt, das uneingeschränkte Reisen, den großen Arbeitsmarkt oder enorme Bildungschancen hinaus. Europa ist für uns alle ein Garant für Frieden, Freiheit und Wohlstand, jeden Tag.

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