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Die vergewaltigte Stadt – Das Massaker von Nanking

1937: Zwischen China und Japan wütete der Zweite Japanisch-Chinesische Krieg, einer der am wenigsten beachteten und doch verheerendsten Ereignisse kurz vor und während der Zeit des Zweiten Weltkrieges.  Am 13. Dezember fielen die japanischen Soldaten dann in die Hauptstadt Nanking ein und begingen ein Kriegsverbrechen, das bis heute zu einem der grausamsten des 20. Jahrhunderts zählt.

Der langwierige Konflikt

Der Zweite Japanisch-Chinesische krieg 1937. Im Süden der Karte befindet sich die Stadt Nanking. (Quelle: gemeinfrei)

Wie die Betitelung der Auseinandersetzung zwischen den beiden Ländern voraussetzt, befanden sich Japan und China schon vor 1937 im Konflikt miteinander; es gab immerhin schon einen ganzen Krieg, der von August 1894 bis April 1895 andauerte und für extreme Vorbelastung der Beziehung sorgte.

Immerhin galt das damalige Kaiserreich China als der „große Bruder“ von den zwei asiatischen Weltmächten, war dem japanischen Kaiserreich jedoch durch die im Land herrschende Krise, die aus dem Scheitern von Reformen zur Modernisierung durch äußeren Druck der westlichen Kolonialmächte bestand, militärisch klar unterlegen und hatte mit dem Ende des Ersten Japanisch-Chinesischen Krieges Taiwan direkt an Japan und Korea an die Unabhängigkeit verloren.

Dies spornte die Bevölkerung nur weiter an, Modernisierungsmaßnahmen zu fordern, damit eine weitere Niederlage dieser Art verhindert werden konnte.

Jedoch stand ihnen dabei Japans Expansion durch etwa die geplante „Japanisierung“ der erlangten Gebiete, sowie auch mit der Unterstützung der Mongolei, von der China militärisch bedroht wurde, weiterhin im Weg, weswegen die Chinesen 1908 letztendlich aus Empörung japanische Waren boykottierten.

Die ohnehin schon beeinträchtigte Modernisierung des Landes und besonders des Militärs war nach Besetzung der Mandschurei komplett aus den Augen verloren, da der Konflikt zwischen den Ländern sich seiner Hochphase durch mehrere Gefechte zwischen gegnerischen Soldatengruppen, wie beispielsweise der ersten Schlacht um Shanghai, entgegen bewegte.

Erst Recht war die Lage angespannt und ein Krieg erwartet, nachdem Japan 1936 die Innere Mongolei, ein weiteres nördliches Gebiet Chinas, besetzte und nach Beschwerden des Völkerbunds einfach aus jenem austrat, woraufhin sich der Bund als machtlos sah und sich nicht weiter in den Konflikt verwickeln wollte.

Die Abfolge der Auseinandersetzungen endete mit dem Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke: Dieser brachte das Fass zum Überlaufen und löste den an diesem Punkt unumgänglichen zweiten Krieg aus.

Der chinesische Widerstand

Bei einer Nachtübung der japanischen Soldaten an der Marco-Polo-Brücke kam es zu Schüssen, aber zu keinen Verletzungen. Dennoch wurde eine Nachricht durchgereicht, die den Krieg auslöste: Ein japanischer Soldat war nach den mysteriösen Schüssen unauffindbar und sofort gab es die Vermutung, dass die Chinesen den Mann entführt hatten.

Der chinesische Politiker und Militär Chiang Kai-shek verkündet zwei Tage nach dem Zwischenfall auf der Marco-Polo-Brücke den Widerstand gegen Japan. (Quelle: wikipedia / gemeinfrei)

Selbst die Tatsache, dass der Soldat später unverwundet zurückkam und angab, dass er nicht entführt worden wäre, konnte den Krieg nicht mehr aufhalten.

Genauso unumgänglich wie den Krieg selbst hielten die Japaner die Kapitulation Chinas, als sie ihre Strategie, mit dem gnadenlosen Blutvergießen das sowieso durch den herrschenden Bürgerkrieg geschwächte Land in den Ruin zu bringen, in der Mandschurei ansetzten und sich ausbreiteten.

