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Herzenssache: Organspende

Gestern hat der Bundestag beschlossen, dass es keine Reform der Organspende in Deutschland geben wird. Die sogenannte Widerspruchslösung wurde abgelehnt. Trotzdem sollte man sich mit diesem wichtigen Thema befassen. Deswegen beantworten wir Euch alle wichtigen Fragen zur Organspende.

Organspende kann Leben retten. Das haben wir erst kürzlich in unserem Interview mit Sarah erfahren, die eine neue Lunge transplantiert bekommen hat. Doch beim Thema Organspende sind viele Menschen stark verunsichert und entscheiden sich oft aus Angst dagegen, selber Organspender zu werden. Aus diesem Grund möchten wir die wichtigsten Fragen zum Thema Organspende beantworten:

Welche Organe können gespendet werden?

Man kann folgende Organe spenden: Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse und Darm.

Außerdem können folgende Gewebe gespendet werden: Horn- und Lederhaut der Augen, Herzklappen, Haut, Blutgefäße, Knochen-, Knorpel- und Weichteilgewebe sowie Gewebe, die aus Bauchspeicheldrüse oder Leber gewonnen werden. Im Gegensatz zu Organen werden viele Gewebespenden in der Regel nicht direkt übertragen. Sie können in Gewebebanken konserviert und zwischengelagert werden, bis sich ein geeigneter Empfänger gefunden hat.

Wie werde ich Organspender?

Einen Organspenderausweis kann man sich einfach im Internet herunterladen und ausdrucken. Aber auch bei Krankenkassen, Arztpraxen und Apotheken gibt es kostenlos Organspender-Ausweise.

Kann ich festlegen, welche Organe ich spenden möchte?

Nur wenn ein Mensch auf einer Intensivstation verstirbt und seine Herz-Kreislauffunktion erhalten werden kann, kann er Organspender sein. (Quelle. pixabay.de / gemeinfrei)

Ja, wer an seinem Herzen hängt oder glaubt, dass man von der Leber besser die Finger lassen sollte, der kann auf seinem Ausweis bestimmte Organe ausschließen oder umgekehrt nur bestimmte Organe für eine Spende frei geben.

Ich habe meine Meinung zum Thema Organspende geändert und möchte doch kein Organspender mehr sein. Muss ich mich irgendwo abmelden?
Nein, die Bereitschaft zur Organspende wird nirgendwo registriert. Man kann den Organspender-Ausweis einfach in den Müll werfen. Am besten informiert man zusätzlich auch die Angehörigen über diese Entscheidung. Man kann auch auf einem Organspenderausweis ausdrücklich festlegen, dass man keine Organe spenden möchte.

Wann kann ich Organe spenden?

Eine Organ- und Gewebespende ist nur möglich, wenn bei einem Patienten der Hirntod eingetreten ist. Das heißt, dass sämtliche Hirnfunktionen unumkehrbar ausgefallen sein müssen. Der Hirntod muss in einer sogenannten Hirntod-Diagnostik von zwei Ärzten unabhängig voneinander diagnostiziert werden. Das Herz-Kreislauf-System wird in diesem Fall künstlich aufrechterhalten. Da in den meisten Todesfällen der Herzstillstand vor dem Hirntod eintritt, kommen nur wenige Verstorbene für eine Organspende in Betracht.

Außerdem gibt es noch die Möglichkeit der Lebendspende. Lebendspenden sind nur unter nahen Verwandten und persönlich eng miteinander verbundenen Personen möglich. Menschen mit einer guten Nierenfunktion können eine ihrer beiden Niere spenden, weil die verbleibende Niere den Ausfall kompensiert. Auch ein Teil der eigenen Leber kann gespendet werden. Laut Transplantationsgesetz (TPG) ist die Transplantation von Organen lebender Spender nur zulässig, wenn kein gespendetes Organ eines Verstorbenen für den Empfänger zur Verfügung steht. Das Transplantationsgesetz stellt sicher, dass eine Lebendspende nur freiwillig und mit möglichst geringem medizinischem Risiko für den Spender erfolgt.

Wie alt muss ich sein, um ein Organ zu spenden?

Ein Organspender-Ausweis ist kostenlos erhältlich. Man kann in einem Ausweis auch markieren, dass man keine Organe spenden möchte. (Quelle: bzga.de)

Für die Spenden von Organen gibt es kein Höchstalter. Trotzdem gilt, dass sich bei jüngeren Verstorbenen mehr Organe zur Transplantation eignen als bei älteren. Entscheidend für eine Organspende sind der Gesundheitszustand der verstorbenen Person und der Zustand ihrer Organe.  Doch auch die funktionstüchtige Niere eines mit über 70 Jahren verstorbenen Menschen kann einem anderen Menschen wieder zu einem fast normalen Leben verhelfen. Häufig erhalten ältere Patientinnen und Patienten die Organe älterer Spenderinnen und Spender.

Bei jungen Menschen entscheiden übrigens die Eltern, ob Ihre Kinder Organspender werden dürfen. Kinder oder Jugendliche können jedoch ab dem 14. Lebensjahr einer Organspende widersprechen. Ab einem Alter von 16 können Sie sich zudem ohne Zustimmung der Eltern für eine Transplantation entscheiden.

Gibt es bestimmte Krankheiten, die eine Organspende ausschließen?

Nur wenn der Organspender an einer akuten Krebserkrankung leidet oder HIV-positiv getestet wurde, ist eine Organspende ausgeschlossen. In allen anderen Fällen entscheiden die Ärzte nach den erhobenen Befunden, ob eine Organspende infrage kommt. Jedes zur Transplantation frei gegebene Organ wird zum Entnahmezeitpunkt genauestens untersucht.

Wer entscheidet, wer ein Organ bekommt?

Wer welches Spenderorgan erhält, hängt von der medizinischen Dringlichkeit, der Länge der Wartezeit und den Aussichten auf eine erfolgreiche Transplantation ab. Die medizinischen Kriterien variieren dabei von Organ zu Organ. So muss bei einigen Organen eine Übereinstimmung der Blutgruppe oder von bestimmten Gewebemerkmalen von Spender und Empfänger geprüft werden. In Deutschland legt die Bundesärztekammer die Richtlinien für die Wartelistenführung und Organvermittlung fest. 

Kann man auch ein dringend benötigtes Organ kaufen?

Nein, der Handel mit Organen ist in Deutschland laut §18 des Transplantationsgesetzes verboten und unter Strafe gestellt.

Kann ich selber entscheiden, wer meine Organe erhalten soll bzw. wer meine Organe nicht erhalten soll?
Nein, die Vergabe von Organen erfolgt ausschließlich nach medizinischen Kriterien und nicht nach Herkunft, Einkommen oder politischen Ansichten.

Wie viele Menschen warten auf ein Organ und wie viele Spender gibt es?
Auf der Warteliste für Transplantationen stehen derzeit 9000 Menschen. Zählt man die Menschen dazu, die gar nicht erst auf die Liste für eine Transplantation aufgenommen wurde, liegt die Zahl noch weitaus höher. In Deutschland haben im Jahr 2019 932 Menschen ein Organ gespendet.

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