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Kevin – wenn der Name zum Problem wird

Du stehst mal wieder auf dem Schlauch oder dir passiert ein blödes Missgeschick, schon hörst du von deinen Freunden: „Du bist so ein Alpha-Kevin!“ Mit Namen werden Menschen stigmatisiert. Und auch Studien zeigen: Der Vorname eines Kindes hat Auswirkungen auf die Schullaufbahn.

Bei einer Studie für ihre Master-Arbeit hat die 24-jährige Oldenburger Lehramtsabsolventin Julia Kube gemeinsam mit der Pädagogikprofessorin Astrid Kaiser Grundschullehrer zu ihren Namensvorlieben befragt. Es stellte sich heraus, dass der Vorname des Kindes entscheidend für die Bildungschancen sein kann. Bei den Lehrerinnen und Lehrern wecken einige Namen bestimmte Vorahnungen über das Verhalten und die Fähigkeiten des Kindes. Beispielsweise werden Namen wie Charlotte, Sophie, Marie, Hannah, Alexander, Maximilian, Simon, Lukas und Jakob oft als leistungsstark und verhaltensunauffällig wahrgenommen, während Namen wie Chantal, Mandy, Angelina, Kevin, Justin und Maurice eher als leistungsschwach und verhaltensauffällig wahrgenommen werden. Mit diesen Vorurteilen werden die Kinder oftmals in Schubladen gesteckt. So werden einige Namen wie Mandy, Kevin und Chantal häufig Familien aus den unteren, bildungsfernen Schichten zugeordnet. Dabei wird allerdings außer Acht gelassen, dass nicht alle Kinder aus unteren sozialen Schichten kommen. Diese sogenannten „Assi-Namen“ sind schon vor vielen Jahrzehnten dadurch entstanden, dass Familien bestimmter Schichten sich für bestimmte Namen entschieden haben. Im Bildungsbürgertum hat man grundsätzlich die lange Form der Namen benutzt, zum Beispiel „Katharina“ oder „Ursula“. Menschen, die vom Land kamen oder dort arbeiteten, also weniger Gebildete, sagten stattdessen „Käthe“ oder „Uschi“. Dabei gibt es natürlich regionale Unterschiede: Während man sich im Westen Deutschlands schon mal zum Horst macht, macht man sich im Osten eher zum Willi. Außerdem werden oftmals Namen aus anderen  Ländern als „Assi-Namen“ bezeichnet. So kommt es, dass gut situierte Familien ihren Kindern immer häufiger traditionelle Deutsche Namen geben und die unteren Schichten ausländische Namen. Denn während sich untere soziale Schichten früher noch an der Oberschicht orientierten, haben sich dieses inzwischen weitestgehend eigene Namensfelder gesucht, die in der Regel aus den Bereichen Fernsehen, Musik und Sport stammen. So wurden vor fünf Jahren z.B. viele Jungen im Ruhrgebiet Raúl getauft, da zu dieser Zeit der bekannte Fußballspieler Raúl bei Schalke 04 spielte. Sicherlich ein Trend von kurzer Dauer.

Aber nicht nur in Deutschland gibt es typische „Assi-Namen“:  „Kevin“ ist im englischsprachigen Raum ein vollkommen unbelasteter Name, denn der Name stammt aus diesem Region, genaugenommen aus dem Irischen. In England haben es aber Leute schwer, die „Jack“, „Mick“ oder „Dick“ heißen. Und wer in Spanien und Lateinamerika „Juan“, „Pepe“, „Tito“ und „Cholo“ heißt, hat keinen leichten Stand.
Welche Namen zukünftig out sein werden, lässt sich nur schwer prognostizieren. Manchmal sind es einzelne Personen, die einen bestimmten Namen für immer mit einem Makel belasten. „Adolf“ dürfte da das bekannteste Beispiel sein. Beliebt sind zurzeit auf alle Fälle kurze Namen, mit weichen Konsonanten und klangvollen Vokalen, wie Lea, Maria, Laura.

Die Webseite chantalismus.tumblr.com sammelt besonders skurrile Namen aus Tageszeitungen und von Autoaufklebern. (Quelle: chantalismus.tumblr.com)

Die Webseite chantalismus.tumblr.com sammelt besonders skurrile Namen aus Tageszeitungen und von Autoaufklebern. (Quelle: chantalismus.tumblr.com)

Bei der Namensgebung haben die Standesbeamten in Deutschland übrigens klare Kriterien, nach denen sie entscheiden, ob ein Vorname genehmigt wird oder nicht: das Kindeswohl, die eindeutige Geschlechtszuordnung, seriöse Quellen, die den Vornamen schon in der Vergangenheit belegen und die klare Klassifizierung als Vorname. Und wer nun Kevin oder Chantal heißt und glaubt ein schweres Schicksal zu tragen, der sollte sich bewusst machen, dass auch Namen  wie Blaubeere, Cinderella-Melodie, Despot, Fanta, Matt-Eagle, Milka, Pepsi-Carola, Popo, Pumuckl, Schneewittchen, Schokominza, Solarfried, Waterloo und Windsbraut von deutschen Standesämtern genehmigt wurden. Atomfried, Borussia, Crazy Horse, Gastritis, McDonald, Nelkenheini, Rumpelstilzchen, Satan, Schnucki und Störenfried wurden jedoch abgelehnt. Pech für die Eltern, Glück für die Kinder.

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