Doch dass sie sich trotz dessen nicht ganz so schnell und einfach ergaben wie erwartet, bezahlten die Chinesen schwer; es waren Verhältnisse wie bei dem Vernichtungskrieg Deutschlands im Osten, da Chinas Söldnertruppen ohne die angesetzte und nie vollendete Modernisierung den japanischen Soldaten noch weiter unterlegen war als zuvor im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg und fast nichts entgegenzusetzen hatten.

Was sie jedoch hatten, waren viele Soldaten: Immerhin war China ein großes Land mit einer schon damals großen Bevölkerung und es lag im Interesse aller Bewohner, sich den Japanern nicht zu unterwerfen, egal wie unterlegen sie auch waren. Auch hofften sie auf Unterstützung durch Deutschland, da die beiden Länder, auf Basis dessen, dass sie sich beide von einer Nachkriegsverhandlung im frühen 20. Jahrhundert unfair behandelt fühlten, in den Jahren zuvor eine sehr enge wirtschaftliche und militärische Bindung entwickelt hatten. Doch Hitler verweigerte den Schutz der Chinesen und schloss sich mit den Japanern zusammen.

Die Hochphase dieses Widerstands war von August bis November 1937 zu sehen – die einfachen Söldnertruppen der Chinesen hielten Shanghai gegen die hoch ausgebildeten japanischen Truppen für fast drei Monate und töteten dabei auch Zehntausende von ihrer gegnerischen Seite, was völlig unerwartet auf die Japaner traf.

Währenddessen liefen die letzten möglichen Friedensverhandlungen ab: Die chinesische Regierung reagierte erst auf diese, als Shanghai bereits eingenommen war, und die Japaner, erzürnt von dem starken Widerstand, waren nicht mehr bereit, nach dem ursprünglichen Vertrag Frieden herzustellen. Sie stellten härtere Bedingungen, die dann öffentlich von China abgelehnt wurden.

Japanische Reserve auf dem Marsch längs der Eisenbahnlinie nach Nanking auf der Station Wusih vor Nanking. (Quelle: Bundesarchiv Bild 183-S34828, Japanisch-Chinesischer Krieg.jpg, CC BY-SA 3.0 de)

Dies besiedelte den nächsten Feldzug; während die chinesischen Soldaten sich aus Shanghai zurückzogen nach Nanking, folgte die Soldateska der Japaner ihnen dicht auf.

Nach Peking, das nebenbei im Norden Chinas erobert worden war und Shanghai, das sie nach den drei Monaten einnehmen konnten, fehlte ihnen ja nach wie vor noch die wichtigste Stadt, die Hauptstadt: Nanking.

Das Eintreffen der Japaner in Nanking

Am 8. Dezember war es soweit: Die japanischen Soldaten hatten Nanking erreicht und die Stadt umschlossen. Auf dem Weg hatten sie bereits alle Soldaten, die sie noch einholen konnten, umgebracht, da sie auf Befehl des Kaisers sich nicht mit Gefangenen belasten sollten. Doch beim Umbringen blieb es da schon nicht: Sie schändeten die Leichen, stellten etwa ihre Köpfe auf Zäunen in Reihen auf oder verstümmelten sie anderweitig. In den Städten, die noch erobert wurden, sowie auch in Shanghai, gab es schon lange Übergriffe auf die dort lebenden Zivilisten, auch diese Neuigkeiten waren in der Hauptstadt angekommen.

Die meisten Nicht-Chinesen, die dort gelebt hatten, flohen zurück in deren Herkunftsland, um den Japanern und den bevorstehenden Gräueltaten zu entkommen. Nur eine Handvoll Ausländer blieb in Nanking mit der chinesischen Bevölkerung, der es verboten war, zu gehen. Sie wussten also alle schon zumindest ungefähr, was kommen würde, aber sie durften dennoch nicht fliehen, egal was passierte.

