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Jenseits von Hetero

Für viele ist es immer noch Tabuthema: Homosexualität. Vor dem Hintergrund der Identitätsbildung ist es besonders für Jugendliche schwierig, ihre Vorliebe für das gleiche Geschlecht zu akzeptieren und – auch nach dem Outing – ausleben zu dürfen. Im Interview beantwortet Max* unsere Fragen zum Umgang mit seiner Homosexualität.

Seit wann bist du schwul, wie hast du das gemerkt?

Max: Wie habe ich gemerkt, dass ich schwul bin? Das kann ich dir ganz einfach sagen:  Ich war 2012 im Sommer im Urlaub und war am Strand baden.  Also eigentlich wie das jeder Jungendliche gerne im Urlaub macht, bis ich da wen gesehen habe, der mir auf eine Art und Weise, die ich bis dahin nicht kannte, gefiel. Er machte mich irgendwie neugierig. Ich fand ihn attraktiv und einfach gut aussehend und ich konnte mir einfach vorstellen, dass da mehr passieren könnte. Zuerst war ich selber geschockt über diese Denkweise und habe auch keinem etwas erzählt. So habe ich gemerkt, dass ich auf das gleiche Geschlecht stehe.

Alltägliche Diskriminierung – “schwul” als Schimpfwort. (Bild: flickr.com/kaleidoskopeyes)

Und wie bist du dann damit umgegangen? Hast du es selber akzeptiert? Max: Ich habe mich versteckt. Wenn ich ehrlich bin, wollte ich es verdrängen, da ich diese Angst vor den Reaktionen meiner Eltern und Freunde hatte. Ich habe mich in der Zeit, bis ich  mich geoutet habe, mit viel Sport abgelenkt, so wie ich das immer in stressigen Zeiten mache. Aber ich hatte immer eine wichtige Person, der ich das schon von Anfang an alles erzählt habe; diese Person war und ist meine Ergotherapeutin. Es tat wirklich gut, dass man zu dieser Zeit jemanden hatte, der alles für sich behält und einem hilft, damit umzugehen.

Wie hast du gelernt, das Schwul sein für dich zu akzeptieren?

Max: Ich habe es nach einem gewissen Zeitraum akzeptiert, da ich wusste, dass ich es nicht ändern kann und ich so bin, wie ich bin! Und das sollten andere auch so akzeptieren.

Wann und wie hast du dich geoutet, wann hast du dich getraut?

 Max: Also, das Outing habe ich bei den besten Freunden, Verwandten im Internat gestartet.  Es kamen nur positive und wirklich tolle Reaktion wie: „Respekt Max, ich hätte mich das nie getraut.”  Natürlich war es für meinen besten Freund, der mein Bruderherz ist, zuerst ein Problem,  da er dachte, jetzt könnte er nicht mehr mit mir über die tollen Mädchen reden, was aber nicht so ist. Bei meinen Eltern habe ich mich gar nicht getraut, das kam über Missverständnisse heraus, bis ich es ihnen bestätigt habe. Es tut mir auch leid, dass sie damit solche Probleme haben, aber wenn sie mich als ihren Sohn lieben, sollten sie es langsam mal akzeptieren. Bin ich den etwa ein anderes Kind dadurch geworden? Ich glaube nein!  Nach dem Outing ging es mir auch plötzlich viel besser, ich konnte endlich wieder ich selbst sein und wieder lachen.

 

Gute Freunde sind wichtig für das “Coming out”. (Bild:flickr.com/pascalchuat)

Wie hast du es deinen Freunden denn gesagt? Und warum akzeptieren deine Eltern es nicht? 

Max: Meinen Freunden habe ich es nach einigem Zögern einfach gesagt. Es herrschte dann aber auch erst einmal Stille und ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte, dann kamen aber einige an und drückten mich.  Was mit meinen Eltern ist, kann ich nicht genau sagen. Meine Meinung dazu ist, dass sie die Befürchtung haben, dass die Leute aus der Nachbarschaft, Freunde und Familienmitglieder schlecht über mich oder sie reden könnten. Deshalb haben sie noch nicht einmal mit ihren besten Freunden geredet. Denen habe ich es aber auch selber gesagt. Die unterstützen mich auch und freuen sich, dass ich einen so tollen Freund habe.

Wenn dir ein Junge gefällt, wie merkst du, ob er schwul ist, oder wie versuchst du es herauszufinden?

 Max: Das könnte ich ja jetzt verraten, aber da ich schon vergeben bin… Doch ich kann es ja offen und ehrlich sagen, ich habe ja keine Geheimnisse vor ihm. Wenn mir ein Junge gefällt, schaue ich wie, er sich verhält, wie er mit anderen Leuten umgeht; man merkt sowas eigentlich.

Wie reagieren fremde Leute, wenn sie erfahren , dass du schwul bist? Vor allem wie reagieren Jungs? 