Chinesische Zivilisten und Soldaten, die sich vor den japanischen Truppen über den Fluss retten wollten, wurden ausnahmslos massakriert. (Quelle: wikipedia / gemeinfrei)

Die Japaner baten unter der falschen Tatsache, dass sie friedlich bleiben würden, um die selbstständige Übergabe der Stadt von den Verteidigern, doch als es trotz dessen keine Reaktion gab, nahmen die Soldaten die Hauptstadt am 13. Dezember 1937 nach 13 vorangehenden Tagen, in denen die Chinesen noch versucht hatten, irgendwie die hoffnungslose Hauptstadt zu verteidigen, auch wenn Tag und Nacht Bomben auf die Stadt geworfen wurden, ein. Am Nachmittag des 12. Dezembers wurde dann der Rückzug ausgerufen,der ursprünglich nicht geplant war, sondern improvisiert wurde. Dementsprechend chaotisch ging es dann auch von statten, und entweder die entlassenen Soldaten flohen aus der Stadt, sofern es noch möglich war, oder mischten sich unter die Zivilisten, überfielen sie zum Teil sogar um an deren Kleidung zu kommen.

Das Massaker

Chinesische Zivilisten werden von japanischen Soldaten lebendig begraben. (Quelle: Department of History at the University of California, Santa Barbara, gemeinfrei) 

Zunächst kam es nach der Einnahme durch die Japaner zu Plünderungen und Brandlegungen, sogar so extrem, dass Augenzeugen wie John Rabe, ein deutscher Geschäftsmann, der in Nanking geblieben war und während der grausamen Zeit Tagebuch führte, von Tagen berichteten, an denen die Stadt an sieben verschiedenen Ecken brannte. Egal ob Zivilisten oder ehemalige Soldaten, überall wurden willkürlich Chinesen in Massen umgebracht. Sie wurden enthauptet, mit Bajonett erstochen, erschossen, sogar ertränkt, gehäutet, kastriert und lebendig vergraben oder verbrannt. Schon nach kurzer Zeit lagen in der ganzen Stadt Leichenberge mit den Leichen von eben auch Chinesen, die versucht hatten, zu entfliehen. Sie mussten jedoch nicht mal versuchen zu fliehen, um umgebracht zu werden, es ging zum Teil um die unwichtigsten Kleinigkeiten, die dafür sorgten, dass die japanischen Soldaten mordeten.

Zeitungsbericht über den ein „Wettstreit“ zweier japanischer Armeeoffiziere während des Massakers von Nanking, wer es zuerst schafft, 100 Menschen mit seinem Schwert zu töten. Beide wurden später als Kriegsverbrecher hingerichtet. (Quelle: Shinju Sato, gemeinfrei)

Wobei, je länger die Zeit verging, klar wurde, dass es keine richtigen Gründe hatte, sondern ihnen nur der Sinn nach Blut stand. Glasklar wurde das in einem der berühmtesten Beispiele der Grausamkeiten dieses Massakers: Es gab eine Art „Wettbewerb“ zwischen zwei japanischen Offizieren, wer schneller 100 Chinesen köpfen konnte. Und als ob das nicht genug gewesen wäre, wurde in der Tokioter Zeitung der „Wettbewerb“ integriert wie ein normaler Sportwettbewerb, bei dem die Ergebnisse immer nach neuen Kenntnissen aktuell dokumentiert werden.

Doch bei den Morden blieben die Verbrechen gegenüber dem Volk nicht: Nanking ist außerdem das historische Ereignis, in dem die meisten Menschen vergewaltigt wurden; rund 80.000 Mädchen und Frauen traf das grausame Schicksal während dieser Wochen. Oft wurde systematisch nach Frauen und Mädchen in den Häusern gesucht, und wenn man welche fand, war es üblich, sie von morgens bis abends einzuschließen und mit einer Gruppe an Soldaten zu vergewaltigen, bis sie langweilig wurden, oder eben nicht, und als Prostituierte für die Soldateska weitergegeben wurde. Wenn die japanischen Soldaten sich jedoch entschieden, dass sie die Frau oder das Mädchen nicht weiter vergewaltigen wollten, wurde ihnen oft eine Glasflasche in die Vagina eingeführt und dann kaputt gemacht, was die Betroffenen qualvoll umbrachte.

Väter wurden gezwungen, ihre Töchter zu missbrauchen, wobei sie auch bei Befolgen von den Bedingungen der Soldaten letztendlich umgebracht wurden.

Überall lagen weiterhin Leichenberge offen auf den Straßen und das ganze Blut, das vergossen wurde, verseuchte alle Wasserquellen um Nanking herum, sodass sie roten Reis, der mit blutigen Wasser gewaschen geworden war, essen mussten, um nicht zu hungern.

Die Nankinger Sicherheitszone – Ein Licht im Dunkeln

Mitten innerhalb des gnadenlosen Massakers befand sich eine eingerichtete Sicherheitszone, die zwar offiziell nie von den Japanern anerkannt, in der Praxis dennoch beachtet wurde.

Hier kamen bis zu 250.000 chinesische Zivilisten unter, sowohl bereits Verletzte oder gerade noch so im Voraus Gerettete, die sich schon kurz vor der Invasion durch die japanischen Soldaten, direkt als sie durch Vorahnung dessen, was passieren würde, in die Zone begeben hatten.

John Rabe war ein deutscher Kaufmann. Aufgrund seiner Verdienste um die chinesische Zivilbevölkerung wird er auch als “Oskar Schindler Chinas” bezeichnet. (Quelle: wikipedia / DrSivle / CC BY-SA 3.0 )

In Kraft gesetzt wurde dies durch die aus Not entstandene Organisation der verbliebenen Nicht-Chinesen in Nanking, die unter Leitung des bereits erwähnten Deutschen John Rabe nach Flucht des Bürgermeisters den politischen Oberbefehl in der Stadt erhielt.

Sie waren zu neunt verblieben, da die anderen sieben Mitglieder der ursprünglichen Organisation die Flucht noch kurz vor der Belagerung der Japaner ergriffen. Nun beschützten drei deutsche Geschäftsmänner und sechs amerikanische Missionare so gut es ging die Zivilisten Nankings. Sie liefen von Haus zu Haus, besonders die Deutschen, da sie die Japaner mit ihren Hakenkreuzen, die sie an den Armen trugen, verscheuchen konnten. Den Amerikanern wurde nicht immer gehorcht: Aber sobald sie einen Deutschen sahen, hatten die Japaner wegen des Pakts mit Nazi-Deutschland Respekt und ließen die Chinesen, um die es ging, in Frieden.

Eine große Flagge mit dem Hakenkreuz-Symbol wehte in John Rabes Garten – unter ihr waren 650 Chinesen versteckt, die Rabe aus ihren Häusern oder von den Straßen retten konnte – und keine einzige Bombe fiel auf diesen Garten. Kamen dennoch japanische Soldaten über die Gartenmauer, beförderte er sie eigenhändig wieder zurück, so berichtete er es in seinem Tagebuch.

Karte der Nanking Sicherheitszone (Quelle: wikipedia / gemeinfrei)

Es gab trotzdem zum Teil Bombenanschläge auf die Zone, es herrschten Hunger und schlechte Hygieneverhältnisse, doch trotz all diesen Dingen waren die Chinesen John Rabe unendlich dankbar, und er fühlte sich immer verbundener zu ihnen, denn selbst die im Krankenhaus Liegenden starben durch ihr Durchhaltevermögen und die neu gewonnene Sicherheit meist nicht. 

Dann kam im Januar 1938 der Schlag: Nach all dem, was die Organisation bewegen konnte, wurden sie nun von den Japanern und Siemens China Co., der Firma in der Rabe gearbeitet hatte, gezwungen, die Stadt zu verlassen. Für die Chinesen, die sich auch „Rabe-Chinesen“ nannten, war dies besonders schlimm, da das bedeuten würde, dass sie wieder komplett der japanischen Soldateska ausgeliefert wären.

Zu deren Glück ließ Rabe dies nicht einfach über sich ergehen: Er wusste, dass er nicht mehr erhandeln konnte, zu bleiben, aber traf eine Vereinbarung mit den Soldaten, dass alle Chinesen aus der Zone, die sich rechtzeitig bei den Japanern registrierten, nicht mehr angerührt werden durften.

Dem gaben die Japaner ihre Einwilligung und Rabe zwang alle Chinesen, die sich unter seinem und dem Schutz der Organisation befanden, sich zu registrieren, damit nichts mehr passieren konnte. Sie trauten dem Versprechen: Es war klar, dass die Japaner kein Versprechen mit einem Deutschen brechen würden, alleine aus strategischer Sicht.