 Max: Sie reagieren gemischt. Also einige finden es gut, andere wiederum nicht. Einige Leute, also die ,denen das nicht passt, denken halt, das man krank wäre.

Findest du Mädchen trotzdem noch attraktiv oder bist du nur noch auf Jungs fixiert?

 Max: Also attraktiv im Sinne von „die würde ich gerne als Freundin haben“ nicht. Natürlich sagt man schon mal zu Freunden oder Verwandten “Die sieht gut aus!”.  Aber ich stehe halt auf das gleiche Geschlecht. Reizen tut mich das weibliche Geschlecht also nicht.

Hat sich lediglich dein Geschmack bezüglich der Partnerwahl verändert oder auch in anderen Hinsichten, z.B. Musik oder Klamotten?

 Max: Bei mir hat sich nur der Partnergeschmack geändert. Aussehen und Musik eher nicht.  Natürlich höre ich zum Beispiel Bands wie „One Direction“ oder so, aber allgemein hat sich auch in anderen Hinsichten nichts geändert. Ich bin auch nicht der “typische, klischeehafte Homosexuelle”,  der Pink trägt oder der einen sehr ausgeprägten Hüftschwung hat oder sich sogar schminkt.

Was würdest du Menschen empfehlen, wenn sie sich nicht trauen, sich zu outen?

Max: Ich würde ihnen raten, sich zu outen, da es befreit und gesund macht. Es hat nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Schwulen-Freunden geholfen, sich zu outen, da einfach eine schwere Last von einem abfällt.

Wie ist es in deinem Freundeskreis, sind dort auch andere Leute schwul oder lesbisch?

Max: Ja, viele sogar. Man sucht sich dann schon seine Leute über Foren und andere Seiten,  die extra für homosexuelle Leute eingerichtet sind.

 

“Ich bin so, wie ich bin!” – Sich selbst zu akzeptieren ist ein wichtiger Schritt im Umgang mit der eigenen Sexualität. (Bild: flickr.com/paumier)

Hattest du denn schon dein erstes Mal? Wenn ja: Hattest du schon einmal Sex mit einem Jungen?

Max: Ja, mein erstes Mal hatte ich schon und ja das erste Mal war mit einem Jungen.  Er war eigentlich wie mein bester Freund. Danach haben wir uns aber leider zerstritten.  Also, es war keine tolle erste Erfahrung. Aber danach wurde es besser.

Wie ist das bei dir, hast du auch Schmetterlinge im Bauch oder hast du Herzrasen, wenn du an deinen Freund denkst oder dann, wenn du ihn siehst?  Kannst du deinen Verliebtheitszustand beschreiben?

Max: Ich habe Schmetterlinge im Bauch, total. Jedes Mal wenn er seine Radiosendung moderiert und ich zuhöre, bekomme ich eine Gänsehaut und wenn ich ihn sehe, kann ich es nicht glauben, dass ich ihn verdient habe. Ich bin so dankbar, ihn zu haben.

Und wir sind sehr dankbar, dass Interview mit dir geführt haben zu dürfen. Alles Gute dir!

*Name von der Redaktion geändert

In den folgenden Interviews berichten zwei Jugendliche über ihre Erfahrungen mit der eigenen Homosexualität und über ihr Coming Out.
Eine Beratungsstelle für homosexuelle Jugendliche ist  “Coming Out day”.

1 Kommentar

  1. Hallo Leute! Mit wirklich großem Interesse habe ich euren Artikel über das Schwul- und lesbischsein in eurer Schüler-News gelesen. Ich war begeistert, denn ich hätte mi diese Unterstützung und den Zuspruch vor 30 Jahren im Saterland gewünscht. Denn in den 1880er Jahren gav es hier nichts, außer der Kirche, die diese Liebenform als pervers und nicht gottgewollt ablehnte,,,und dann waren ja noch die Nachbarn da! Mit 17 bin ich dann nach Oldenbuurg gezogen, wo ich dann auch mal die Szene kennen lernen durfte. Habe dann viel bei NA UND und Helpels, Rosa Disco, Männerfabrik, beim BeratungsTelefon mitgemacht und dazu die sog. Schul-AG ins Leben gerufen. Man konnte uns in allen Fächern einladen, je 2 schwule Männerund 2 lesbische Frauen…und dort haben wir uns dann vor den Schülern geoutet und fragen beantwortet.Nach zögernden Anfängen wurden es immer ganz lustige Runden. Viele Dieser Schüler begeneten wir dass auf dem CSD als Sypathisanten oder sogar als Teilnehmer wieder….Falls ihr auch Interesse haben solltet, wendet euch einfah an mich oder direkt an den Na Und Verein in Oldenburg!! Liebe Grüße, mit Outsidewurzeln im Saterland aus Köln!!!! HEINZ

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