Im Februar war es dann so weit: Alle Chinesen waren registriert, einige Mitglieder der Organisation waren bereits zurück in ihr Land gezogen und für Rabe war es nun auch Zeit.

Die Chinesen überreichten ihm vor seinem Aufbruch den Titel „deutscher lebender Buddha“ und ein Tuch, auf dem sie schrieben, dass er eben dieser für Hunderttausende Chinesen geworden war. Sie begleiteten ihn bis zum Ende der Stadt, wo er dann endgültig Abschied nehmen musste.

Entwicklungen in der Nachkriegszeit

Seine Tagebücher, die er nach Hitler geschickt hatte, um ihn noch während des Kriegs auf Japans Taten aufmerksam zu machen, wurden von der Gestapo in Beschlag genommen und kurz darauf wurde er für drei Tage von derselbigen verhaftet und dazu gezwungen, die Füße still zu halten. An dem Punkt war ihm aber auch klar geworden, dass Hitler nicht die menschenfreundliche und herzensgute Person war, für die er ihn gehalten hatte, und dass das Berlin, in das er zurückgekommen war, nicht mehr seine Heimat sein konnte.

Bronzeskulptur zum Gedenken an die Opfer des Nanking Massakers im Nanjing Massacre Museum (Quelle: Amy Keus, CC BY-SA 2.0)

Japan hatte den Krieg verloren und die Soldaten waren aus China hinausmarschiert, mit keinen weiteren Schäden an Zivilisten Nankings, während Rabe in Deutschland mit seiner Familie von Päckchen mit Essen leben musste, die aus Amerika und China zu ihm geschickt wurden, da Siemens ihn in der Zeit, in der er noch nicht entnazifiziert war, rausgeschmissen hatte. So war er arbeitslos geworden, und auch als er dann endlich seine Entnazifizierung im Jahr 1946 bekam, war es zu spät: Seine Gesundheit war an einem Tiefpunkt und er kam einfach nicht an genug Geld; verarmt und unbekannt starb er 1950 an einem Schlaganfall in Berlin.

Zunächst wurde er einfach an einem örtlichen Friedhof untergebracht, da er für niemanden jemand war, der 250.000 Menschen das Leben gerettet hat.

Aber den Chinesen war das nach wie vor bewusst: Als sie von seinem Tod Wind bekamen, baten sie um seinen Grabstein, sodass sie ihn zumindest ehrenvoll ausstellen und auf seine Heldentat hinweisen konnten. Sie bekamen auch die Genehmigung und der ursprüngliche Grabstein kam nach Nanking, oder heutzutage, Nanjing, wo er jetzt im Museum zu dem Massaker ausgestellt ist.

Doch nicht nur Rabe hatte dieses Schicksal erfahren: Das ganze Massaker war nach einigen Jahren vergessen. Die Japaner versteckten sich vor der Wahrheit ihrer Gräueltaten, die Amerikaner konnten nicht das Gehör bekommen, das sie brauchten, John Rabe war tot, und die Regierung der Volksrepublik China wollte die ganze Geschichte ebenfalls nicht öffentlich für die Welt machen: Zurück blieb das chinesische Volk, das an den Erinnerungen festhielt und auf eine Entschuldigung Japans wartete, die sie erst 2016 bekamen.

Dass sie sie überhaupt bekamen, lag daran, dass das ganze Thema in den 90er Jahren wieder einen Aufschwung erfuhr: Erwin Wickert veröffentlichte John Rabes Tagebücher und eine Autorin namens Iris Chang hatte ein Buch geschrieben, in dem sie von dem Massaker berichtete.

Wenn es auch nicht außerordentlich extrem polarisierte, gewann es definitiv an Aufsehen in den Medien, besonders auch in den sozialen Medien der letzten Jahre.

Das Massaker ist nun nicht mehr totgeschwiegen und die Intoleranz mancher Japaner, die respektlos mit der Sache umgehen oder es komplett ignorieren wollen, kommt so schwer durch wie noch nie zuvor.

Text und Recherche: Jara-Sofie Wilms

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